Philippinen: Muslime befürworten Familienplanung

Moslemische Geistliche haben auf den Philippinen eine Fatwah erlassen, die sich für Familienplanung einsetzt. Die katholische Kirche und die Regierung sprechen sich indessen trotz des schnellen Bevölkerungswachstums gegen Verhütungsmittel aus.

Rund 200 moslemische Geistliche erklärten Anfang März in einer Fatwah, dass jedes von Gott geschenkte Kind ein „geplantes moslemisches Kind“ sein solle. Die Fatwah bricht ein Tabu, indem sie sich mit Familienplanung und reproduktiver Gesundheit befasst. Der Text behandelt unter anderem Sex zwischen Ehepartnern, die Planung von Geburten, das Stillen, Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.

Hervorgehoben wird „die Zulässigkeit von Familienplanung zum Wohle von Mutter und Kind“. Familienplanung habe nichts mit Abtreibung oder Geburtenkontrolle zu tun. „Der Zeitpunkt einer Schwangerschaft sollte die Entscheidung des Ehepaares sein“, so die Fatwah.

Tomas Osias, Geschäftsführer der philippinischen Bevölkerungskommission, sagt, dass ungefähr 55 Prozent der Frauen in der moslemischen Region Mindanao Familienplanung betreiben wollen, bisher aber fürchteten, damit gegen den Islam zu verstoßen. Mit der Fatwah stünden Themen der reproduktiven Gesundheit für gläubige Moslems nun nicht mehr im Konflikt mit ihren Glaubensgrundsätzen.

Konservative Katholiken

Viele Katholiken, die rund 80 Prozent der philippinischen Bevölkerung ausmachen, halten die moslemischen Geistlichen für fortschrittlicher als ihre eigenen Kirchenvertreter. Erst 2003 blockierte die Katholische Bischofskonferenz der Philippinen ein Gesetz, das die Verwendung von Staatsgeldern für Kondome und andere Verhütungsmittel ermöglicht hätte. Außerdem unterstützt die konservative Regierung von Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo mit 888.000 US-Dollar die Couples for Christ – eine Organisation, die „natürliche Familienplanung“ propagiert und vom Kondomgebrauch abrät.

Wie groß der Bedarf an Familienplanung und Verhütung tatsächlich ist, zeigen die hohen Abtreibungsraten: Einer Studie der Universität der Philippinen zufolge werden rund 400.000 Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr durchgeführt – obwohl sie gesetzlich verboten sind.

Experten befürchten Aids-Explosion

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisiert die Politik der Regierung Arroyo massiv: „Die Philippinen steuern mit dieser Politik auf eine Aids-Epidemie zu“, so Jonathan Cohen von HRW. Die Regierung verbreite sogar Fehlinformationen über Kondome, indem sie ihre Wirksamkeit anzweifle. Mit nur 10.000 Aids-Fällen bei einer Bevölkerungsgröße von 84 Millionen ist die Verbreitung des Virus auf den Philippinen zwar noch sehr gering. Experten befürchten jedoch eine explosionsartige Verbreitung der Seuche, weil sich nur die wenigsten Philippinos vor einer Infektion schützen.

Schnelles Bevölkerungswachstum

Neben HIV/Aids erfordert auch das hohe Bevölkerungswachstum Familienplanungsdienste. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um 2,4 Prozent. Mit 1,7 Millionen Geburten jährlich haben die Philippinen die höchste Geburtenrate in ganz Asien. 2010 werden voraussichtlich 100 Millionen Menschen auf den Philippinen leben, die dann zu den 15 bevölkerungsreichsten Ländern der Erde zählen. Bis 2030 könnte sich die heutige Bevölkerung sogar verdoppeln, so die Projektionen.

„Wenn die Geburtenrate weiterhin so hoch bleibt, wird sich das auf die Nahrungsmittelproduktion, die Gesundheitsdienste, das Bildungssystem, die Umwelt und die Wohnungsversorgung auswirken“, so Tomas Osias. Das schnelle Bevölkerungswachstum werde so ein ernsthaftes Problem für jede künftige Regierung.

Datum: 03.08.2004
Quelle: DSW

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