AIDS: Folgt Asien Afrika?

In manchen Ländern Afrikas ist durch das HI-Virus eine Generation beinahe weggestorben. Ähnliches könnte sich in Südasien und Russland ereignen, warnt die Weltbank im Vorfeld der UNAIDS-Konferenz. Billiges Heroin in den Städten, unsauber gespritzt, treibt die Infiziertenzahlen in die Höhe.

Die Verachtung der Frau im hinduistischen Wertsystem, die hohe Mobilität und die Entwurzelung von Millionen bei extremen sozialen Gegensätzen führen dazu, dass Prostitution und andere sexuelle Kontakte viel zu oft zur Ansteckung führen.

Praful Patel, Vizepräsident der Weltbank für Südasien, befürchtet, dass die Leugnung der Gefahr, welche in mehreren Ländern Schwarzafrikas die Katastrophe beschleunigte, sich in Indien wiederholt. Dort wurde von Hindus, die sich als Arier verstehen, vor Jahren eine rassisch begründete Abwehrkraft behauptet – als nähme das HI-Virus Rücksicht auf die Hautfarbe.

Laut Patel trösten sich manche Politiker immer noch mit vergleichsweise niedrigen Ansteckungsraten. Doch Indien mit seinen 1’040'000'000 Menschen könnte bald die weltweit grösste Zahl von HIV-Positiven und AIDS-Kranken haben (0,8 Prozent der Bevölkerung sind acht Millionen!). In Nepal sind zwei von drei Fixern und jede fünfte Prostituierte infiziert.

In Süd- und Ostasien werden immer mehr Frauen angesteckt – auch junge Frauen, auch das Heimchen am Herd, die treue Gattin. Die Epidemie „hat jetzt das Gesicht einer Frau“, sagte Lucita Lazo vom Frauenentwicklungsfonds der UNO.

In Kambodscha werden täglich sieben Frauen von ihren Männern, die fremdgehen, angesteckt. Das Verhältnis von neu infizierten Männern und Frauen in China hat sich von 9:1 vor dem Jahr 2000 zu 4:1 gewandelt.

Am 11. Juli startet in Bangkok die internationale Konferenz der UN-Agentur UNAIDS mit Beteiligung von Staats- und Regierungschefs. Thailand hat mit entschlossenen Massnahmen seit den 90er Jahren die Ansteckungsrate gesenkt.

Wenn das unsägliche Leid für die Kranken und ihre Familien manche Politiker die Achsel zucken lässt, so lassen sie sich vielleicht doch von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie aufschrecken. In Afrika sind sie da, in anderen Erdteilen sind sie absehbar.

Russland wird für 2010 ein 2-4 Prozent tieferes Bruttoinlandprodukt vorausgesagt, falls nicht energische Schritte zur AIDS-Abwehr unternommen werden. Billiges Heroin überflutet die Städte im Land, das an die zentralasiatischen Staaten grenzt.

Infos: www.unaids.org

Datum: 03.07.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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