Koscheres Fleisch, koschere Stadt?

Das Oberste Gericht Israels hat die Beschränkungen des Verkaufs von Schweinefleisch in den Städten Tiberias, Karmiel und Beit Shemesh aufgehoben. Neun Richter urteilten einstimmig, der Verkauf müsse in Stadtteilen möglich sein, wo bloss eine kleine Minderheit daran Anstoss nehme. Bis die Städte neue Verordnungen ausgearbeitet haben, ist der Verkauf in allen Stadtteilen frei.

Der Streit ums Schweinefleisch wächst sich laut der Jerusalemer Zeitung ‚Haaretz’ zu einem der wichtigsten Rechtskonflikte in Israel aus. Im Grund wird darüber gestritten, in welchem Mass das öffentliche Leben im jüdischen, aber zunehmend multikulturellen Staat vom Gesetz des Mose bestimmt sein soll. Dieses bezeichnet Schweinefleisch als unrein (nicht koscher) und verbietet seinen Verzehr – eine Weisung, die religiöse Juden konsequent einhalten.

Mit der Zuwanderung von vielen hunderttausend Osteuropäern, die in Sowjetzeiten in keiner Weise koscher lebten und sich auch als Israelis alte Freiheiten nehmen, hat sich die Problematik in den letzten Jahren zugespitzt. Der Führer der ultraorthodoxen Shas-Partei, Eli Yishai, wurde im Radio mit der Bemerkung zitiert, das Gericht habe einen „zentralen Nagel in den Sarg der jüdischen Identität im Staat getrieben“.

Ein Gesetz von 1956 erlaubt den Städten in Israel, den Verkauf von Schweinefleisch zu verbieten. Bürgergruppen sind an das Gericht gelangt, die Verbote aufzuheben oder die Städte zu zwingen, sie auf „klar religiöse Gebiete“ zu beschränken. Schon im Januar hatte darauf das Gericht die Behörden von Tiberias angewiesen, von der stadtweiten Durchsetzung des Verbots abzusehen.

Datum: 15.06.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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