Auf der Suche nach Frieden für Israel und die Palästinenser

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist brisant und bedroht den Weltfrieden. Einige Christen in der Region gehen mit gutem Vorbild und Lösungsmodellen voran. Sind die Schweizer Christen ihnen dabei eine Hilfe oder ein weiteres Hindernis?

Zur Klärung dieser Frage wollte eine Konferenz des Forums „ChristNet“ Mitte Mai unter dem Titel „Naher Osten: Welcher Friede?“ Mitte Mai in Bern beitragen. Da viele evangelikale Gruppierungen einseitig den israelischen Staat bedingungslos unterstützen, andere wiederum einseitig die Palästinenser als Opfer sehen, wollte die Tagung vor allem auf die Bedürfnisse und Leiden der Juden und der Palästinenser eingehen. Sie lud dazu Stimmen Betroffener aus der Region und einen Nahostexperten ein.

Gott wirkt auch in einer verfahrenen Situation

Der arabische Pfarrer Shafique Keshavjee betonte, dass die Christen berufen seien, sich für die Liebe zu entscheiden, die Gerechtigkeit und Treue in sich vereint. Er schilderte die gegenwärtige Situation als äusserst komplex. Einerseits trenne der Hass Juden und Palästinenser, andererseits bestünden riesige Spannungen innerhalb der zwei Lager. Bei den Juden zwischen Aschkenasen und Sepharden, zwischen Religiösen, Säkularen und messianischen Juden. Auf palästinensischer Seite gebe es Konflikte zwischen Moslems und Christen, zwischen Vertretern einer politischen Lösung, und solchen, die zur Gewalt greifen. Aber auch auf Seiten der Christen gebe es die unterschiedlichsten Haltungen sowohl im Blick auf Israel wie gegenüber den Palästinensern. Er kann sich aber vorstellen, dass Gott zum Erreichen seines Ziels die verschiedenen Kontrahenten brauche, sich gegenseitig zu korrigieren und zurecht zuweisen.

Wie Kontakte zwischen Feinden entstehen

Die Judenchristin Pamela Suran hatte als Reiseleiterin bei einem arabischen Unternehmen realisiert, wie wenig sie die Welt ihrer arabischen Kollegen kannte, und wie sehr sie sie fürchtete. Daraufhin lernte sie Arabisch und kam so in Kontakt mit arabischen Christen, was in der Folge zu Begegnungen von Arabern mit Juden führte. Pamela Suran rief in Bern die Christinnen und Christen im Westen auf, nicht Partei zu ergreifen, sondern die Gemeinden vor Ort zur Begegnungen zu ermutigen, denn „unser gemeinsamer Platz ist unter dem Kreuz“. In Israel und Palästina stecke ein riesiges Potenzial. Alle seien aufgerufen, den Prozess der Versöhnung zwischen den beiden Volksgruppen im Zeichen des Kreuzes zu begleiten.

Ein Plädoyer für die Genfer Initiative

Der Nahostexperte Pascal de Crousaz sieht nach dem Scheitern der zahlreichen bisherigen Friedensbemühungen in der Genfer Initiative eine Chance. Ziel der Initiative sei die Lösung des Konflikts: Die beiden Völker sollten in Sicherheit und Würde miteinander leben können, in einem dauerhaften und umfassenden Frieden. Die Initiative wolle daher gleich zu Anfang die heikelsten Punkte klären: den Status von Jerusalem, den Grenzverlauf und die Flüchtlingsfrage.

Was den Grenzverlauf angeht, sei vorgesehen, dass den Palästinensern sämtliche besetzte Gebiete zurückgegeben würden. Israel dürfe zwar gewisse Zonen behalten, müsse sie aber durch andere Gebiete ersetzen. Die Heiligkeit von Jerusalem für alle drei monotheistischen Religionen werde anerkannt. Die Flüchtlinge sollten in die Gebiete zurückkehren können, die unter palästinensischer Verwaltung stehen, nicht aber in solche unter israelischer Verwaltung. Sie könnten um die Rückkehr nach Israel ersuchen, doch entscheide der Staat Israel, wie viele Palästinenser er akzeptiere.

Die Genfer Initiative sei die „am wenigsten schlechte“ Lösung, die bislang zur Diskussion gestanden habe. Wenn sie scheitere, werde es nur einen Frieden nach dem Diktat des Stärkeren geben. Solche Lösungen seien aber weder dauerhaft noch wünschenswert... Allerdings brauche es einen Stimmungswechsel in der israelischen Bevölkerung, bis die Initiative unter ihnen mehrheitsfähig werde.

Sich kennen und respektieren lernen

An einer Podiumsdiskussion betonte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft für das Messianische Zeugnis in Israel (AMZI), Hanspeter Obrist, Juden und Araber – insbesondere die Christen beider Lager – sollten sich kennen und respektieren lernen. Andere Podiumsteilnehmer hoben hervor, dass der grösste Beitrag der westlichen Christen für die Versöhnung in der Liebe bestehe und insbesondere darin, weder für das eine noch das andere Lager Partei zu ergreifen. Das Gespräch förderte aber auch die unterschiedlichen Gesichtspunkte zutage und spiegelte damit die Komplexität des Nahost-Konflikts.

Während des ganzen Tages trugen Zeiten der Anbetung, Gruppengespräche und -gebete zur Vertiefung und Verarbeitung bei. Konkret wurden die Teilnehmenden eingeladen, in einem offenen Brief den Initianten der Genfer Initiative zu danken und sie in ihrem Engagement zu ermutigen.

Webseite www.christnet.ch

Autor: Wolfgang Riewe
Quellen: Livenet/ Christnet

Datum: 08.06.2004

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