Die Friedensbewegung ist wieder verstummt

Der Event ist vorbei. Vor rund einem Jahr gingen Zehntausende gegen den Krieg im Irak auf die Strasse. Heute gibt es fast genau gleich viele Konflikte in der Welt. Die Friedensaktivsten können oder wollen die Leute nicht dazu motivieren, erneut auf die Strasse zu gehen.

40'000 Menschen gingen am 15. Februar 2003 in Bern auf die Strasse. Sie demonstrierten gegen die sich abzeichnende US-Besatzung des Iraks. Für den Frieden und gegen den Krieg, verkündigten sie. Allzu lange scheint die breite Masse aber nicht gegen Kriege zu sein. Bis auf das Medienereignis im Irak hat sich kaum etwas verändert. Rund 50 Konflikte und Kriege wüten. In den zehn Kriegen mit den höchsten Opferzahlen kamen 7'820'000 Menschen ums Leben. Alleine in Kongo-Kinshasa und dem Sudan mussten je rund zwei Millionen Menschen sterben. Ein vielfaches der Toten des Irakkrieges. Gegen Letzteren protestierten in der Schweiz Wochenende für Wochenende Zehntausende, während Kriege mit viel grösseren Opferzahlen die Friedensbewegten nicht auf die Strasse treibt. So rief der aus dem Kongo stammende Baptistenprediger Jean Mutombo Ndalamba zu internationalem Druck und Grosskundgebungen auf. Dies würde der Kirche den Rücken stärken, bei ihrem Aufruf, die Waffen freiwillig niederzulegen.

Verglichen mit dem Kongo ist der Irak ein Nebenschauplatz. Warum gibt es für Kriege mit Millionen Opfern keine Grosskundgebungsserie? Weil bei den vielen Konflikten in Afrika nur wenige wissen, um was es genau geht. Man beschäftigt sich nicht damit, also bleibt der Protest aus.

Im Irakkrieg waren die Fronten klar. Da wird ein Tyrann von einer Supermacht angegriffen. Von einem solchen erwartet man nichts anderes als Menschenrechtsverletzungen. Benutzte er zudem noch seine Bevölkerung als lebendige Schutzschilder und wurde dabei jemand getroffen, war dies der Beweis für die Brutalität der Besetzer. Der einzige der seit Jahrzehnten Menschen im Irak umbringen durfte, ohne dass die Kriegsgegner auf die Barrikaden gingen, war der mittlerweile gefangene Schlächter von Bagdad, wie Saddam auch genannt wird.

Hussein mordet nicht mehr, der Clan-Chef der «mesopotamischen Mafia» ist weg. Ein Segen. Es gibt aber rund 80 weitere Diktaturen auf der Welt sowie 50 Krisen und Konflikte mit Millionen von Toten. Menschenrechte werden mit Füssen getreten, Tausende verfolgt und eingesperrt wegen ihrem Glauben. Doch für die Demonstranten ist leider die «Show» scheinbar vorbei. Warum also nur eine Demonstration gegen die Amerikaner und alle anderen Diktatoren ignoriert man, wie früher Saddam.

Datum: 12.01.2004
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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