IS-Terroristen in Kobane

«Wir sind hier, um euch zu beschützen, lasst uns herein!»

Das sind die Worte der IS-Schergen, als sie im Juni 2015 die syrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei überfallen und die Bewohner wahllos ermorden. Selbstmordattentäter bomben sich den Weg nach Kobane frei. Danach gehen sie – als Kurden getarnt – systematisch von Haus zu Haus und rufen in kurdischer Sprache: «Wir sind hier, um euch zu beschützen, lasst uns herein!» Die verängstigten Bewohner öffnen ihre Türen, die Terroristen dringen ein und ermorden, wer ihnen begegnet – im Namen Allahs.

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Die zerstörte syrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei.

Enthauptet – wegen einer Bibel

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Der Küchenjunge (links) wurde von den IS-Schergen mit einer Bibel erwischt. Sie hackten ihm die Hände ab und enthaupteten ihn.
Ein Küchenjunge (Foto) wird mit einer Bibel erwischt. Sie hacken ihm die Hände ab und enthaupten ihn. Das war kurz nachdem er aus seinem Versteck heraus am Telefon gesagt hat: «Und wenn sie mich zehn Mal umbringen, Jesus lebt und bleibt mein König!»

Es sind schockierende Bilder, die uns erreichen. Gefesselte und enthauptete Menschen; blutverschmierte Räume voller Leichen – ausgelöschte Familien. Eine weinende Mutter hält ihre enthauptete siebenjährige Tochter in den Armen, will sie auch Stunden nach deren Ermordung nicht loslassen.

Der IS zieht wieder ab. Zurück bleiben hunderte Tote – darunter viele Rückkehrer aus unserem Camp auf der türkischen Seite – und noch mehr traumatisierte Überlebende. Dann folgt das verheerende Attentat auf der türkischen Seite der Grenze – und die faktische Kriegserklärung der Türkei an die Kurden.

Hoffnung inmitten von Verzweiflung

«Wir werden durch unsere eigene Religion zerstört», bricht es aus unserem Übersetzer heraus. Ein Ausdruck der Identitätskrise, die das zwangsislamisierte kurdische Volk erfasst hat. Und eine Erklärung für ein wachsendes Phänomen im islamischen Raum: Offenheit für die Hoffnung durch den christlichen Glauben. «Ich bin noch von keinem Kurden abgelehnt worden, dem ich davon erzählt habe», sagt unser Mitarbeiter vor Ort.

Tatsächlich erleben wir besonders in Staaten, in denen der islamische Terror besonders stark wütet, erstaunliche geistliche Aufbrüche. Muslime werden durch Träume, unerklärbare Heilungen und andere übernatürlichen Erfahrungen auf Jesus Christus aufmerksam, finden eine Beziehung zu ihm. Doch der Preis dafür ist hoch: Wer sich für Kurden einsetzt, gerät zunehmend zwischen Hammer und Amboss: Druck durch die türkischen Behörden und ernstzunehmende Drohungen seitens des IS: «Wir werden dich finden, dich enthaupten und deinen Kopf vor die Hunde werfen.»

Kirchen weg – und damit auch der Segen

Heute ist die syrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei zu 80 bis 90 Prozent zerstört, nach monatelangen Kämpfen. Es fehlt an allem, besonders an Strom und Wasser; ein normales Leben ist undenkbar. Trotzdem sind inzwischen Tausende Vertriebene zurückgekehrt, suchen in Zelten und Ruinen Unterschlupf. Darunter auch Christen.

Die Stadtregierung überlegt, wie das Leben weitergehen könnte, schmiedet zaghaft Pläne für die Zukunft. Wir bauen eine Bäckerei auf, die täglich bis zu 20 Tonnen Brot produzieren kann. Der Bürgermeister sagt: «Seit 1920 sind die vier Kirchen der Stadt weg – und damit auch der Segen!» Er stellt Land zur Verfügung, um ein christliches Begegnungszentrum mit Kirche, Schule und Klinik zu erstellen. Langsam macht sich Hoffnung breit.

Solidaritätsaktion verfolgung.jetzt

Verfolgte Christen sind auf die Unterstützung der Christen in der freien Welt angewiesen, sei es durch Gebet, Finanzen oder in dem wir unsere Solidarität für unsere Glaubensgeschwister auch öffentlich zum Ausdruck bringen. Mit der jährlich stattfindenden Solidaritätsaktion verfolgung.jetzt, die am 10. Dezember 2016 in Bern, Zürich und Genf stattfindet, erhalten verfolgte Christen in der Öffentlichkeit eine Stimme – durch Strassenaktionen und einen Flashmob. Ihre Situation darf im Trubel unseres Alltags nicht untergehen!

Zur Webseite:
verfolgung.jetzt
Sonntag der verfolgten Kirche
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Datum: 14.11.2016
Autor: Andreas Rossel
Quelle: AVC Schweiz

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