Brasilien überrascht

Wo Spitzensportler aus der Favela kommen

Neben dem Fussball fristet die Leichtathletik in Brasilien eher ein Mauerblümchendasein. Doch der gesellschaftliche Untergrund bringt vergleichbare Sportlerkarrieren hervor. Oft liegen Absturz und Triumph nahe beieinander. Typisch dafür sind die Laufbahnen von Eduardo, Geisa und Antonio. Sie feiern nicht nur sportliche Erfolge, sondern haben auch Hoffnung und Zukunft für ihr Leben gewonnen.

Zoom
Geisa bei einem Hürdenlauf
Carlos Eduardo (Edú) schaffte bereits in der Jugend-Kategorie den brasilianischen Landesrekord im 400-Meter-Hürdenlauf. Der talentierte Sportler kennt eine Jugend, die viele seiner Altersgenossen in die Kriminalität treibt. Eltern hatte er nicht. Weil ihn die Mutter nicht bei sich haben wollte, wuchs er bei seiner Grossmutter auf. Im Alter von zwei Monaten erlitt er durch eine verirrte Kugel einen Lungendurchschuss. Er überlebte, aber seine Jugend war von Entbehrungen und Hunger geprägt.

Schliesslich stürzte er in Kriminalität und Drogen ab. Er wurde gefasst und zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Das Jugend-Sport-Programm Fenix, eine Schweizer Initiative mit brasilianischen Trainern, Therapeutinnen und Sozialarbeitern, bot ihm die Gelegenheit zum Ausstieg. Edú entschied sich bewusst gegen das kriminelle Milieu und für hartes Training und ein diszipliniertes Schulprogramm.

Zoom
Carlos Eduardo
Volljährig trainiert Edú heute in der Kategorie «Erwachsene» im «Centro do Excellencia», vergleichbar einem Schweizer Sportgymnasium, im Gliedstaat São Paulo. Er feiert Erfolge bei nationalen Sport-Wettkämpfen und hat eine grosse Zukunft. Er erlebte nach einer Sportverletzung eine übernatürliche Heilung und ist stolz darauf, ein «Athlet Gottes» zu sein.

Geisa

Auch Geisa kommt aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Aufgewachsen ohne Eltern und geprägt von ihrer schwierigen Jugend, fand sie ins Fenix-Programm, trainierte Hochsprung, Weitsprung und Staffettenlauf. 2009 konnte sie ins staatliche «Centro Olympico» SCS, einem Trainingszentrum für Spitzensportler, einsteigen. Parallel dazu nahm sie ein Studium auf. 2013 holte sie in den Regionalwettkämpfen von São Paulo eine Goldmedaille. Im Oktober des gleichen Jahres schuf sie in den Leichathletik-Wettkämpfen der brasilianischen Universitäten den ersten Platz im 400-Meter-Hürdenlauf und den zweiten Platz im Hochsprung. Daneben arbeitet sie selbst mit Kindern in einer brasilianischen Kirche.

Antonio

Zoom
Antonio
Dramatisch ist die Karriere von Antonio, über den die grösste Tageszeitung von São Paulo vor einigen Jahren eine doppelseitige Reportage brachte. Auch er ist in einer Favela im Grossraum São Paulo aufgewachsen, wurde drei Jahre von Fenix trainiert und schaffte es ans staatliche «Centro do Excellencia». Der talentierte Speerwerfer, der vorher Steine von der Autobahnbrücke auf Autos warf, qualifizierte sich damals für die Jugend-Olympiade in Singapur und die Panamerikanischen Spiele.

Aber seine Karriere verlief nicht ohne Rückschlag. Obwohl er Dank eines Sportler-Stipendiums in einem nationalen Wettkampf rasch den 2. Platz im Speerwurf erreichte, verliess er 2011 das Programm und schlug sich für zwei Jahre als Hilfsarbeiter durch. Als das «Centro de Excelencia» Ende 2013 wieder öffnete, konnte er anfangs 2014 seine Sportkarriere wieder aufnehmen – mit glänzenden Aussichten.

Fenix

Das professionelle Fenix-Sportprogramm für Jugendliche von 8 – 18 Jahren wird durch einen gemeinnützigen Schweizer Verein finanziell gestützt und an Ort durch das Schweizer Ehepaar Theo und Ursula Schüepp begleitet. Mehre hundert Jugendliche haben es seit 2006 durchlaufen. Seit Mai 2013 haben Fênix-Athleten an 12 regionalen und nationalen Wettkämpfen teilgenommen. Am 25. August errangen sie in drei Alterskategorien an Pro-Atletismo (FDP, São Paulo) 10 goldene, 2 silberne und 7 bronzene Medaillen. Unter 89 Jugend-Sport-Organisationen im Staat São Paulo hat sich Fenix auf den 7. Platz vorgearbeitet.

Webseite:
Fenix

Zum Thema:
Fussball-Party in der Stube: «Für das Fleisch auf dem Grill ist gesorgt»
Fussballprofi Robert Lewandowski: «Gott schaut mir immer zu»
Fussballer und Facebook: Inspiration für ein Millionenpublikum

Datum: 26.06.2014
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet / SEA

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige