Gedenktag mit Beklemmung

«Ground Zero ist eine Narbe die heilt»

Staatstrauer in den USA zum zehnten Jahrestag von «9/11». Bei Veranstaltungen wird an die Opfer gedacht. Es geht den Verantwortlichen auch um das Heilen seelischer Wunden. Auch der Wunsch nach Frieden und Versöhnung wird thematisiert.

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Michael Arad hat das 9/11 Memorial entworfen. (Foto: timesunion.com)
New York hat offenbar auf diesen symbolischen Schlussstrich gewartet: Zum 10. Jahrestag des Anschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 wird am «Ground Zero» das Denkmal für die Opfer eröffnet. Ground Zero sei «eine Narbe, und zwar eine Narbe, die heilt», meint Michael Arad, der das «9/11-Memorial» entwarf. Gedichte und die Namen der Toten sollen verlesen werden. Am Abend spielen die New Yorker Philharmoniker Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie.

Auf Anweisung des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg soll die Gedenkfeier ohne Geistliche und «offizielle» Gebete auskommen. Mit seiner Entscheidung wollte Bloomberg Kontroversen über die Auswahl der Geistlichen und der Gebete vermeiden.

Der Bürgermeister hat wiederholt betont, die Eröffnung des Memorials und das Gedenken am 10. Jahrestag von 9/11 sei auf die Angehörigen der Menschen konzentriert, die bei den Anschlägen ihre Leben verloren haben. Es werde auch «überhaupt keine Reden» geben.

«Wachruf an Christen»

Der «religiöse» Teil des Gedenkens findet in der National Cathedral in Washington statt: Im Konzertprogramm sind Brahms Requiem, gespielt von Marineinfantristren, sowie Konzerte mit einem Gospelchor und dem afghanisch-stämmigen Musiker Humayun Khan zu hören «9/11» sei ein «Wachruf» an die Christen, erklärte die Baptistin Anne Graham Lotz, Tochter des Predigers Billy Graham. Amerikaner müssten sich bekehren.

Wunsch nach Frieden

Kirchen haben zum «9/11»-Gedenken Gottesdiensttexte für ihre Gemeinden vorbereitet. In vielen Gebeten wird der Wunsch nach Frieden thematisiert. Am besten ehre man die Opfer durch Einsatz «für eine friedvolle Welt», sagte die Bischöfin der Episkopalkirche, Katharine Schori. Das Weisse Haus hatte in seinen Richtlinien für den Jahrestag betont, es solle eine «positive, und nach vorne gerichtete Botschaft» verbreitet werden.

Nebeneinander existierten jedoch auch tiefes Leid, das «Verlangen nach Rache» und das Gefühl mitmenschlicher Verbundenheit, das bei der Selbstlosigkeit der Retter zum Ausdruck gekommen ist. Aber auch der Wunsch nach Versöhnung regt sich. Auf einem T-Shirt steht beispielsweise: «Der Gerechtigkeit ist genüge getan: Bin Laden ist tot».

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Autor: Bruno Graber
Quelle: epd / New York Times / Livenet

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