Fortschritt für Indianer

Mais mit Dünger

Hipolito weiss nun, was er mit seinem Leben anfangen kann. Der Indianer baut im entlegenen Norden Panamas eine Masthühnchenzucht auf, weil alle Nachbarn Poulets lieben. Die Idee und der Mut dafür kamen ihm in einem Kurs von "Licht in Lateinamerika" (LIL). Das Hilfswerk betreibt im Nachbarland Costa Rica ein Ausbildungszentrum. Es gab Hipolito auch einen Kleinkredit als Starthilfe.

Die Indianer kommen aus Reservaten, wo die Einheimischen wegen fehlender Erwerbsmöglichkeiten knapp überleben, wo viele Kinder unterernährt sind und die Trunksucht Familien ins Elend stösst. Am Jahrestag von LIL in Bäretswil im Zürcher Oberland schilderte der Schreiner-Ausbildner Walter Hürlimann am Sonntag die erstaunliche Initiative, welche manche Indianer im Laufe der Kurse entwickeln. Die Finca Tinamastes im Süden Costa Ricas ist eine Oase der Hoffnung: Praxisorientierte Fachausbildung, das Zusammenleben mit dem LIL-Team und geistliche Impulse aus der Bibel motivieren manche Teilnehmer, ein Gewerbe aufzubauen oder ihre Landwirtschaft erfolgreicher zu gestalten.

Dünger macht den Unterschied

Hipolito pflanzte, als er heimkehrte, auch gleich ein Feld Mais. Wie er es auf der Finca gesehen hatte, düngte er es mit selbst hergestelltem Kompost - aber nur den grössten Teil. Als dieser prächtig gedieh, auf dem Rest aber nur kümmerliche Stengel wuchsen, begriffen seine Nachbarn, welchen Unterschied Dünger macht. Ciriaco beantragte am Ende des Kurses als Starthilfe einen Kredit für eine trächtige Kuh. Er und Felicita geben seither ihren Kinder viel mehr Gemüse zu essen; mit dem Mist gedeihen Kaffee und Gemüse prächtig. Ciriaco, der noch keinen Strom im Haus hat, anerbot sich, für eine neue Kirche in der Nähe Holz zu spenden. Von der Finca erbat er Hilfe zum Einsägen des Holzes mit der Motorsäge. Helfer aus den USA errichteten dann die Kirche.

Kleinbetriebe fürs Dorf

Venturo begann mit den einfachen Werkzeugen, welche er im Kurs gefertigt oder verbilligt gekauft hatte, Möbel herzustellen - und er richtete in seinem Dorf gar ein Holzlager ein. Johny betreibt seine Mechanikwerkstatt im Zimmer eines Hauses in der Provinzhauptstadt, wo seine Frau eine Schule besucht. Jeden Monat besucht er indes die Region, aus der er stammt, um für seine Nachbarn Aufträge erfüllen zu können. LIL bietet in Landwirtschaft, Metall- und Holzbearbeitung je drei dreimonatige Kurse an; 2007 wurde zudem ein Multiplikatorenkurs durchgeführt. Manche Teilnehmer der Kurse klären ihre Motive, ordnen ihr Leben im Licht der Bibel neu und verabschieden sich von Gewohnheiten, welche zum hoffnungslosen Schlendrian in den Reservaten beitragen.

Neue Perspektive für die Miskito

Für Miskito-Indianer aus dem Osten von Honduras und dem benachbarten Nicaragua gestaltet sich die Anreise auf die LIL-Finca in Costa Rica sehr aufwendig und kompliziert. Darum baut das Hilfswerk eine zweite Ausbildungsstätte in Puerto Lempira an der honduranischen Atlantikküste auf (der Ort ist von der Hauptstadt auf dem Landweg nicht zu erreichen!). Einheimische Christen sind dabei federführend.

Abenteuer und Arbeit: Kurzzeiter gesucht

Der Mechaniker Markus Mosimann, der ein Jahr auf der Finca im Süden Costa Ricas verbracht hatte, äusserte sich an der Jahrestagung begeistert über seine Erlebnisse und motivierte die anwesenden Jugendlichen zu einem derartigen Einsatz. Dieser weitet die Horizonte durch das Erleben fremder Kulturen und Lebenswelten, wie LIL-Präsident Hansjürg Labèr betonte. Handwerker (Schreiner, Elektriker, Mechaniker), handwerklich Begabte, Gärtner und Landwirte werden dringend gesucht, um die Infrastruktur auf dem Gelände, die im tropischen Klima besonderer Pflege bedarf, zu erneuern. Derzeit befinden sich acht Kurzzeiter auf der Finca.

Links zum Thema:
Webseite von Licht in Lateinamerika (LIL)
Porträt von Victor, Kursteilnehmer auf der Finca

Datum: 27.05.2008
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige