Haiti und Voodoo – es gibt einen Weg aus dem Elend

Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre droht einmal mehr in der Anarchie zu versinken. Die Supermacht in der Nachbarschaft und die internationale Staatengemeinschaft scheinen ratlos. Neu ist die Situation nicht. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt in einem ausführlichen Rückblick auf die 200 Jahre seit der haitischen Unabhängigkeit, dass sich das Land in dieser Zeitspanne „nie weit vom Abgrund entfernt hat“.

Kurz nach 1804 wurden durch die erste Landreform des Kontinents die wirtschaftlichen Weichen falsch gestellt: Die ertragreichen Zucker- und Kaffeeplantagen der früheren französischen Kolonialherren wurden parzelliert und verteilt. Die einstigen Sklaven hatten danach zwar Land, aber die Exportwirtschaft serbelte ab. Seither wurden die fruchtbaren Böden nach Abholzung der Wälder durch Erosion ausgewaschen. „Land besitzt heute fast jeder Haitier, davon leben kann aber kaum einer.“

Die USA besetzten 1915, als sich die Umstürze häuften und die politischen Wirren zuspitzten, mit 350 Marine-Infanteristen das Land. 1934 zogen sie ab, ohne die Grundlage für eine Wende zum Besseren gelegt zu haben: „Es ging nicht lange, bis sich wieder die alten politischen Mechanismen durchsetzen: Vetternwirtschaft, Korruption, Machtgier, Gewaltexzesse, Unterdrückung.“

Aristide förderte Voodoo

Die NZZ schildert den Wandel des früheren Salesianerpaters und marxistischen Befreiungstheologen Jean-Bertrand Aristide zum steinreichen, machtbesessenen Politiker. Vater und Sohn Duvalier, die letzten Diktatoren, waren Voodoopriester; von Aristide wird das Gleiche gesagt. Was die NZZ verschweigt: der Präsident, der die Wahlen 2000 manipulierte, erkannte die aus Westafrika stammende Geisterreligion im letzten April staatlich an.

Infolge dieses Entscheids können Trauungen und andere Rituale von einem Voodoo-Zauberer gültig vollzogen werden: Voodoo wurde gesellschaftlich noch aufgewertet. Anderseits ist die katholische Kirche seit 1987 nicht mehr Staatskirche. Es heisst, dass drei von vier Katholiken auch an Voodoo-Ritualen teilnehmen.

Manche der über 3000 evangelischen Gemeinden stellen sich offen gegen den Geisterglauben, der den Alltag auf Haiti bestimmt. Um den umfassenden Einfluss des Voodoo zu erklären, verweisen Kenner auf ein Ritual der schwarzen Sklaven am Beginn des Aufstands gegen die französischen Kolonialherren 1791. Damals wurde das Land dem Satan verschrieben.

Was Not tut

Für eine Wende zum Besseren ist darum ein religiöser Aufbruch nötig, die bewusste Absage eines Bevölkerungsteils an den Voodoo im Vertrauen auf die Macht von Jesus Christus über die Geister. Mit einer landesweiten Gebets- und Fastenaktion 1997 haben christliche Gemeinden den Boden dafür bereitet. Doch mit seinen Machenschaften könnte Aristide die Voodoo-Bindung des Landes erneut verstärkt haben.

Was bei Voodoo abgeht, ist Aussenstehenden schwer verständlich. Im magischen Umgang mit Geistern verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Natur. Um starke Zauber zu fabrizieren, werden nicht nur Tiere geopfert. Es kam auch vor, dass Menschen verschwanden.

Wenn Einheimische, die sich vom Geisterglauben ihrer Ahnen nicht losgesagt haben, krank werden, schreiben sie dies nicht einfach Viren und Bakterien zu, sondern vermuten böse Geister, die ein Feind geschickt hat.

AIDS-Aufklärung – machtlos gegen Armut und Geisterglaube

Dies behindert auch den Kampf gegen AIDS. Wegen Voodoo sind Verhaltensänderungen schwer zu bewirken. Haiti hat eine der höchsten AIDS-Raten ausserhalb Schwarzafrikas: Jeder zwanzigste Haitianer ist infiziert. Auf 10'000 Bewohner kommt ein Arzt. Zur Durchseuchung beigetragen hat die Tatsache, dass in der extrem jungen Bevölkerung (die Hälfte der acht Millionen Einwohner sind unter 20) Sex gleich nach der Geschlechtsreife normal ist.

Da der Arzt weit weg und die Arznei sowieso nicht zu bezahlen ist, suchen Kranke eher Hilfe beim örtlichen Voodoo-Priester. Max Beauvoir, einer der prominentesten Zauberer, stellte die Wirksamkeit der retroviralen Medikamente in Frage. „Wir haben Blätter und andere Pflanzen mit vielen medizinischen Wirkungen.“ Die Voodoo-Behandlung entspreche der Kultur der Haitianer besser.

Statt Gemeinsinn Misstrauen

Doch damit gaukelt Beauvoir den Leuten in seinem Bannkreis etwas vor. Denn Voodoo dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass im fruchtbaren Inselstaat über 75 Prozent der Menschen von der Hand in den Mund leben.

Die Tageszeitung ‘Zürcher Oberländer’ bringt es mit Verweis auf eine UNO-Studie auf den Punkt: „Der mangelnde Gemeinsinn auf allen Gesellschaftsstufen – also vom reichen Kaufmann bis zum armen Bauern – wird als Hauptursache genannt. Dieser Mangel wird mit dem Erbe aus der Versklavung und dem Voodoo-Kult in Verbindung gebracht.“

„Totenkult, geheimnisvolle Rituale sowie der Glaube an Zombies (wiedererweckte Tote) und Voodoo-Puppen, mit denen man seinen Feinden aus der Ferne Schaden zufügen kann, verleihen dem Voodoo etwas Geheimnisvolles und Unheimliches. Der Voodoo-Kult ist keine Religion, die befreit, sondern eine, die Angst vor Zauberei und Hexerei schürt und somit Misstrauen sät, das grösste Gift für den Gemeinsinn.“

Die Christen im Land sind daran, den Einfluss des Voodoo einzudämmen. Sie brauchen dazu internationale Unterstützung – zuerst im Gebet.

Datum: 02.03.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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