Die Frage der Imam-Tochter

«Was geschieht mit den Christen, wenn sie sterben?»

Bereits in frühen Jugendjahren kannte sie erhebliche Teile des Korans auswendig. Ihr Vater war Imam und sie stellte viele Fragen. Für ihn war klar, dass Christen als «Ungläubige» in die Hölle kommen. Doch ob Muslime den Himmel erreichen, konnte er nicht sagen. Das wisse nur Allah. Da wurde seine Tochter nachdenklich und ihre Suche nach Antworten begann…

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Äthiopische Frau (Symbolbild)
«Ganz im Norden von Äthiopien arbeiten wir mit einer Frau zusammen, sie ist 32 Jahre alt und die Mutter von Zwillingen», berichtet Jürg Gugger, Leiter des Schweizer Zweigs von «ReachAcross». Zu ihrem Schutz bleibt ihr Name hier ungenannt. «Diese Frau ist alleinerziehend, weil sich ihr Mann von ihr hat scheiden lassen, nachdem sie sich für ein Leben mit Jesus entschieden hat.»

Für Livenet erzählt Jürg Gugger hier die Lebensgeschichte der Äthiopierin:

«Was geschieht mit den Christen nach dem Tod?»

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Jürg Gugger
Ihr Vater ist Koranlehrer, sie selbst ist schon als Mädchen sehr wissbegierig. Sie hat grosse Teile des Korans auswendig gelernt, hat aber immer wieder viele Fragen, mit denen sie ihren Vater löchert. Einmal will sie von ihm wissen: «Was geschieht eigentlich mit den Christen nach ihrem Tod?» Der Papa erklärt: «Das sind Ungläubige, die kommen in die Hölle.»

Dann will sie wissen, wie es um sie und die anderen Muslime steht: «Was geschieht denn mit uns Muslimen nach dem Tod?» Darauf hat der Vater keine schlüssige Antwort...

Mit elf Jahren kommt sie durch die Tochter ihrer Lehrerin mit dem Evangelium in Berührung. Immer wieder stellt sie Fragen nach dem Glauben, bis ihr die Mutter der Freundin das Evangelium erklärt. Besonders die ersten Verse des Johannnes-Evangeliums berühren sie.

«So fragen nur die Ungläubigen»

Sie möchte auch eine Bibel, doch diese erhält sie nicht. Die Lehrerin will schliesslich keine Probleme mit ihrem Vater. Doch sie erzählt ihr viele Geschichten über Jesus. Ihrem Papa stellt sie immer wieder Fragen, bis seine Antwort mehr und mehr die gleiche wird: «So fragt man nicht als Muslim. So fragen nur die Ungläubigen.»

All die Fragen – auch jene, woran die Christen glauben – werden ihm schliesslich zu viel und er will sie im Alter von 14 Jahren mit einem wesentlich älteren Arzt verheiraten. Sie aber will auf keinen Fall, denn sie möchte die Schule abschliessen. Als sie sich tagelang versteckt, rückt der Vater von seinem Plan ab.

Vom Vater als «Ungläubige» beschimpft

Der Vater vermutet, dass seine Tochter mit Christen in Kontakt ist. Er startet einen weiteren Heiratsversuch, diesmal mit einem reichen Verwandten, der aus Saudi-Arabien zu Besuch ist. Wieder versteckt sie sich und eine Tante streut Gerüchte über Spiel- und Alkoholsucht des «Auserwählten». Wieder kommt sie um eine Hochzeit herum.

Sie liest weiterhin in der Bibel und mit 17 stellt sie sich öffentlich zum christlichen Glauben. Ihr Vater schlägt sie und beschimpft sie als «Ungläubige». Wieder will er sie verheiraten und macht diesmal Ernst.

Der Engel

Ihr Mann liebt sie, er kümmert sich um sie, doch die Schule kann sie nicht mehr abschliessen. Weil sich nach zwei Jahren noch immer keine Kinder einstellen, wird sie zusehends von ihrer Schwiegermutter schikaniert. In einem Traum erscheint ihr plötzlich ein Engel, der ihr Zwillingsbuben ankündigt. Sie weckt ihren Mann und erzählt ihm alles. Doch er nimmt diese Verheissung kaum ernst. Tatsächlich erhält das Paar rund ein Jahr später Zwillingsknaben.

Ihr Mann ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er gestattet es ihr, selbst ein Geschäft aufzubauen. Dieses floriert, sie hat mehrere Angestellte. Gleichzeitig beschäftigen auch ihn, den gläubigen Muslim, die Fragen nach der Jesu-Kreuzigung. Das Klima in der Familie verhärtet sich.

Beim Reinigen findet das Hausmädchen eine Bibel. Die Christin leugnet zwar zuerst, darin zu lesen. Doch dann ändert sie ihre Taktik und gibt gegenüber ihrem Mann zu, dass sie Jesus nachfolgt und in der Bibel liest.

Mordversuch durch ihren Mann

Vorerst hält ihr Mann zu ihr, doch schliesslich erfährt die Schwiegermutter und ihr Vater von ihrem Glauben. Papa fordert eine Strafe und ihr Mann muss reagieren. Er versucht, sie zu erstechen, doch sie kann fliehen. Er verlässt sie und die Zwillinge – sie verliert ihren Mann und ihr Geschäft.

Für ihren Vater ist die Jesu-Nachfolge seiner Tochter eine Schande. Er macht ihr immer wieder Vorwürfe: «Du warst reich und hattest ein gutes Leben. Alles hast du wegen deines Glaubens verloren.» Die Lage wird schwieriger, bis sie mit beiden Kindern rausgeworfen wird. Ihre Mutter, die zu ihr gehalten hatte, ist mittlerweile gestorben.

«Gott ist treu»

Heute arbeitet sie mit «ReachAcross» zusammen und sagt: «Mein Weg war schwer und meine Jesus-Nachfolge mit viel Leid verbunden. Aber Gott ist treu! Er hat mir zwei Söhne geschenkt, die mir viel Freude machen. Und Gott hat mir eine Aufgabe gegeben. Ich darf Muslimen das Evangelium weitersagen.»

In einer christlichen Gemeinde im Norden des Landes hat sie eine geistliche Heimat gefunden. Da sie den Koran und die Bibel gut kennt und in ihrem Glauben an Jesus fest verwurzelt ist, kann sie nun vielen Muslimen mit ihren Fragen echte Antworten geben. In zwei Orten in der weiteren Umgebung betreut sie Frauengruppen, die Jesus nachfolgen.

Ihr Vater ist inzwischen gestorben. Für sie war es ein grosses Geschenk, dass er sich vor seinem Tod mit ihr versöhnte.

Zur Webseite von «ReachAcross»

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Datum: 17.09.2019
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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