Mary: Hilfe für die Vergessenen im Busch

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Hans Jörg und Mary Zimmermann im Frühjahr 2007.
Durch Jesus Christus fand Mary die Kraft, ihren eigenen Weg zu finden. Er führte die Kamerunerin in die Arme eines Schweizer Missionars. In quirligem Englisch und amüsantem Schweizerdeutsch erzählt sie, welche Hürden ihre Liebe überwinden musste – und wie sie Frauen in Kamerun beisteht.

Der Schwerpunkt der Sekundarschule, die ich besuchte, lag auf Automechanik-Fächern. Im vierten Jahr – ich hatte bisher bloss Theorie gehabt – konnte ich bei einem Schweizer Missionar, der eine Garage führte, ein Praktikum machen. Er fuhr 400 Kilometer in die Stadt Bamumbu, um Reparaturen auszuführen, und lud mich ein, ferienhalber mitzukommen. Dort sah ich Hans Jörg zum ersten Mal. Der Krankenpfleger aus der Schweiz arbeitete seit eineinhalb Jahren in einer Klinik. Wir hatten Spass miteinander. Nach einer Woche wurde mir, wenn sich unsere Blicke kreuzten, bewusst, dass da mehr war. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen. Ihm ging es offenbar gleich. Vor dem Ende des dreiwöchigen Aufenthalts in der Stadt gestand er mir seine Zuneigung.

Was muss ich für ihn aufgeben?

Ich denke, ihm wurde zuerst klar, dass wir füreinander bestimmt waren. Ich befasste mich noch nicht mit Heiraten, denn ich war noch nicht 20 – er deutlich darüber. Er betete, dass Gott mir Klarheit geben würde, sollte ich seine Frau werden. Tatsächlich wuchs in mir die Gewissheit, dass ich ihn heiraten sollte – obwohl ich mich tagelang dagegen wehrte. Eine Woche lang schlief ich kaum, stellte mir vor, wie ich mein Land verlassen und seine Sprache lernen, mich in seiner Kultur zurecht finden könnte. Das würde mir schwer fallen. Tagelang wich ich ihm aus. Nach einer Woche überwand ich mich und sagte Ja. Hans Jörg strahlte und machte mir Mut mit einem Wort aus der Bibel: „Ich vermag alles durch den, der mir Kraft gibt, Christus.“

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Erdauert: Hochzeit im November 1985.
Die drei Wochen waren um; ich fuhr zurück. Erst musste ich meine Schule abschliessen. Die Zeit war nicht einfach. Meine Kolleginnen hatten Boyfriends. Sie nahmen mich, die Fromme, oft aufs Korn. Ob Jesus mir einen guten Mann geben werde…? Ich scheute mich lange, irgendjemand von Hans Jörg zu erzählen. Meiner besten Freundin und Gebetspartnerin eröffnete ich zuerst, für wen mein Herz schlug. Briefe gingen hin und her.

Beharrlich

Als ich die Schule beendet hatte, suchte Hans Jörg den deutschen Feldleiter seiner Mission (Vereinigte Missionsfreunde VMF) auf und erzählte ihm von unserer Liebe. Dieser wehrte ab. Eine Ehe mit einer jungen Afrikanerin, die zudem keine Universität durchlaufen hatte? Hans Jörg liess sich nicht beirren. Die Missionsleitung verfügte darauf eine Trennung für sechs Monate: keine Besuche, nicht schreiben, auch nicht anrufen. Sollte er dagegen verstossen, würde er in die Schweiz zurückgeschickt… Dies gab uns das Bewusstsein: Wenn wir es schaffen, dann steht Gott dahinter. In den sechs Monate der Trennung beteten und fasteten wir viel.

In der Schweiz

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…und die Arbeit ruft: Hans Jörg als Geburtshelfer.
Nachher besuchte der schwarze Vertreter des Missionsleiters meine Gemeinde in Mutengene und erkundigte sich über mich. Auf seinen Bericht hin wurde Hans Jörg gefragt, ob er an seinem Vorhaben festhalte. Als er bejahte, bekam er die Einwilligung. Am 11. November 1985 heirateten wir.

Ich war überglücklich – aber mit meinem Mann leben zu lernen war ein langer Prozess. Im folgenden Jahr flog ich zum erstenmal in die Schweiz. Ich war überwältigt. Wie musste erst der Himmel sein, wenn Switzerland so schön war! Im Jahr darauf kam unser Sohn Daniel in Kamerun zur Welt.

Die Bibel lesen – und kochen

Seit 1988 leben wir in einem kleinen Dorf im Busch. Mbakang liegt in der Nähe der Stadt Mamfe, wenige Fahrstunden von der Grenze zu Nigeria. In den beiden Orten leitet Hans Jörg eine Gesundheitsstation und eine Klinik. Nachdem wir uns eingelebt hatten, startete ich eine Sonntagschule. 1992 lud ich die Mütter zu einem Austausch ein. Wir lasen in der Bibel Geschichten von Frauen und unterhielten uns über sie. Nicht weniger Aufmerksamkeit fand eine praktische Lektion: Wie koche ich eine ausgewogene Mahlzeit? Als ich die Runde wiederholte und die Teilnehmerinnen einlud, ihr ganzes Leben Christus zu geben, entschlossen sich sechs Frauen dazu.

Wenn Gott Frauen unter die Arme greift

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Frauentreffen in Westkamerun.
Mit ihnen entstand eine Gruppe, die bis heute besteht. Wir beteten für andere Frauen und teilten unsere Erfahrungen auch mit Frauen aus anderen Dörfern. So sind in der Region zahlreiche Gesprächs- und Selbsthilfegruppen entstanden. Da wird für Kranke gebetet – und Gott tut Grosses. Nöte werden ihm vorgelegt, und oft zeigt sich ein Weg. So wie ich Zeit finde, koordiniere ich die Gruppen in unserer Provinz, im Auftrag der VMF-Mission.

Die Frauen brauchen innere Kraft, um im harten Alltag zu bestehen und für ihre Männer und Kinder dazusein. Im Glauben alles zu bewältigen, was ihnen passiert, ist nicht einfach. „Ist Gott wirklich da? – Es wird immer schwerer.“ Die Lebenskosten steigen; Kinder brauchen Kleider, werden krank; die Schule will bezahlt sein. So suchen viele Mütter einen Nebenerwerb. Ich habe ihnen gezeigt, wie sie Brot und Kuchen backen und Seife selbst herstellen können.

Des Beistands und der Hilfe besonders bedürftig sind Witwen. Nicht selten holen sich die Angehörigen des Mannes nach seinem Tod aus dem Haushalt, was ihnen unter die Augen kommt. Viele Witwen leiden Hunger. Sie waren überglücklich, als sie an einem Wochenende aus Not und Einsamkeit auftauchen, von sich erzählen und Solidarität spüren konnten. Einige erhielten von uns Lebensmittel und etwas Geld. Diese Arbeit möchte ich ausweiten.

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Gott ist grösser: Freude im Gottesdienst.

Spenden für Mary Zimmermanns Frauenarbeit im Westen Kameruns an: Vereinigte Missionsfreunde e.V.
Wie Mary sich von ihrem Vater emanzipierte

Datum: 16.05.2007
Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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