Ägypten hat ‚gewählt’

Kairo – Zum ersten Mal überhaupt hatten die Ägypter am Mittwoch die Wahl unter mehreren Bewerbern für das höchste Amt im Nilland. Wegen ‚Unregelmässigkeiten’ fordert die Opposition die Wiederholung.

Auch die zahlreichen unregistrierten Bürger, die durch einen Entscheid in letzter Minute mit der Identitätskarte wählen durften und wählen gingen, konnten den klaren Sieg von Präsident Hosni Mubarak nicht verhindern. Ausländische Wahlbeobachter liess die Regierung nicht zu, nachdem sie Oppositionelle im Wahlkampf massiv benachteiligt und in den Monaten zuvor hatte einschüchtern lassen.

Präsident Mubarak habe über 80 Prozent der ausgezählten Stimmen erhalten, meldete eine Zeitung am Freitag. Der 77-Jährige dürfte damit nach 24 Amtsjahren – in denen er ununterbrochen mit Notrecht regierte – Präsident bleiben.

Offenbar kam Mubaraks Bestätigung mit einer weitaus geringeren Wahlbeteiligung zustande, als von den Behörden bislang angegeben wird. Für die zweite Metropole Alexandria nannte die Wahlkommission bloss 17 Prozent. Informationsminister Anas el Fiki hatte kurz nach Schliessung der Wahllokale am Mittwochabend erklärt, die Wahlbeteiligung sei so hoch gewesen wie noch nie. 1999 wurden 79 Prozent angegeben.

Wahlhelfer sollen in Luxor und anderen Orten Wähler angewiesen haben, den 77-jährigen Mubarak zu wählen. In Kairo und Alexandria hätten Mitglieder der regierenden Nationaldemokratischen Partei Wählern Lebensmittel geboten, wenn sie Mubarak wählen.

Ayman Nour, der hinter Mubarak am meisten Stimmen erhalten haben dürfte, forderte deshalb eine Wiederholung der Abstimmung. Wenn nötig werde seine Ghad-Partei nicht nur vor der Wahlkommission, sondern auch vor Gericht Widerspruch einlegen, sagte ein Berater Nours. Die Wahlkommission hat eine Wiederholung abgelehnt.

Quellen: Livenet / DW

Datum: 12.09.2005

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige