«Komm mit uns»

Eine Bewegung erfasst Algerien

Tausende Menschen sollen im moslemischen Algerien zum christlichen Glauben gekommen sein. Der Widerstand durch Moslems gegen diese Entwicklung hält sich in Grenzen.

Von Daniel Gerber

Die Boing 737 fliegt eine enge Kurve vor der Küste der algerischen Hauptstadt Algiers. Für einige Sekunden ist nur das Meer zu sehen. Es reflektiert die Sonne und diese blendende Helligkeit lässt die Wellen wie flüssiges Gold erscheinen.

Minuten später landen wir in Algiers, wo wir von D. abgeholt werden. D. ist ein fröhlicher Mann. Er ist rund zwei Meter hoch, und seine Postur verrät, dass er nach dem Essen einem Dessert nicht abgeneigt ist. Eigentlich verrät seine Figur sogar, dass er auch einem zweiten Dessert nicht abgeneigt ist. Er fährt einen grossen nagelalten Mercedes und macht pro Sekunde zirka einen Witz. «Sage meinem Freund in der Schweiz einen Gruss vom kleinen Mann mit dem kleinen Auto», scherzt der Riese.

Lesen Sie auch Teil 1: Jesus in Algerien
http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/187/22696/

4. Tag Bei der Ninja-Polizei in Tizi Ouzou

«Wir nennen sie Ninjas», sagt der Fahrer. Das ist kein Witz. In dieser Gegend hier nennt man die Polizisten wirklich «Ninjas». «Weil sie bei Polizeiaktionen wie Ninjas vermummt sind», begründet D. Andere bestätigen diese Aussagen. Die Ninjas sind freundlich und lassen uns durch. Die Strasse nach Tizi Ouzou wird nämlich durch die Ninja-Polizei kontrolliert und jedes Fahrzeug genau ins Visier genommen. Erst am nächsten Tag bei der Rückfahrt stoppen die Ninjas D. an einer anderen Stelle (siehe Tag 5).

Nach den Massakern der Aufbruch

Wir interviewen E. Wie manche meiner insgesamt elf Gesprächspartner war E. vorher Moslem. Später wurde er Christ, und mit ihm viele andere. Auch in der Schweiz hörte man vor Jahren von schrecklichen Massakern in der Kabylei. Islamisten überrannten damals Dörfer und ermordeten manchmal Hunderte Männer, Frauen und Kinder. «Wir haben an unserem Glauben festgehalten», sagt E., «aber wir passten sehr gut, wenn neue Leute in die Gemeinde kamen.»

Die sind auch gekommen, und es hat viele neue Christen gegeben. «Viens avec nous, viens avec nous!» – «Komm mit uns, komm mit uns!» E. strahlt und winkt dabei mit der Hand. So hätten sie die Leute eingeladen, den Weg zu einem neuen Glauben zu betreten. Der ist für sie wie ein Schatz, den sie mit andern teilen wollen.

5. Tag «Ich wollte in der Armee lernen, wie ich Juden umbringen kann!»

F. blickt auf ein bewegtes Leben zurück. «Ich war ein extremer Moslem», fanatisiert bereits als 17jähriger. Sein Ziel: «Ich wollte Juden töten. Denn ich glaubte, dass ich damit Gutes für meinen Glauben tun würde.» Und F. wusste auch schon, wie er sein Ziel erreichen würde. «Ich musste in die Armee gehen. Ich war mir sicher, dass ich dort lernen konnte, wie ich Juden umbringen kann.» In der Armee dann lernte er einen Typen kennen, der irgendwie anders war. F. wollte herausfinden, was das Geheimnis dieses Soldaten war. «Einmal waren wir gemeinsam in einem Raum. Ich bedrängte ihn und sagte, ich lasse dich nicht aus dem Raum, bis du mir sagst, was bei dir anders ist. – Nun, er war Christ.» Und F. kurz danach auch. Heute, wenige Jahre später, ist F. Gemeindeleiter.

Unter Druck, aber nicht verdrängt ...

Die einheimischen Christen sprechen von einer Erweckung, einem religiösen Aufbruch zum Christentum. Das vollzieht sich unter mässigem Druck, allerdings nicht von seitens der Regierung, sondern der Bevölkerung. So vertraut uns G. an, wie sie die letzten Wochen verbracht hat. «Vor einem Monat bin ich Christ geworden», sagt sie. Ihr moslemischer Bruder erlaubt es ihr aber nicht, in den Gottesdienst zu gehen. Sie trifft F. und dessen Frau darum zu unverdächtigen Zeiten, um sich mit ihnen auszutauschen. G. ist zwar über 30 Jahre alt, doch gegen das Verbot ihres Bruders ist sie machtlos, menschlich gesprochen. Das kann sich aber ändern, denn der christliche Glaube eines einzelnen Familienmitglieds erfasst in der Kabylei dann nicht selten auch noch die anderen.

Auf dem Rückweg nach Algiers stoppen uns die «Ninjas». D. sei, so findet der Polizist, zu schnell gefahren und habe die Fahrbahn etwas oft gewechselt. Der Polizist liess D. aber ungebüsst. D.: «Junge Fahrer bauten viele Unfälle. Darum machen sie strengere Kontrollen. Als er dann sah, dass ich schon so alt bin, wie ich bin, hat er mich gelassen.» In der Folge bezeichnet D. sich als Michael Schumacher (Formel-1-Pilot), von dem D. treuherzig erzählt, dass er eigentlich ein Algerier sei. Wir überholen einen anderen Wagen und freuen uns, dass wir Jacques Villeneuve (ebenfalls ein Formel-1-Pilot) überholt haben.

Eine Bewegung erfasst das Land

Die Nacht verbringen wir bei Hugh Johnson. Über vier Jahrzehnte seines Lebens hat der Amerikaner in dieses Land investiert. Zur Zeit ist er Präsident der EPA («Eglise protestante d’ Algérie»). Von einer Erweckung mag er aber nicht sprechen. «Da es früher wenig einheimische Christen gab, können keine aufgeweckt werden.» Johnsson redet aber von einem Wachstum der Gemeinde. «Die Bewegung umfasst wohl schon 10'000 bis 30'000 Menschen. Trotzdem kommen hier jeden Tag mehr Babys zur Welt als Menschen zu Christus.» Und nicht alle die Christen werden, bleiben auch dabei.

Fazit: Unterm Strich wächst die christliche Gemeinde, auch wenn nicht die grosse Erweckungswelle über das Land hinweggeht, die alles mit sich reisst. Unterdrückung findet statt, Verfolgung wenig. Für ein moslemisches Land haben die Christen recht grosse Freiheiten.

Die Christen in Algerien erhalten Unterstützung durch die HMK (Thun): www.hmk-aem.ch

Datum: 04.04.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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