Christentum wächst rasch

Jesus in Algerien

Davon hat man hierzulande noch kaum etwas gehört: Das Christentum wächst in Algerien rasch. Wir machten uns vor Ort ein Bild.

Kurz vor der Reise aber erst der Schock: Die algerische Botschaft hat nur einen von zwei Pässen mit dem beantragten Visum zurückgeschickt. Das Formelle hatte bei beiden gestimmt, und bezahlt wurde auch für zwei. Warum dann nur ein Visum, das weiss niemand, auch nicht der Mann von der Botschaft.

Von Daniel Gerber

In Gedanken spiele ich damit, wenn es nicht klappen sollte, ein paar Algerier zu entführen. Das würde übrigens durchaus Sinn machen. Man könnte dann das Geld zurückverlangen, das die Schweiz den algerischen Entführern einiger ihrer Bürger gezahlt hatte. – Aber die Pässe sind dann doch noch gekommen, und ich beschliesse, von Entführungen abzusehen. Da ich im Namen des Herrn unterwegs bin, wäre es wohl auch nicht so gut gewesen. Und auch sonst nicht.

So treffen wir also einen Tag später, am Abend, mit ausschliesslich guten Absichten in diesem nordafrikanischen Land ein. Algerien, das ist immerhin das zweitgrösste Land Afrikas und das elftgrösste der Welt.

2. Tag «Ich wollte ihnen beweisen, dass ihr Glaube nicht funktioniert.»

Das Christentum wächst in Algerien rasch und mit verhältnismässig viel Freiheit. Trotzdem ist es für die einheimischen Christen sicherer, wenn hier weder Namen genannt noch Fotos gezeigt werden.

In einem klapprigen Wagen fahren wir durch die 1,5-Millionen-Stadt Oran, nach der Hauptstadt Algiers die Nummer zwei im Land. In einem schmucken Haus treffen wir Gemeindeleiter A. (Name der Redaktion bekannt). Der Tee schmeckt vorzüglich und er spricht über den Beginn der Erweckung. Diese habe in den Bergen im Norden begonnen. In der Kabylei, wo die Berber leben. «Es war bei einem Fussball-Turnier.» Es seien auch Christen dabei gewesen. «Araber und Berber. Sie konnten es gut miteinander. Allein das war schon erstaunlich, denn die beiden Volksgruppen haben Konflikte miteinander. Ich merkte dann, dass sie es wegen ihrem Glauben so gut hatten zusammen. Davon wollte ich aber nichts wissen.»

Fussballturnier: Wenn Gott mitspielt ...

Dann stand A.s Team im Halbfinale. Und A. wurde krank und konnte nicht spielen. «Da fragten mich die Christen, ob sie für mich beten sollen. Für mich war ja das Spiel gelaufen. Selbst wenn ich geheilt würde, wäre ich ja noch viel zu ausgelaugt. Ich willigte also ein in ihr Angebot. So konnte ich ihnen beweisen, dass ihr Glaube nicht funktioniert.» Nach dem Gebet war er allerdings topfit und konnte sich sogar noch einwechseln lassen. «Es war ein Wunder. Denn alle wussten, dass ich in ein Fussball vernarrt bin und die Krankheit ganz sicher nicht simuliert war.» Noch während dem Turnier, das insgesamt rund eine Woche dauerte, seien 40 Menschen zum Glauben an Jesus Christus gekommen. «Dabei geblieben sind dann etwa vier. Aber die Erweckung (der Aufbruch zum Christentum) hat da begonnen, und bald wurden erste Gemeinden gegründet.»

Am Abend sprechen wir mit dem arabischen Bibellehrer, der (natürlich nicht) B. heisst. Er suchte im islamischen Sufismus. «Ich suchte nach Wahrheit und fand Jesus Christus.»

3. Tag «Mein Vater wollte auf mich schiessen!»

Am Morgen gibt’s einen dieser typischen Gottesdienste im Maghreb, bei denen man die Zeit vergisst.

Im Interview erzählt C. dass er der erste Christ in seinem Dorf gewesen ist. «Meinem Vater hat das gar nicht gepasst.» Einmal musste C. sogar die Beine unter den Arm nehmen, denn der Vater wollte seiner Meinung mit seinem Gewehr Nachdruck verleihen. «Man erlaubte dann meiner Frau, meinem Kind und mir, auf ganz kleinem Raum unter dem Dach zu leben. Während anderthalb Jahren gestand man uns nur diese Enge zu.» Eine Situation zum Verzweifeln – eigentlich. Aber: «Ich fühlte mich wie in einem Königreich. Wir haben die Bibel gelesen und uns an unserem Glauben erfreut.» Das Leben von C. und seiner Frau war für andere Menschen im Dorf wie eine Visitenkarte Gottes. «Plötzlich kamen andere Menschen im Ort zum Glauben.» Das würde man unter den Berbern oft antreffen: Wenn einer von ihnen zum Glauben gekommen, dann folgt auf einmal die ganze Familie nach.

Lesen Sie auch Teil 2: Eine Bewegung erfasst Algerien: «Komm mit uns»

Die Christen in Algerien erhalten Unterstützung durch die HMK: www.hmk-aem.ch

Datum: 02.04.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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