Anhaltende Spannung in Nigeria – Kommt Gesetz gegen sexy Kleidung?

Viele Länder Afrikas sind von Konflikten zerrissen, doch die Kluft zwischen Christen und Muslimen in Nigeria ist besonders explosiv. Präsident Obasanjo will eine nationale Reformkonferenz einberufen, um Brücken zu bauen, doch seine Vorschläge erzürnen die Muslime im Norden. Ein Gesetz gegen spärliche Kleidung ist ins Parlament eingebracht worden.

In Nigeria lebt jeder vierte Afrikaner – 126 Millionen Menschen. Der Kampf zwischen den christlichen Verfechtern eines freiheitlichen Staats und den Anhängern des islamischen Gesetzes, der Scharia, hat mehrfach zu blutigen Unruhen mit Tausenden von Toten geführt. Der Norden unterliegt der Islamisierung, im Süden bestimmen Christen den Gang der Dinge, die zentralen Gliedstaaten sind umkämpft. Laut einem Bericht flohen im letzten Frühjahr über 200'000 Menschen im Plateau-Gliedstaat wegen mörderischer Auseinandersetzungen aus ihren Behausungen; die meisten trauen sich noch nicht zurück.

Wie Jesus gegen Tyrannen antreten

Abgesehen vom unentschiedenen Kampf ums Rechtssystem: Die Christen Nigerias tragen Verantwortung für die Gesundung des Staates, der lange diktatorisch regiert und ausgebeutet wurde. Der Gouverneur des Gliedstaates Lagos Bola Tinubu hat die Verantwortlichen der Pfingstkirche an ihrer Konferenz in der Metropole Lagos ermahnt, nach dem Vorbild von Jesus für politische Gerechtigkeit einzustehen.

Christen sollten, so Tinubu, „Gewaltherrschaft, Gefühllosigkeit und der Verachtung für den Rechtsstaat, die unser nationales Leben durchdringt, den Kampf ansagen“. Jesus habe – auch durch seinen Einsatz für die Armen und Schwachen – der Weltgeschichte eine neue Richtung gegeben.

Die Scharia – und nichts als die Scharia!

Führer der Muslim-Gemeinschaft errichten Hürden für die nationale Reformkonferenz, die Präsident Olusegun Obasanjo einberufen hat. Der Oberimam der nationalen Moschee in der Hauptstadt Abuja, Scheich Musa Mohammad, forderte die Delegierten auf, die Scharia, das islamische Gesetz, konsequent zu verteidigen.

Er sprach in der Stadt Gusau zum fünften Jahrestag der Einführung der Scharia im Gliedstaat Zamfara. Die Muslime müssten einmütig alles völlig ablehnen, was der Durchsetzung der Scharia in den Gliedstaaten hinderlich sein könnte, forderte der Imam.

Gesetz gegen Entblössung im Parlament

Als Gradmesser für die Stimmung im Land mag eine Gesetzesvorlage dienen, mit der das unverschämte Zurschaustellen des Körpers verboten werden soll. Die ins nigerianische Parlament eingebrachte Vorlage trägt der islamischen Forderung nach Verhüllung des weiblichen Körpers in der Öffentlichkeit Rechnung. Die Vorlage wird auch vom Vorsitzenden der christlichen „God's Kingdom Society”, Emmanuel Aighalua, unterstützt. Sein Argument: Die Regierung habe die Pflicht, die Interessen der Bürger zu schützen.

„Es ist traurig und bedauerlich, dass wir soweit gekommen sind, dass Kleidungsvorschriften für den öffentlichen Raum erlassen werden müssen“, sagte der Kirchenführer einer Zeitung. Das Gesetz werde die Bemühungen von Familien, Kirchen und Schulen stützen. „Die Jugendlichen sind heute unter viel grösserem Druck als je zuvor. Sie brauchen Leitlinien im Licht der Bibel.“ Laut Aighalua sind viele Nigerianer der Mächen und Frauen überdrüssig, die, dem neusten Modetrend folgend, auf den Strassen immer mehr Haut zeigen.

Muslime untervertreten?

Zwei islamische Bewegungen haben die Liste der Delegierten zurückgewiesen, die der Präsident für die Reformkonferenz benannt hat. Von 46 Personen seien bloss 17 Muslime. So werde die grösste Religionsgemeinschaft (die Muslime Nigerias behaupten, die Mehrheit der Bevölkerung zu stellen) in die Minderheit versetzt, was unannehmbar sei. Sowohl der Präsident als auch der Sekretär der Reformkonferenz seien Christen.

In der Gesamtheit der ernannten und gewählten Delegierten sollen 233 Christen 160 Muslimen gegenüber stehen. Obasanjo verfolge andere als die offengelegten Ziele, unterstellen ihm die Muslimführer.

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Datum: 24.02.2005
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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