Frieden im Südsudan

Ist der Sauber-Sponsor jetzt sauber?

Im Süden des Sudan herrscht jetzt Frieden. Stehen dafür «Petronas», dem Hauptsponsor des Schweizer Formel-1-Teams von Peter Sauber, unruhige Zeiten bevor, vielleicht vor einer massiven Klage?

Livenet sprach darüber mit Salva Kiir, Vizepräsident der SPLM und damit der zweithöchste Politiker des Südsudan.* Langsam blüht der Südsudan auf. Ausser auf den Feldern. Da wird gar nichts blühen. Eine massive Hungerkatastrophe hat eingesetzt. Salva Kiir* berichtet in einem Exklusiv-Interview über die Lage im Land.

Daniel Gerber: Am 9. Januar wurde ein Friedensvertrag mit dem Norden unterzeichnet. Was halten Sie davon?
Salva Kiir: Der Friedensvertrag ist gut. Unsere Leute finden ihn angemessen. Die Frage ist nur, ob er auch so eingehalten wird, wie er jetzt festgeschrieben wurde.

Sind Sie optimistisch?
Ja, ich bin da optimistisch. Solange die Bestimmungen des Vertrages umgesetzt werden, ist alles in Ordnung. Aber wenn sich die Regierung in Khartum nicht ändert, wird das nicht geschehen. In diesem langen Krieg sind die Herzen bitter geworden. Sie müssen sich jetzt verändern. Dann wird auch der Vertrag gut umgesetzt.

Welche Schritte macht der Süden als nächstes?
Dieser Friede wurde von der SPLA** möglich gemacht. Nun geht es darum, dass alle politischen Kräfte des Südens darauf einsteigen. Wir werden dann sehen, ob und wie sie ihre langjährigen Differenzen bereinigen. Auch die Leute aus dem Exil sollen zurückkehren und die Differenzen untereinander regeln. Wenn diese Gespräche im Süden abgeschlossen sind, werden die Abgeordneten für die Versammlung des Südens gewählt. Anschließend bilden wir eine Regierung des Südsudan, und zwar mit allen Beteiligten. Wir werden da niemanden ausschliessen.

Die Ölfirma Petronas ist in der Schweiz recht bekannt. Sie hat indirekt auch mit Ihrem Land zu tun. Was halten Sie von ihr?
(Anm. d. Red.: Petronas ist eine Erdölfirma aus Malaysia und Hauptsponsor des Schweizer Formel-1-Rennstalls Sauber-Petronas ist. Sie gräbt seit Jahren im Sudan; auch dann, als alles Geld in die Taschen des Nordens floss. Aus diesem Grund steht die mit ihr zusammenhängende kanadische Erdölfirma «Talisman» in New York vor einem Prozess.)
Ich kenne diese Firma nicht, und wir prangern niemand an. Wir sind offen für alle Fremdinvestoren. Jede Firma, die reinkommt, muss sich natürlich an unsere Gesetze halten. Wenn diese Firma das macht, dann sehe ich da keine Probleme.

Petronas arbeitet seit längerem auch im Süden. Das Geld ging aber in den Norden.
Wenn sie im Süden arbeiten, geht das Geld jetzt nicht mehr in den Norden. Wir haben die Quellenverteilung vertraglich geregelt. Die Erdöleinnahmen werden nun zwischen dem Norden und dem Süden zu je fünfzig Prozent aufgeteilt. Es fließt nicht mehr alles Geld in den Norden.

Und diese Regelung funktioniert?
Der Vertrag sagt, dass die Hälfte in den Norden fliesst und die andere Hälfte in den Süden. Wie dann diese Transaktionen praktisch laufen, wird sich zeigen.

Inzwischen Trockenzeit hat begonnen. Davor ist aber viel zu wenig Regen gefallen. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Im letzten Jahr haben die meisten Gegenden des Südens eine Missernte erlebt. Und nun greift dort der Hunger um sich. Außerdem strömen viele Leute aus dem Norden in diese Region (ehemalige Sklaven und Flüchtlinge; Anm. d. Red.). Sie kehren in ihre Heimat zurück. Aber es gibt hier kein Essen, und ihre Verwandten nehmen sie kaum auf. Darum rufen wir die Internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. Ansonsten haben wir eine Katastrophe wie 1989. Hier gibt es kein Essen. Aber die Leute kommen zurück zu ihren Verwandten, von denen sie mehr als 20 Jahren getrennt waren.


Wie viele Menschen sehen sich jetzt dem Hunger ausgesetzt?

Im nördlichen Bahr el-Ghazal kommen etwa 400 bis 500 Menschen täglich zurück. Von dort waren über drei Millionen Menschen in den Norden deportiert worden. Wenn die alle zurückkommen, haben wir hier ein Desaster. Im ganzen Südsudan wurden etwa zwölf Millionen Menschen deportiert. Wenn die nun wieder alle in ihre Heimat zurückkehren, wird es sehr schwierig.

* Salva Kiir ist Deputy Chairman (Vizepräsident) der SPLM. Geleitet wird diese Armee von John Garang. Der Friedensvertrag wurde zwischen ihr und der Regierung in Khartum unterzeichnet. Die SPLM will nun im Süden eine Demokratie errichten.

** SPLA ist die Abkürzung für die südsudanische Befreiungsarmee, Sudanese People’s Liberation Army.

Aktion Nothilfe Sudan

Nothilfe Sudan wird von zwei Schweizer Werken unterstützt: «Christian Solidarity International» (CSI) und «Vision Africa» (VA). VA ist nicht selber in diesem Land tätig ist, unterstützt diese Aktion aber publizistisch.

Gemeinsam mit Livenet.ch und Jesus.ch läuft die Hilfsaktion Nothilfe Sudan.

Die Kontonummer lautet: Postfinance 87-96742-1.
Das Konto lautet auf: CSI Schweiz, Sudan-Hilfe, Zelglistrasse 64, 8122 Binz.

CSI ist seit 1992 im Sudan tätig und wird mit dem gesammelten Geld Hirse kaufen und an die vom Hungertod bedrohte Bevölkerung verteilen. Karawanen bringen die Lebensmittel zum Beispiel in die Marktstadt Warawar im Südsudan, wo jedes bisschen Nahrung ein Menschenleben retten kann. Die Einkäufe werden von CSI getätigt und überwacht.

Statistik der Spenden

Das Sammelkonto ist offen seit Dienstag, dem 7. Dezember. Bisher wurden 7'985.75 Franken gesammelt.

Statistik des Genozids im Südsudan

Tote: über 2 Millionen Menschen
Vertriebene: 5 Millionen Menschen
Versklavte Menschen: rund 200'000
Seit 1983, ab Januar 2005 via Hungerkatastrophe

Statistik – Genozid in der Region Darfur (Westsudan)

Tote: über 300'000 Menschen (gemäss Washington Post)
Vertriebene: 1,8 Millionen Menschen (UN-Schätzung)
Versklavte: noch keine Angaben (gemäss ARD geschehen Verschleppungen)
Seit 2003

Dank der Dokumentationsarbeit von CSI konnten der Genozid und die Versklavungen abgebremst werden.

Hintergrundinfos zur Aktion:
http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/493/21137/

Homepages der Organisationen
CSI: www.csi-schweiz.ch
Vision Africa: www.visionafrica.ch

Datum: 23.02.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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