Sklaverei

«Ich kenne meinen Nachnamen nicht»

Als Kleinkind wurde Anok versklavt. Livenet.ch traf sie wenige Tage, nachdem sie wieder in die Freiheit kam. Eine Freiheit in einem Gebiet, das nun von einer Hungerwelle überrollt wird.

«Meinen Vater kenne ich nicht», sagt Anok. Sie spricht leise, und während mir der Übersetzer ihre Worte auf englisch weitergibt, ist sie mehr mit dem Baum beschäftigt als mit uns. Mit einem kleinen Stecken spielt sie an der Rinde. Sie ist noch ein Kind. Ihr genaues Alter kennt sie ebenfalls nicht; sieben oder acht Jahre dürfte sie alt sein.

Ihr Vater wurde vermutlich bei einem Überfall der Regierungsmilizen ermordet. Aber Anok hat so gut wie keine Erinnerungen an ihre Familie und kennt nicht einmal ihren Nachnamen. Sie war damals noch ganz klein. «Ich weiss nur, dass meine Mutter und ich verschleppt wurden. Später hat man uns dann voneinander getrennt.» Doch das ist inzwischen lange her.

Anok, die Ziegenhirtin

Anok musste bei einer arabischen Familie als Sklavenmädchen dienen. «Ich wurde gezwungen, die Ziegen zu hüten. Oft lehnte ich ab und wurde dann geschlagen. Ich weinte, aber sie liessen mich wenigstens zu Hause zurück. Dort musste ich dann putzen, Geschirrspülen und so weiter. Und ich hatte Angst.»

Im gleichen Haus lebten drei weitere Kinder, zwei Mädchen und ein Junge. «Sie betrachteten mich aber nicht als ihr Geschwisterchen.» Manchmal geschieht es, dass eine Kindersklavin in eine Familie kommt und von den anderen Kindern dort als aufgenommen wird. Dies macht die Situation dann ein wenig erträglicher.

Bei Anok war das aber nicht der Fall: «Ich wäre am liebsten zum Spielen rausgegangen. Aber was konnte ich tun? Die Kinder draussen waren nicht nett zu mir. Sie akzeptierten mich nicht und wollten nicht mit mir spielen. Wenn ich alleine war, plagten sie mich. Sie sagten: „Du bist eine Sklavin!“ und anderes. Ich hab dann einfach etwas für mich selbst gespielt. Geschlagen haben sie mich deshalb nicht. Wenn die Eltern aber da waren, blieben sie still. Ich hoffe, dass ich nie mehr dorthin zurück muss», erkärt sie und scharrt mit ihrem Stecken im Sandboden und am Baum.

Anok – jetzt in Freiheit

«Ich hoffe, dass ich nie mehr dorthin zurück muss», erklärt sie und scharrt mit ihrem Stecken im Sandboden und am Baum. «Ich hatte mein Leben aufgegeben. Es war für mich ein Wunder, als dieser Mann kam und mich befreite. Er sammelte Kinder aus dem Dinkastamm und brachte uns hierher.» Sieben Tage habe die Rückreise gedauert. «Bei der Versklavung war ich noch getragen worden. Meine Mutter ist nicht da. Jetzt sucht man nach meinen Verwandten.» Das ist zwar nicht ganz einfach, aber die Leute hier nahe Gok Macar in der südsudanesischen Region Bahr el-Ghazal kümmern sich um Anok.

Hungerkatastrophe droht

Anok war bei den „ethnischen Säuberungen“ der Regierung in Khartum versklavt worden. Am 9. Januar 2005 wurde nun ein Friedensabkommen unterzeichnet. Via Hunger geht der Völkermord trotzdem weiter, denn bei diesen Vertreibungen und Plünderungen wurde vieles vernichtet. Vor allem konnten keine Vorräte angelegt werden. Ausserdem hat die Regenzeit viel zu früh, bereits im November, aufgehört.

Gleichzeitig ziehen viele freigelassene Sklaven aus dem Norden in diese südliche Region; andere aus dem Kriegsgebiet Darfur im Westsudan – der Supergau für die Ernährungslage. Rund zwei Millionen Menschen sind nun von einer Hungerkatastrophe bedroht. Das Sterben und die Vertreibungen gehen weiter, Friedensvertrag hin oder her.

Aktion Nothilfe Sudan

Seit 1992 ist das Hilfswerk «Christian Solidarity International» (CSI) im Sudan tätig. Gemeinsam mit Livenet.ch und Jesus.ch läuft nun die Hilfsaktion Nothilfe Sudan. Wir bitten Sie um eine Spende.

Die Kontonummer lautet: Postfinance 87-96742-1.
Das Konto lautet auf: CSI Schweiz, Sudan-Hilfe, Zelglistrasse 64, 8122 Binz.

Mit dem gesammelten Geld wird Hirse gekauft und an die vom Hungertod bedrohte Bevölkerung verteilt. Karawanen bringen die Lebensmittel zum Beispiel in die Marktstadt Warawar im Südsudan, wo jedes bisschen Nahrung ein Menschenleben retten kann. Die Einkäufe werden von CSI getätigt und überwacht.

Statistik der Spenden

Das Sammelkonto ist offen seit Dienstag, dem 7. Dezember 2004.
Bisher wurden 4225 Franken gesammelt.

Statistik des Genozids im Südsudan

Tote: über 2 Millionen Menschen
Vertriebene: 5 Millionen Menschen
Versklavte Menschen: rund 200'000
Seit 1983, ab Januar 2005 via Hungerkatastrophe

Statistik – Genozid in der Region Darfur (Westsudan)

Tote: über 300'000 Menschen (gemäss Washington Post)
Vertriebene: ca. 1,5 Millionen Menschen
Versklavte: noch keine Angaben (gemäss ARD geschehen Verschleppungen)
Seit 2003

Dank der Dokumentationsarbeit von CSI konnten der Genozid und die Versklavungen abgebremst werden.

Hintergrundinfos zur Aktion:
Gegen die Hungerkatastrophe im Sudan ankämpfen

Datum: 17.01.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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