Lizzie Velasquez neu entschlossen

«Als hätte jemand den Slow-Motion-Knopf gedrückt»

Sie ist 1,58 m gross und wiegt nur 27 Kilo. Doch Lizzie Velasquez lässt sich von nichts aufhalten. Auch nicht, als sie öffentlich als «hässlichste Frau der Welt» betitelt wurde. Ihre starke Art bewundern viele, weshalb sie heute erfolgreich als Autorin und Motivationsrednerin unterwegs ist. Das vergangene Jahr war für die aussergewöhnliche Frau alles andere als gewöhnlich – aber genau richtig.

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Lizzie Velasquez
Die 30-jährige Amerikanerin Lizzie Velasquez leidet seit der Geburt an einer seltenen Krankheit, bei der sie nicht zunehmen kann. Ihre Haut altert schneller als bei anderen Menschen, zudem ist sie auf einem Auge blind. Als sie geboren wurde, erklärten die Ärzte ihren Eltern, dass sie niemals werde sprechen können, nicht laufen, nicht krabbeln, noch nicht mal richtig denken. «Doch Gott hatte einen anderen Plan für mein Leben», weiss Lizzie heute. «Für ihn bin ich wertvoll.»

Starrende Kinder und fiese Kommentare

«Meine Eltern sind gläubige Christen. Von Anfang an haben sie mich behandelt, als wäre ich ganz normal», berichtet sie aus ihrem Leben. Erst im Kindergarten fiel ihr auf, dass sie anders war. Die Kinder starrten sie an und liefen schreiend weg, wenn sie auf sie zu ging. «Je älter ich wurde, desto schlimmer wurde es für mich. Ich konnte nicht mehr in den Spiegel sehen, ohne mich vor mir selbst zu ekeln.» Mit der Zeit wurde sie wütend auf Gott. «Ich konnte nicht verstehen, warum er mich mit dieser Krankheit bestrafte», verrät sie.

Als sie an der Highschool war, entdeckte sie ein Video auf Youtube. Es trug den Titel «Die hässlichste Frau der Welt». Acht Sekunden lang war ein Foto von ihr zu sehen. Das Video hatte vier Millionen Klicks und Tausende von Kommentaren. Die Leute schrieben Dinge wie: «Sie ist ein Monster» oder «Bitte tu' der Welt einen Gefallen und erschiess dich...».

Welcher Stimme will ich vertrauen?

Lizzie war tief betroffen: «Erst weinte ich mir die Augen aus dem Kopf. Aber dann wurde mir etwas klar. Mir wurde klar, dass ich mich entscheiden muss, was ich glauben wollte. Glaube ich wildfremden Menschen und Kommentaren aus dem Internet? Oder glaube ich Gott, der mich einzigartig und wertvoll findet?» Sie wollte vielmehr dankbar sein für die Begabungen, die Gott in sie gelegt hat. Sie entschied sich: «Von nun an will ich in allem einzig und allein auf Jesus vertrauen.»

Gott habe entschieden, dass sie einer der drei Menschen sein soll, die diese rätselhafte Krankheit haben. Also wusste er ganz genau, dass sie die Kraft haben werde, damit umzugehen, so Lizzie. «Nur durch Gottes Gnade kann ich heute damit so gut, froh und glücklich leben. Mehr noch, Gott benutzt meine Krankheit, um andere zu segnen», fährt sie fort. «Nach aussen hin mag mein Syndrom wie eine Bürde aussehen. Doch ich erlebe, wie Gott meine Krankheit zum Segen werden lässt.»

2018: Das Jahr, in dem alles zum Stillstand kam

«Das vergangene Jahr war, um es milde auszudrücken, voller Höhen und Tiefen», postete Lizzie anfangs 2019 auf Social Media. Beruflich befand sie sich in einer ganz anderen Situation. Seit Anfang 2014 arbeitete sie ununterbrochen. «Ich war gesegnet, ein Projekt nach dem anderen zu haben, an dem ich arbeiten und etwas mitgestalten konnte», meinte sie dankbar. Doch dann kam das Jahr 2018. «Das vergangene Jahr fühlte sich an, als hätte jemand den Slow-Motion-Knopf in meinem Leben gedrückt.» Plötzlich lief nicht mehr viel.

Doch sich erkannte das Positive daran: «Wie immer kannte Gott seinen genauen Plan, warum sich die Dinge anfühlten, als wären sie zum Stillstand gekommen.» Sie berichtete, wie sie ihr Haus zu einem richtigen Zuhause machen konnte, es ihr möglich war, ihre Mutter zu unterstützen, die mit Brustkrebs kämpfte, und den Freunden nah zu sein, die sie brauchten.

«Gleichzeitig blieb ich lange auf und scrollte durch Instagram, sah mir YouTube-Videos an, hielt mich auf Twitter auf dem Laufenden. Ganz ehrlich, ich fühlte mich wie ein Versager, weil ich nicht all die grossen Dinge tat, die ich online sah», gestand sie. Sie war es so gewohnt, dass die Arbeit zu ihr kam, dass sie «das Feuer verlor, das ich hatte, als ich 18 Jahre alt war». Damals wäre sie bereit gewesen, alles zu tun, was sie konnte, um ihre Träume zu verwirklichen.

Die Funken neu zum Leuchten bringen

Im Jahr 2019 möchte sie diesen Funken Entschlossenheit wieder zum Leuchten bringen. «Kein Warten und kein Wünschen mehr, dass ich diejenige wäre», stellte sie klar. «Ich bin bereit, mich ins Zeug zu legen und weiterhin mein Bestes zu geben, um meine Stimme wieder für mich und für jeden zu benutzen, der vielleicht nicht weiss, wie er seine Stimme benutzen soll.» 

Lizzie Velasquez schreibt Bücher und ist Motivationsrednerin. Hier geht's zu ihrem Youtube-Kanal.

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Datum: 08.06.2019
Autor: Annina Morel / Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch / www.aboutlizzie.com

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