Den Körper als Ganzes sehen – Anstösse der Naturheilkunde

Der Körper des Menschen neigt natürlicherweise zur Heilung von Krankheiten; Gott hat ihn so geschaffen. Nach einem Unfall wächst ein Knochen wieder zusammen; eine Wunde verheilt und (manche) Verdauungsstörungen hören von selbst wieder auf. Der Körper hat die Tendenz, Stoffe auszuscheiden, die ihn belasten, um wieder ein Gleichgewicht zu finden. Diese Prozesse suchen Naturheilpraktiker wie der Drogist Hanspeter Horsch zu fördern.

Horsch gab im Februar in Herisau einen viertägigen Kurs über Aus- und Ableitverfahren. Der Kurs gehörte als Modul zur Schule „Christlich-ganzheitliche Heilverfahren“, die von der Organisation „Christen im Dienst an Kranken“ (CDK) angeboten wird.

Im Kurs wurden das Röder-Verfahren (Absaugen von Mandeln und Nasengängen), das Ableiten auf den Darm, das Schröpfen, das Baunscheidt-Verfahren und die Blutegeltherapie vorgestellt und geübt. Im Hintergrund steht die alte Anschauung, dass die Qualität der Körpersäfte, etwa im Lymphsystem, das Befinden des Menschen stark beeinflusst.

Neues Interesse für alte Heilverfahren

Der Ostschweizer Drogist verweist im Gespräch mit Livenet darauf, dass diese Verfahren bis vor 150 Jahren zum Alltag der Medizin gehörten. Der berühmte deutsche Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902) bewirkte dann einen Paradigmenwechsel, indem er sein Augenmerk auf Veränderungen in einzelnen Organen, Geweben und Zellen richtete. Die Schulmedizin folgte Virchow; das führte laut Hanspeter Horsch „zur Spezialisierung, welche dem praktischen Mediziner den Blick auf den ganzen Menschen erschwert“.

Worin unterscheidet sich denn die Naturheilkunde? Der Heidener Drogist verdeutlicht es mit einer Doppelfrage: „Versuchen wir bei einer Krankheit mit unserem Wissen Körperfunktionen zu regulieren? Oder räumen wir das aus dem Weg, was den Körper in seiner Selbstregulierung hindert oder blockiert?“ Horsch befragt den Patienten über seine Lebensweise (Anamnese) und sucht Zusammenhänge zwischen ihr und dem körperlichen Befinden aufzudecken.

Den Körper arbeiten lassen

Die Schulmedizin geht laut Horsch in vielen Fällen mit chemischen Mitteln ans Werk. „Damit der Blutdruck nicht höher steigen kann, werden irgendwelche Rezeptoren blockiert.“ Die Naturheilkunde suche dagegen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die den Blutdruck dauernd in die Höhe treiben. „Es geht da um Stressabbau, um eine bessere Verdauung, unter Umständen auch um das Ableiten von Giftstoffen.“

Selbstverständlich setzt auch die Schulmedizin auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Aber Horsch merkt an, dass die Pharmakologie mit ihren Medikamenten regulierend eingreift, dem Körper diese Prozesse aufdrängt und ihn manchmal daran hindert, selbst ans Ziel zu kommen.

Mit Pflanzen aufgewachsen

Hanspeter Horsch führt am Kirchplatz in Heiden eine Drogerie. 1999 erwarb er das Appenzeller Diplom als Heilpraktiker; seither betreibt der gläubige Christ nebenan auch eine Naturheilpraxis. Sein Wissen hat Horsch weitgehend im Selbststudium erarbeitet; vieles wurde ihm früh vermittelt: „Mein Vater, der auch Drogist war, zeigte mir die Pflanzen, und mit zehn Jahren kannte ich mehr oder weniger alles, was um uns herum wächst.“ Später las sich Horsch durch die einschlägige Literatur und befasste sich mit Medizingeschichte.

Er unterscheidet zwischen materiellen und energetischen Naturheilverfahren. Der ersten Gruppe zuzuordnen sind Therapien mit pflanzlichen Stoffen, Mineralien, Vitaminen etc. und die erwähnten Aus- und Ableitverfahren. In der zweiten Gruppe kommt in irgendeiner Weise Energie zum Tragen, „die nicht messbar und nachvollziehbar ist und die teilweise personifiziert wird“. Häufig werde diese Energie mit Gott oder einer höheren Macht in Verbindung gebracht.

In einem Artikel auf seiner Webseite grenzt Horsch esoterische und christliche Verfahren von einander ab: „Wenn durch eine Pflanze, tote Materie oder gar einen Menschen ‚positive Heilenergie’ ausgesendet wird, um eine übergeordnete Lebenskraft abzurufen oder kosmische Kräfte ins Gleichgewicht zu bringen, verlassen wir den soliden Boden und begeben uns ins Gebiet von schamanistischen Praktiken. Nur Jesus Christus vermag durch sein Erlösungswerk den Menschen von seinem gestörten geistigen ‚Gleichgewicht’ zu heilen.“

Homöopathische Mittel gehen auf den Geist

Gemäss der Lehre der Homöopathie werden mit Stoffen, die potenziert, das heisst energetisch „aufgemotzt“ wurden, Körper, Seele und Geist des Menschen beeinflusst. Horsch ist davon überzeugt, dass diese Mittel tatsächlich auf den Geist gehen: „Je potenzierter ein Mittel, desto mehr spricht man den Geist an: Das ist das Prinzip dieser Anschauung. Ein hochverdünntes, potenziertes homöopathisches Mittel hat eine sehr starke Wirkung.“

Doch unterstreicht Horsch, dass es „für das Heil des Menschen und seine Heilung letzlich nichts Anderes gibt als die Erlösung durch Jesus Christus“. Die grosse Problematik sieht der Heidener Drogist heute darin, dass teils speziell zubereitete, hochkonzentrierte Pflanzenheilmittel als ‚homöopathisch’ etikettiert und entsprechend eingesetzt werden. Er kritisiert, dass natürliche Heilverfahren mit esoterischen Anschauungen und Praktiken wie Pendeln vermischt werden.

Horsch findet es entscheidend, „welche Denkhaltung ich einnehme in der Verwendung eines Naturheilmittels oder -verfahrens. Ob ich eine Pflanzentinktur im Sinn der Phytotherapie oder homöopathisch einsetze, macht einen grossen Unterschied“.

Die Grenze bewahren

Der Heilpraktiker Horsch will nicht als Seelsorger verstanden werden, auch wenn die Tätigkeitsgebiete sich berühren: „Ich bete relativ selten mit Patienten. Natürlich geht es mir auch um den Geist, aber ich behandle den Körper. Ich möchte die Grenze zwischen Naturheilkunde und Seelsorge bewahren.“

Webseite von Hanspeter Horsch: www.gesundeswissen.ch

Webseite ‚Christen im Dienst an Kranken’: www.cdk-hcf.org

Datum: 17.04.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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