Probleme von Pflegern wahrnehmen heisst Patienten schützen

Mit Frühwarnhinweisen sollen Verbrechen an Patienten künftig verhindert werden. In einer Studie des renommierten Psychiaters Karl H. Beine wurde das Thema Patiententötungen intensiv analysiert. Damit beschäftigt sich ein Wissenschaftler erstmals systematisch mit dem Tabu-Thema Patiententötungen.

Beine, Lehrstuhlinhaber für Psychatrie an der Universität Witten/Herdecke, hat aus weltweit 16 Fällen der letzten Jahrzehnte eine detaillierte Täterpsychologie entwickelt. Er fand heraus, dass es sich bei den Tätern vorrangig um männliche Pfleger und nicht um Krankenschwestern handelte. Die Männer seien meist "selbstunsicher" und würden den Patienten nicht-verordnete Medikamente verabreichen.

Ungelöste Konflikte

In ihren Arbeitsbereichen müssten sie sich mit langen, ungelösten Konflikten auseinandersetzen. Oft wurden die Täter erst bis zu fünf Jahre nach der ersten Tat entdeckt. Die Studie räumt so mit einigen verbreiteten Vorurteilen wie schlechten Arbeitsbedingungen oder dem Mitleidsmotiv auf. Letzteres erklärte der Wissenschaftler eher mit der Unfähigkeit der Täter, Leidenszustände zu ertragen: "Die getöteten Patienten befanden sich nicht in ihrer Sterbephase".

Beine hat sich auch mit der Prävention solcher Taten beschäftigt und typische Anzeichen herausgefiltert: "Frühwarnhinweise sind verrohte Sprache und Selbstisolation innerhalb einer Arbeitsgruppe." Kollegen könnten eine "zynische Erstarrung" gegenüber dem Pflege-Beruf erkennen.

Auf Hinweise achten

Die Täter prognostizierten sogar häufig den genauen Todeszeitpunkt der Patienten. Der Professor empfiehlt auf solche Hinweise zu achten und eine offene Arbeitsatmosphäre zu fördern. Das Personal in Kranken- und Pflegeeinrichtungen soll "über seine agressiven Phantasien offen reden können."

Datum: 03.10.2003
Quelle: pte online

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