Wasser

Ein kostbares Gut

Da Wasser weltweit immer wichtiger wird, hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) deshalb 2003 zum Internationalen Jahr des Süsswassers erklärt und will damit auf diese schwindende Ressource aufmerksam machen. Ziele des internationalen Jahres sind eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung und der Schutz der Trinkwasservorräte. Weltweit sollen Prozesse angeregt werden, die weit über das Jahr 2003 hinaus reichen. Länder, die arm an Wasser sind, glauben, dass Wasser in Zukunft die Bedeutung von Öl - als zurzeit grösste Konfliktquelle auf Erden - ersetzten wird.

Bereits seit 1992 wird der Weltwassertag gefeiert, um die Menschen weltweit für Wasserthemen zu sensibilisieren. Im "Jahr des Wassers 2003" kommt dem Weltwassertag, der heuer unter dem Motto "Wasser für die Zukunft" steht, besondere Bedeutung zu. Zu diesem Anlass finden weltweit eine Reihe von Aktivitäten statt.

Wasserreiche Schweiz

Die Schweiz ist für ihre reichen Wasserquellen und -reserven bekannt und wird auch als "Wasserschloss Europas" bezeichnet. Tatsächlich fällt in der Schweiz doppelt soviel Regen wie durchschnittlich in Europa. Ausserdem entspringen die vier grosse Flüsse Europas in der Schweiz, nämlich der Rhein, die Rhone, der Ticino und Inn. Für die Schweizer ist Wasser zur Selbstverständlichkeit geworden.

Mit rund 40 Anlässen bis Ende 2003 zu diesem Thema soll der Bevölkerung die Bedeutung von Wasser wieder bewusst gemacht werden. Ziel ist es, die Menschen für diese Ressource, deren Schutz und Nutzung sowie Erhaltung zu sensibilisieren.

Wasser - ein unersetzbares Gut

Wie die Luft ist auch das Wasser unersetzbar und der freie Zugang für alle ein wichtiges Menschenrecht. Wenn Wasser an einem Ort fehlt, sind alle betroffen. Das Land wird zur Wüste und unbewohnbar. Lang anhaltende Dürren haben Hungersnöte zur Folge und treiben die Menschen in die Flucht. Für viele Menschen auf dieser Welt ist sauberes Trinkwasser und insbesondere "fliessendes Trinkwasser ab dem Hahnen" keine Selbstverständlichkeit, sie müssen oft viele Kilometer dafür laufen und dieses aus Brunnen schöpfen. Verglichen mit den 2-3 Litern Wasserverbrauch in vielen Drittländern, konsumiert Herr und Frau Schweizer pro Person im Tag durchschnittlich 162 Liter Wasser - und zwar das wenigste zum Trinken! Gemäss Angaben der UNO haben 1,2 Billionen Menschen auf er Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die UNO hat es sich zur Aufgabe gemacht und hofft, bis Ende 2015 die Hälfte dieser Menschen mit Trinkwasser versorgen zu können.

Das "Weltwasserforum" - als Denkfabrik

Als Reaktion auf die weltweiten Wasserprobleme bildeten Vertreter internationaler Organisationen, engagierte Wissenschafter, NGOs und Regierungen verschiedener Länder im Jahr 1996 eine internationale Denkfabrik zum Thema "Wasser", das sogenannte "World Water Council" (WWC). Von diesem Gremium kam der Vorschlag, alle drei Jahre ein internationales Weltwasserforum abzuhalten, auf dem die wichtigsten wasserbezogenen Themen diskutiert werden sollten.

Auf den beiden ersten Weltwasserforen 1997 in Marrakesch und 2000 in Den Haag wurde eine "Vision für Wasser, Leben und Umwelt im 21. Jahrhundert" entworfen. Das 3.Weltwasserforum, das vom 16. bis 23. März 2003 in Kyoto, Japan abgehalten wurde, befasste sich mit Schlüsselfragen der weltweiten Wasserzukunft. Mehr als 10.000 Teilnehmer erarbeiten zusammen an konkreten Massnahmen zur Lösung der globalen Wasserprobleme. Eine breite Palette von Themen stand auf dem Programm des Forums: Wasser und Armut, Wasserver- und -entsorgung, Wasser, Ernährung und Landwirtschaft, Wasser und Energie, Wasser und Umwelt, Wasser und Klima, Wasser und Frieden. Das ist lediglich eine Auswahl der Probleme, die zur Diskussion stehen und stand. Ein entscheidender Punkt bei der Lösung der weltweiten Wasserkrise ist die Frage der Finanzierung. Experten schätzen, dass die unterentwickelten Länder jährlich etwa 180 Mrd. US-Dollar benötigen, um über die folgenden 25 Jahre die Wasserversorgung sicherstellen zu können. Derzeit werden schätzungsweise nur etwa 80 Mrd. US-Dollar in entsprechende Massnahmen investiert. Neue Finanzierungsmodelle und Möglichkeiten zum effizienten Einsatz der vorhandenen Mittel sollen nun aufzeigt und erarbeitet werden.

Ausserdem stellte die UNESCO an diesem Forum den ersten Welt-Wasser-Entwicklungs-Bericht (World Water Development Report) vor. Der Bericht liefert eine Zusammenstellung entscheidungsrelevanter wissenschaftlicher Informationen und Analysen. Die Daten und Fakten, die im Rahmen des UNO-Programms "World Water Assessment Programme (WWAP)" ermittelt werden, bilden die Basis für die administrativen, politischen, sozialen und technischen Entscheidungen, die dringend getroffen werden müssen, um eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen voranzutreiben. Für die integrierte Wasserbewirtschaftung müssen alle Bestandteile des hydrologischen Kreislaufs und alle Sektoren - Landwirtschaft, Haushalte, Industrie, Natur -, die den Wasserhaushalt nutzen und beeinflussen, betrachtet werden.

Weltweite Wasserkrise

Erst kürzlich zeichnete der erste Weltwasserentwicklungs-Bericht der UNESCO ein düsteres Bild: Bis zur Mitte dieses Jahrhundert werden voraussichtlich im besten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern, im schlechtesten gleich sieben Milliarden in 60 Ländern der Welt unter krassem Wassermangel leiden. Bereits heute haben 50 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser, und täglich sterben 6000 Menschen - vorwiegend Kinder unter fünf Jahren - an Durchfallerkrankungen, die auf verschmutztes Wasser zurückgeführt werden können.

Wassermangel begrenzt in vielen Regionen der Erde die landwirtschaftliche Produktion und verhindert wirtschaftliche Weiterententwicklung. Gleichzeitig warnen Ökologen vor der akuten Bedrohung vieler aquatischer Ökosysteme aufgrund des steigenden Wasserbedarfs. Der von Experten prognostizierte globale Klimawandel wird die Situation noch verschärfen: in Zukunft sind noch verheerendere Dürre- und Flutkatastrophen zu erwarten. Hauptgrund der Wasserkrise ist jedoch falscher Umgang mit der Ressource Wasser. Dieses Management zu verbessern ist eine der grossen Aufgaben der Menschheit.

Nicht grosse internationale Initiativen sollen die Wasserkrise mildern, sondern viele kleine, auf die tatsächlichen lokalen Bedingungen abgestimmte Projekte. Eine faszinierendes und einfaches Verfahren, sauberes Trinkwasser zu gewinnen, wird zurzeit in der Schweiz erforscht.

Segensreiche Entdeckung

Vom vorhandenen Süsswasser auf der Erde ist nur etwa 1/3 als Trinkwasser nutzbar - der Rest ist in den Polargebieten als Gletscher, Bodenfeuchtigkeit und in Feuchtgebieten gelagert. Über eine Milliarde Menschen haben keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

In Dübendorf wurde eine Methode , die verschmutztes Wasser in trinkbares verwandelt, verfeinert und weiterentwickelt. Das Verfahren ist total simpel und verblüffend. Man füllt verschmutztes - vorher gefiltertes - Wasser in eine zur Hälfte schwarz gefärbte Pet-Flasche ein und legt diese sechs Stunden an die Sonne. Die ultravioletten Strahlen töten die Bakterien und Viren darin ab. Diese Methode wird "Sodis" genannt und wird von Forschern der Eidgenössischen Anstalt für Abwasserreinigung, Wasserversorung und Gewässerschutz (EAWAG) in Dübendorf getestet und weiterentwickelt.

Als erster experimentierte ein libanensischer Forscher anfangs der Achtzigerjahre mit der desinfizierenden Wirkung der UV-A-Strahlen des Sonnenlichts. Seit 1991 wird Sodis von Forschern der EAWAG nun intensiv getestet. Abkochen des Wassers würde theoretisch auch Abhilfe schaffen. Die Krux dabei ist aber, dass Brennholz, Petrol oder Strom oft nicht vorhanden oder zu kostspielig sind für Menschen in der Dritten Welt. Sodis vermag diese Problematik zu umgehen - und profitiert vom Umstand, dass Plastikflaschen auch in Entwicklungsländern weit verbreitet sind. Praktische Erfahrungen mit Sodis wurden bereits in Kolumbien, Bolivien, Afrika, Indonesien, Thailand und China gesammelt.

Die WHO hat noch vor Jahresfrist Sodis zur Desinfektion von Trinkwasser empfohlen. Im Gegensatz zur Behandlung mit Chlor wird Wasser nämlich dadurch geschmacklich nicht verändert.

Quellen: NZZ international/Zürichsee-Zeitungen EAWAG/wasser2003.at

Datum: 02.04.2003
Autor: Antoinette Lüchinger

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