Was Cannabis der Gesundheit antut

Zürich - Die Revision des Betäubungsmittelgesetzes kommt in die heisse Phase. Nach dem Ständerat berät in diesen Tagen die nationalrätliche Kommission die Vorlage; dabei steht auch die Entkriminalisierung des Cannabiskonsums zur Debatte. Die Warnungen vor den schädlichen Folgen des Cannabiskonsums häufen sich: Dieser Tage hat sich der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer besorgt über immer mehr bekiffte Schüler geäussert.

Experten bewerten zwar das Suchtpotenzial der Droge als geringer im Vergleich mit Nikotin und Alkohol. Doch für einen bestimmten Personenkreis, namentlich psychisch labile, verletzliche Menschen, besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit von Cannabis. Der Berliner Präventionsmediziner Dieter Kleiber meint, dass das Risiko einer Abhängigkeit vor allem bei Jugendlichen besteht, die früh - mit 12 oder 13 Jahren - zu konsumieren beginnen und ihre Dosis rasch steigern.

Entwicklungsstörungen

Experten des christlichen Fachverbands VCRD halten fest, dass junge Menschen auf Grund des regelmässigen Cannabiskonsums "psychosoziale Entwicklungsverzögerungen erleiden, welche sich hinsichtlich Zielstrebigkeit in Ausbildung bzw. Studium, aber auch in der Verarmung von Freizeit- und Beziehungsgestaltung auswirken können". Laut dem Zürcher Psychiater und VCRD-Präsidenten Hans Rudolf Pfeifer kann Cannabiskonsum bei einem kleinen Teil der Konsumenten Angstzustände und sogar psychotische Schübe auslösen.

Höheres Schizophrenierisiko?

Eine schwedische Langzeitstudie über bereits 27 Jahre stellt eine lineare, dosisabhängige Beziehung zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Schizophrenierisiko her. Manche Experten sehen allerdings dieses Risiko sozial und nicht durch den Drogenkonsum begründet.
Die grösste Gefahr für den Körper besteht nach einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung vermutlich in einer Schädigung der Lunge. Der kalifornische Forscher Donald Tashkin geht von einem erhöhten Lungenkrebsrisiko aus.

Chronische Kiffer leiden mehr unter akuter oder chronischer Bronchitis. Der Rauch von Marihuana-Zigaretten, die oft filterlos und locker gepackt geraucht werden, hat laut Experten mehr giftige Rückstände als herkömmlicher Zigarettenrauch; manche vermuten daher, die Schadwirkung einer Marihuana-Zigarette sei mit der von fünf normalen Glimmstengeln vergleichbar. Tierversuche und Studien an Menschen deuten laut der NZZ auch darauf hin, dass THC die Funktion von Immunzellen in der Lunge beeinträchtigen könnte.

Gestörtes Kurzzeitgedächtnis

Vor allem weibliche Cannabispflanzen enthalten den für die Drogenwirkung wichtigsten Stoff, das THC (Tetrahydrocannabinol). Der Stoff beeinflusst unter anderem das zentrale Nervensystem. In niedriger bis mittlerer Dosierung führt er zu einem Zustand entspannter Euphorie. Aber in Kauf zu nehmen sind auch eine gestörtes Kurzzeitgedächtnis, und die Denkfähigkeit und Wahrnehmung kann eingeschränkt werden.

Im März 2001 hatte der Bundesrat seinen Entwurf für die Revision des Betäubungsmittelgesetzes verabschiedet. Vorgesehen sind, was Cannabis betrifft, die Strafbefreiung des Konsums sowie die Möglichkeit, die Strafverfolgungspflicht bei Anbau, Fabrikation und Handel von Cannabisprodukten per Verordnung verbindlich einzuschränken. Der Ständerat hat diese Vorschläge des Bundesrates im Dezember 2001 gutgeheissen. Nun ist die nationalrätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit an der Arbeit. Ob das Geschäft im März, in der Sondersession im Mai oder allenfalls später in die Grosse Kammer kommt, ist noch offen.

Die öffentliche Debatte - und was die Medien daraus machen

Der VCRD, der ‚Verband christlicher Fachleute im Rehabilitations- und Drogenbereich', hat vor einem Jahr die Berichterstattung in der Deutschschweiz über die Behandlung des Betäubungsmittelgesetzes im Ständerat kritisiert. Die hiesigen Medien hätten die Gewichte anders gesetzt als die Kleine Kammer, wo klar vor einer Banalisierung des Cannabiskonsums gewarnt wurde. Laut dem VCRD hielt der Ständerat fest, der Konsum von Cannabisprodukten sei wie jeder Drogenkonsum gesellschaftlich nicht erwünscht. Er sei "in jedem Fall gesundheitsschädigend und deshalb muss der Prävention grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden." In den Medien war dagegen fast überall von "Legalisierung des Cannabis" statt von "Entkriminalisierung des Cannabiskonsums" die Rede.

Die Jugendlichen schützen

Da gegen 100'000 Personen in der Schweiz Cannabis mehrmals täglich bis wöchentlich konsumieren, spricht sich auch der VCRD für eine Entkriminalisierung der Konsumenten aus. Der Konsum von Cannabisprodukten soll aber erst für über 18-Jährige strafbefreit sein (wie bei Spirituosen). Der VCRD fordert auch Grenzen "überall da, wo andere mitbetroffen sind", so in öffentlichen Räumen und der Bahn.

Der VCRD kritisiert, dass die Schweiz als in Europa jahrelang als Hanfparadies gegolten hat und Cannabisprodukte exportiert wurden. Wenn der Staat den einzelnen Konsumenten keine Strafe mehr androht, muss diese Entkriminalisierung laut VCRD gepaart sein "mit grossen und glaubwürdigen präventiven Anstrengungen, mit effizientem Jugendschutz ... und weiterhin Kontrolle und Repression, wo Cannabis mit Gewerbe- und Gewinnabsicht angebaut und gehandelt wird".

Die vom VCRD herausgegebene Broschüre "Vollhigh - jetzt frei" kann unter der von Livnet mitgestalteten Seite www.vollhigh.ch kostenlos angefordert werden.

Webseite: www.vcrd.ch

Datum: 24.01.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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