"Zoff mit Stoff": Neuer Kurzspielfilm zur Cannabisprävention

Lausanne. In der Schweiz kifft jeder vierte der 18- bis 24-Jährigen zumindest gelegentlich. 87’000 Schweizer drehen laut der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) täglich einen Joint. 600’000 bis 700’000 Schweizer rauchen regelmässig Cannabis. 3000 Franken jährlich wendet der durchschnittliche Kiffer auf, hat die Hanf-Koordination Schweiz hochgerechnet. Und die Schweizer Politik ist daran, nach Alkohol und Tabak eine dritte Volksdroge zu legalisieren. Dass sie ohnehin schon von so vielen konsumiert wird, muss zur Rechtfertigung herhalten. Die Schweiz will sich weltweit als Vorreiter der Legalisierung einer weiteren Volksdroge etablieren. Trotz aller Kritik aus dem Ausland. Sie legalisiert damit auch einen weiteren Markt, der es auf die Geldbeutel der Jugendlichen und damit der Familien abgesehen hat und gleichzeitig unabsehbare gesundheitliche und soziale Konsequenzen in Kauf nimmt.

Fragen rund um Cannabis

Die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) in Lausanne hat einen 20-minütiger Kurzspielfilm "Zoff mit Stoff produziert: In einem Klassenlager dreht sich einiges um diesen Stoff", der hierzulande sehr in Mode gekommen ist. Ein Schüler gerät wegen verlorenem Cannabis in Stress, drei Schülerinnen schliessen eine besondere Wette ab und die Lehrpersonen beginnen zu ahnen, dass da "etwas läuft". Mit dem steigenden Konsum von Cannabis ist dieses Thema gerade in Schulen und in der Jugendarbeit immer präsenter geworden. Aber: Nicht selten sind Bezugspersonen von Heranwachsenden verunsichert und wissen nicht so recht, wie sie mit Jugendlichen über Hanfdrogen sprechen können und welche Inhalte wichtig sind.

Dieses Video ist ein didaktisches Hilfsmittel zur Cannabisprävention bei 14- bis 18-Jährigen. Es bringt einerseits Cannabiskonsum und dessen Risiken zur Sprache (ohne jemals den Konsum direkt zu zeigen), andererseits geht es darin auch um verschiedene übergeordnete, gesundheitsfördernde Inhalte, mit denen ein Konsum zusammenhängen kann. So wird zum Beispiel das Thema Gruppendruck angesprochen oder die Frage, was zu einem Fest gehört. Ein Begleitheft zum Video mit didaktischen Umsetzungsvorschlägen erleichtert die Bearbeitung der Inhalte.

Vor allem, aber nicht nur für Jugendliche

Dieses mit Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit BAG, verschiedener Kantone und Stiftungen entstandene Präventionshilfsmittel erzählt eine Geschichte, die in einem Klassenlager spielt. Die Sorgen und Pläne der Jugendlichen stehen dabei im Zentrum. Gleichzeitig spielt die Beziehung zwischen den Jugendlichen und den erwachsenen Begleitpersonen eine wichtige Rolle, und auch die Situation der Erwachsenen und ihre Reaktionen werden im Verlauf des Geschehens verschiedentlich reflektiert. Damit können die Inhalte des Videos mit Jugendlichen, aber auch Erwachsenen in je angepasster Art thematisiert werden. Auch eine gemeinsame Beschäftigung von Jugendlichen und Erwachsenen mit "Stoff mit Zoff" kann fruchtbare Diskussionsanstösse geben.

Das Video "Zoff mit Stoff - Ein Beitrag zur Cannabisprävention" kann zum Preis von Fr. 38.- (zuzüglich Versandspesen) bestellt werden bei der SFA, Postfach 870, 1001 Lausanne

KOMMENTAR

Fritz Imhof

Generation Hasch – bald völlig legal?

3000 Franken jährlich wendet der durchschnittliche Kiffer auf, hat die Hanf-Koordination Schweiz hochgerechnet. Und die Schweizer Politik ist daran, nach Alkohol und Tabak eine dritte Volksdroge zu legalisieren. Dass sie ohnehin schon von so vielen konsumiert wird, muss zur Rechtfertigung herhalten.

Im Unterschied zu den bisherigen legalen Drogen wollen die Behörden jedoch die Kontrolle verschärfen. Dahinter scheint weniger die Angst, dass zuviel gekifft wird, zu stehen als die berechtigten Befürchtungen vor dem jetzt schon grassierenden Drogentourismus. „Unsere Nachbarländer sind besorgt, dass der grenzüberschreitende Handel mit der Liberalisierung zunehmen könnte“, erklärte der Zürcher Präventivmediziner und FDP-Nationalrat Felix Gutzwiller, der auch in einer deutschen Drogenkommission sitzt, gegenüber der Zeitschrift „Facts“.

Ende Januar befindet die vorberatende parlamentarische Kommission über die Liberalisierung des Konsums, im März soll der Nationalrat darüber beschliessen. Es gibt auch bereits klare Vorstellungen, wie der massvolle Haschisch-Konsum der Schweizer Bevölkerung künftig kontrolliert werden soll: mit einer Chipkarte. Wie eine Prepaid-Telefon- oder eine Bancomat-Cash-Karte soll ein Cannabis-Kärtchen einen maximalen Kredit gewähren; zur Diskussion stehen 50 bis 100 Franken pro Tag und eine eventuelle Wochenlimite von 350 Franken, so Facts.

Bei jedem Einkauf würde dann die entsprechende Summe auf der Karte abgebucht, bis das Tagesguthaben aufgebraucht ist. „Dies ist das einzige System, das eine umfassende Kontrolle erlaubt und trotzdem Datenschutz gewährt“, frohlockt die Zürcher Rechtsanwältin Dominique von Planta, die diverse Hanflädeli-Besitzer vor Gericht vertreten hat. Der Kommission vorgeschlagen hat die Karte der Präsident der Schweizerischen Hanf-Koordination, François Reusser. Er habe sie zusammen mit Experten entwickelt, erklärt er.

Die Karte ist grundsätzlich für Erwachsene bestimmt. Doch wie soll der Konsum Jugendlicher reguliert werden? Bei den Jugendlichen zwischen 16 und 25 habe der Konsum von Cannabis tatsächlich zugenommen, sagt der Präventivmediziner Felix Gutzwiller. Er erklärt dies mit einer gewachsenen Toleranz der Öffentlichkeit und einem liberaleren Umgang mit bewusstseinsverändernden Substanzen in der Familie: „Es ist eine Generation von Teens herangewachsen, deren Eltern ihren Zustand selbstverständlicher denn je mit chemischen Substanzen regulieren – von Kopfweh- bis Entspannungstabletten.“ Um den Grossteil der Konsumierenden nicht mehr der illegalen Szene auszusetzen, favorisiert er eine Alterslimite von 16 statt den bisher in der Diskussion vorgeschlagenen 18 Jahren, ab der ein Erwerb geringer Mengen von Cannabis gestattet sein soll.

Letzten Herbst hat die EU eine Studie publiziert, in der europaweit 45 Millionen Menschen zugeben, mindestens einmal im Leben Gebrauch von leichten Drogen gemacht zu haben. 15 Millionen konsumierten 2002 regelmässig Haschisch oder Marihuana.

Die Schweiz will sich jetzt weltweit als Vorreiter der Legalisierung einer weiteren Volksdroge etablieren. Trotz aller Kritik aus dem Ausland. Sie legalisiert damit auch einen weiteren Markt, der es auf die Geldbeutel der Jugendlichen und damit der Familien abgesehen hat und gleichzeitig unabsehbare gesundheitliche und soziale Konsequenzen in Kauf nimmt.

Quelle: ssf/sfa/ots

Datum: 23.01.2003

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