Nomen est Omen

Biblische Namen bleiben beliebt

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Seit Jahren geht der Trend im deutschsprachigen Raum wieder zu älteren Vornamen. Gerne geben Eltern ihren Kindern auch biblische Namen. Doch woran liegt das?

Manche Vornamen scheinen laut Klischee in bestimmte Bevölkerungsschichten zu gehören wie Kevin und Chantal. Andere machten Schlagzeilen, weil ihre Eltern sie gerichtlich durchsetzen wollten wie Pumuckl. Manche Namen werden aus gutem Grund wohl nie mehr «in» sein wie Adolf. Andere wurden durch einen Konzern gesponsert wie Pepsi-Carola. Doch die meisten Eltern geben ihren Kindern wesentlich unauffälligere und normalere Namen: Hanna, Noah, Samira, David… Anders als andere beliebte Namen haben diese eine Gemeinsamkeit: Sie entstammen der Bibel.

Oft entscheidet der Klang

Dabei gehört ein guter Klang zu den wichtigsten Gründen für die Namenswahl. 72 Prozent der Eltern entscheiden sich laut einer Allensbacher Umfrage in der WELT deswegen dafür, ihr Kind Leon oder Luisa zu nennen. Ausserdem soll für 52 Prozent der Vorname gut zum Familiennamen passen – Sean Stein ist vielleicht nicht die glücklichste Wahl. Etliche, immerhin 16 Prozent, fragen allerdings auch nach der Bedeutung.

Dazu gehört, dass Eltern einen Namen erst einmal kennen müssen. Da nicht sehr viele in den Geschlechtsregistern des Alten Testaments nach Namen suchen werden, sind die direkten Vorbilder oft Sportlerinnen oder Schauspieler, Familienangehörige oder Freunde – und Eltern sind sich nicht immer bewusst, dass deren Name seine Wurzeln in der Bibel hat.

Eine gute Bedeutung ist vielen wichtig

Allerdings schlagen etliche Eltern auch die Bedeutung ihrer herausgesuchten Namen nach. Sie wollen ihren Kindern einen guten Wunsch, ein positives Bild mit auf den Weg geben. Natürlich ist allen klar, dass auch ein kleiner Felix nicht nur «Glück» in seinem Leben erfahren wird, doch Namen wie dieser sind oft ein Segenswunsch.

Zu biblischen Zeiten war man sehr viel direkter. Da gab es auch negative Gedanken, die zu Namen werden sollten. Die sterbende Rahel (1. Mose Kapitel 35, Vers 18) wollte ihren letzten Sohn Benoni nennen («Sohn der Klage»), aber Jakob, der Vater, nannte ihn «Sohn des Glücks», Benjamin. Und die prophetische Namensgebung war noch eine ganz eigene Kategorie. Der Prophet Jesaja sollte seinen Sohn «Bald kommt Plünderung, rasch Raub» nennen (Jesaja Kapitel 8, Vers 1); da war jedes Rufen zum Essen eine Predigt für die Nachbarschaft. Solche Namen werden heute kaum noch gegeben.

Die beliebtesten biblischen Namen

Je nach Land unterscheiden sich die beliebtesten Namen leicht voneinander. Während in Deutschland Emma und Fynn auf den ersten Plätzen stehen, sind es in der Schweiz Noah und Emilia. Die biblisch geprägten Namen unter den Top Ten sind dabei immerhin zehn von zwanzig:

  • Noah (Platz 1): «Ruhe» oder «Tröster»,
  • Ben (Platz 3): als Abkürzung von Benjamin «Sohn des Glücks», als Abkürzung von Benedikt «Gesegneter»,
  • Paul (Platz 5): «der Kleine» – mit dem grossen Apostel Paulus als Vorbild,
  • Elias (Platz 6): «Jahwe ist mein Gott»,
  • Matteo (Platz 8): «Geschenk Gottes»
  • Jonas (Platz 10): «die Taube»
  • Mia (Platz 3): Abkürzung von Maria/Mirjam «die Bittere», «die Schöne», «die von Gott geliebte»,
  • Hannah (Platz 4): «Gnade», als Abkürzung von Johanna «Gott ist gnädig»,
  • Ella (Platz 7): als Abkürzung von Elisabeth «mein Gott ist vollkommen»,
  • Lea (Platz 10): «die Wildkuh», «die Antilope», «die Starke».

Und welcher Name ist der richtige?

Kurt Tucholsky brachte es in «Schall und Rauch» folgendermassen auf den Punkt:

Der Name ists, der Menschen zieret,
weil er das Erdenpack sortieret –
bist du auch dämlich, schief und krumm:

Du bist ein Individuum.

Merkt man, dass der Journalist und Schriftsteller keine Kinder hatte? Jedenfalls unterstreicht er das Individuelle und Persönliche am Namen. Dabei gibt es den richtigen Namen gar nicht. Jedenfalls nicht im Vorhinein. Auch nicht, wenn er biblisch ist. Aber wer als Eltern seine Sophia («die Weise») oder seinen Jakob («Gott beschützt») in den Armen hält, weiss genau: Der Name passt.

Zum Thema:
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Datum: 25.08.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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