Diversity

Die Unterschiede zu verwischen, bringt uns nicht weiter

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Unsere Zeit tendiert dazu, alle ethnischen und religiösen Unterschiede zu verwischen. Das Ziel, damit jede Diskriminierung zu verhindern, ist gut gemeint. Doch oft ist es hilfreicher, die Unterschiede zu benennen und damit umzugehen – und die Menschen neu wertzuschätzen.

Die Absicht hinter den Zielen, die zum Beispiel mit dem Begriffen Inklusion, Gleichberechtigung oder Gender benannt werden, ist nachvollziehbar. Man will mit den Diskriminierungen und Abwertungen von Menschen, wie sie in der Vergangenheit vorgekommen sind, aufräumen. Früher abwertende Begriffe wie «schwul» werden salonfähig gemacht, neue Begriffe werden geschaffen, weil ein Begriff plötzlich als abwertend (siehe Mohrenkopf) erkannt wird. Mit neuen Begriffen werden andererseits diejenigen angegriffen, die sich dem Anliegen zu verweigern scheinen. Stichwort «homophob» oder «islamophob».

Alte Feindbilder – neue Feindbilder

Das Problem: Damit schafft man neuerdings Feindbilder und benennt Feinde, weil sie die neuen Werte zu gefährden scheinen. Diversität heisst das neue Zauberwort. Wer sich der neuen Werthaltung nicht automatisch anschliesst, erlebt ein Bombardement an täglich neuen Meldungen, wie wir es zum Beispiel mit der Gleichberechtigung der Geschlechter erleben, zu deren Erfüllung absolute Lohngleichheit und gleiche Vertretung in Führungspositionen postuliert wird. Die Bestrebungen sind inzwischen so weit gegangen, dass sogar das biologische Geschlecht in Frage gestellt und Geschlechtlichkeit zum sozialen Konstrukt erklärt wird.

Wer aber Unterschiede zwischen Geschlechtern, Religionen, Ethnien etc. verwischt, drängt Menschen, die auf Unterschiede hinweisen, in Gruppierungen ab, die alsbald als Feinde wahrgenommen werden, weil sie sich dort radikalisieren. Ein Beispiel dafür ist die «Alternative für Deutschland AfD», die 2013 gegründet wurde und von den gesellschaftlichen Überforderungen, ausgelöst durch die massive Einwanderungswelle 2015, im Osten Deutschlands massiv profitiert hat. Die Integrationsprobleme totzuschweigen statt sie zu thematisieren, hilft auf die Dauer niemandem.

Unterschiede dürfen sein

Denn die Feststellung von Unterschieden zum Beispiel von Ethnien und Kulturen zu unserer eigenen Kultur muss nicht zwingend zu Hass führen. Wichtig ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Problemen, die diese Unterschiede schaffen und wie sie angegangen werden können. Sie zu verschweigen und darauf zu hoffen, dass eine Integration in unsere Gesellschaft automatisch erfolgt, hat sich als Illusion erwiesen. Zumal die heutige Medienwelt Immigranten erlaubt, über Jahrzehnte via Internet und Fernsehen in der eigenen Kultur zu verbleiben und eine Subkultur aufzubauen.

Die ehrliche Auseinandersetzung fördern

Die ehrliche Auseinandersetzung mit der Vielfalt kann aber auch kreatives Potenzial zutage fördern. Sie kann einerseits bislang unsichtbare Qualitäten der fremden Kultur deutlich machen. Und sie kann zum andern Ideen hervorbringen, wie mit schwierigen Verhaltensweisen umgegangen werden kann bzw. wie sie verändern werden können. Ein Beispiel für eine gute Anwendung von «Diversity» ist die Entdeckung der «Schamkultur». Wer diese kennt, kann mit Menschen, die davon geprägt sind, anders umgehen und sie besser verstehen.

Die Kenntnis der Unterschiede darf somit nicht zu einer Abwertung der Menschen führen. Daniel Zindel, Leiter der Stiftung Gott hilft in Zizers, die viel Erfahrung im Umgang mit Kulturen hat, schreibt dazu: «Diversity zielt auf die Anerkennung und Wertschätzung aller Menschen, unabhängig von ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Weltanschauung, ihrem Lebensalter etc. Dieser Ansatz dient nicht nur dem sozialen Frieden, sondern ist Ausdruck der Menschenliebe. Ein fruchtbares Feld für die christlichen Gemeinden!»

Zum Thema:
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Datum: 27.10.2020
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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