Protest im Kirchenbund

«Die tagtägliche Abtreibung nehmen wir hin»

Der Zürcher Kirchenrat Daniel Reuter hat gegen das Nein des Kirchenbundes SEK zur Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» protestiert. Über der Gesellschaft stünden die Gebote Gottes, sagte der Zürcher Kirchenrat am Montag in Bern vor den Abgeordneten des SEK.

Zoom
«Bei Abtreibungen schweigen wir fast immer»: Daniel Reuter vor den Abgeordneten des Kirchenbundes (Bild: Thomas Flügge, SEK).
Die Volksinitiative zielt darauf ab, dass die obligatorische Krankenversicherung «eher Leben rettet und heilt, nicht aber Leben vernichtet». Daniel Reuter kritisierte in seiner persönlichen Erklärung, dass der SEK bei Abtreibungen, die von ihren Befürwortern als Privatsache bezeichnet werden, nun die Gesellschaft für die Finanzierung in der Pflicht sieht.

«In welchem Land leben wir denn?»

Laut dem SEK können «familiäre, soziale und wirtschaftliche Missstände das Leben der Frau so bedrohen, dass sie dem sozialen Tod ausgesetzt ist.» Reuter liess dies nicht gelten: «Sozialer Tod? In welchem Land leben wir denn? Etwa in einem Land ohne Sozialversicherungen, ohne öffentliche Sozialhilfe, ohne Kirchen mit ihrer Diakonie?»

Der Rat des SEK halte Abtreibung und deren Finanzierung für eine öffentliche Angelegenheit, hielt Reuter fest. Er mache es sich zu leicht, wenn er auf die Verantwortung «der Gesellschaft» hinweise. Denn über ihr stünden die Gebote Gottes. «Wir engagieren uns als Kirchenbund und Kirchen für dieses und jenes, nur bei Abtreibungen schweigen wir fast immer… die gewöhnliche, tagtägliche Abtreibung nehmen wir hin.»

Persönlich betroffen

Mit der 2002 vom Volk bejahten Fristenregelung seien ungeborene Kinder für vogelfrei erklärt und der letzte Entscheid über deren Leben und Tod allein der Mutter übertragen worden, sagte der Zürcher Kirchenrat. Und: «Ich stehe heute vor Ihnen, weil meine Mutter trotz Widerstände und trotz ‚sozialer Not‘ sich für ihr Kind entschieden hat. Hätte sie damals abgetrieben, wäre Ihnen diese persönliche Erklärung erspart geblieben.»

«Eltern geben Leben, Kinder nehmen Leben», sagte Reuter im Berner Rathaus, kurz nachdem er von den Abgeordneten der Mitgliedkirchen zum Vizepräsidenten der Versammlung für 2013-2014 gewählt worden war. «Wer zum Beginn des menschlichen Lebens eine unklare Haltung hat, braucht sich in der aktuellen Debatte über das Ende des Lebens nicht zu wundern, wenn er im gesellschaftlichen Kontext nicht mehr gehört wird.»

«Notlage»

Der SEK hatte in seiner Stellungnahme festgehalten, der Schwangerschaftsabbruch stehe im Widerspruch zum sechsten Gebot «Du sollst nicht töten». Doch mit dem Leben des Embryos stehe auch das Leben der Schwangeren auf dem Spiel; sie könne dem «sozialen Tod» ausgesetzt sein. Hier trage die Gesellschaft Verantwortung: «So lange wir unsere Gesellschaft so gestalten, dass Frauen ihre Lebenssituation aufgrund einer Schwangerschaft als Notlage empfinden, sind wir an der Not der Frauen sowie an der Abtreibung mitbeteiligt. Gerade weil Abtreibung Tötung werdenden Lebens ist, darf sie nicht in die Privatsphäre verbannt werden.»

Datum: 06.11.2012
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige