Die Kirche von morgen?

«Frischetheke» – ein Podcast über neue Gemeindeformen

Mit Kirche geht es abwärts und Glaube ist ein Auslaufmodell? Zum Glück nicht. Wer selbst sehen möchte, dass die christliche Szene mehr zu bieten hat als Verwaltungssitzungen oder Positionspapiere gegen Mitchristen, der findet im neuen Podcast «Frischetheke» jede Menge fresh expressions auf die Ohren.

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Katharina Haubold und Rolf Krüger
Katharina Haubold und Rolf Krüger engagieren sich schon eine Weile für Fresh X. Das christliche Netzwerk mit Wurzeln in Grossbritannien setzt sich dafür ein, dass Christen neue Wege finden, mit ihren Nachbarn ins Gespräch über den Glauben zu kommen. In der «Frischetheke» berichten die beiden über Aufbrüche, Bewegungen, Veränderungen – über Christen, die sich auf den Weg gemacht haben.

Made in Europe

Fresh X klingt zunächst einmal nach Amerika. Nach einem neuen Konzept aus dem Land von Donald Trump und Willow Creek. Tatsächlich ist Fresh X aber sehr europäisch. Die «Fresh Expressions of Church» sind neue Ausdrucksformen von Kirche, die sich bereits seit 20 Jahren von England ausbreiten. Unter dem Motto «Kirche. Erfrischend. Vielfältig.» entstehen so Gemeinden und Gemeinschaften für unsere sich verändernde Kultur, die primär mit Menschen gegründet werden, die noch keinen Bezug zu Kirche und Gemeinde haben. Deshalb gehen Menschen an Orte und in Kontexte, wo Leuten die Kirche fremd ist. Der «Frühling in der Kirche» geht von der anglikanischen und der methodistischen Kirche aus. Gemeinden betreten mutig Neuland, starten unkonventionelle Projekte und fragen neu nach ihrem Auftrag.

Raumschiff Ruhr

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Raumschiff Ruhr
Raumschiff Ruhr ist eine Gemeindearbeit in Essen. Seit 2016 bietet es in der Marktkirche Raum zum Leben, Raum für Schönheit und Gemeinschaft. Zwischen Schaufenstern und Kirchenfenstern, zwischen Küchentisch und Altar begegnen sich Menschen, die Kirche, Glaube und Beteiligung neu denken und gestalten wollen. Im ersten und aktuellen Podcast «Frischetheke» interviewen die Theologin Katharina Haubold und der Journalist Rolf Krüger die Frontfrau der Essener Gemeindearbeit, Hanna Jacobs. Die erzählt von sich selbst, ihrer Motivation und der Idee einer neuen Kirchenarbeit in der Ruhrmetropole Essen. «Ich denke Kirche inzwischen sehr offen», macht die Theologin dabei deutlich. Und macht klar, dass hier junge Leute Gott begegnen können. Zwischen 10 und 100 Leuten kommen in die Veranstaltungen und geniessen die Freiheit zu kommen und auch wieder gehen zu dürfen. So spricht sie bei ihren Besuchern von Nutzerinnen und Nutzern und nicht von Mitgliedern. Und sie lebt mit der Spannung aus Unverbindlichkeit und Freiheit. Der lohnenswerte Blick über den gemeindlichen Tellerrand ist hier in voller Länge von 50 Minuten zu hören.

Auf der Suche nach neuen Formen

Typisch für Fresh X und die Bertreiber des Podcasts ist es, dass natürlich keine «normalen» Gemeindearbeiten vorgestellt werden. Aber die «Frischetheke» schwelgt auch nicht in Wünschen, Träumen und Ideen, sondern schafft einen Raum der Begegnung mit Christen, die tatsächlich neue Wege gehen. So wie mit der Pfarrerin Hanna Jacobs in Essen oder der Yogalehrerin Sarah Dochhan in Leipzig oder dem Gnadauer Religionspädagogen Oliver Ahlfeld in Magdeburg. Haubold und Krüger kommen mit Christen wie ihnen ins Gespräch und haken nach: Was ist das Besondere an ihren Projekten? Warum erreichen sie Menschen, die andere nicht erreichen? Was ist das Frische an ihren Ansätzen? Gleichzeitig ist die «Frischetheke» ein unfertiges Format. Es werden keine Erfolgsmodelle vorgestellt, sondern Menschen auf dem Weg. Mit allen Einschränkungen und Unvollkommenheiten.

Ein Mottovers aus der Bibel begleitet die Fresh-X-Bewegung schon länger: «Das Wort wurde Fleisch und Blut und zog in die Nachbarschaft» (Johannes, Kapitel 1, Vers 14) nach «The Message»). Die Elberfelder Bibel betont bei ihrer Übersetzung das Vorläufige, indem sie in ihrer Erklärung ergänzt, dass das Wort «zeltete». Das ist ein Aspekt. Fresh X unterstreicht einen anderen Blickwinkel: die Nähe. Und die «Frischetheke» zeigt, was geschieht, wenn Christen diese Nähe riskieren und der Welt auf die Pelle rücken. Alle 14 Tage erscheint hierzu ein neuer Podcast – «nachhaltig, ehrlich, schonungslos gegart oder völlig roh. Auf jeden Fall aber immer lecker».

 

Zum Thema:
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Datum: 03.04.2019
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentare

Ich erschrecke immer mehr über das krasse Schwarz-Weiss denken bei den sogenannten "progressiven." Das Youtube-Video strotz nur so von negativer Polemik gegenüber traditionellen Gemeinden. Im Endergebnis transportiert es doch irgendwie die Haltung: Das, was die anderen machen, ist alles Schrott und das haben sie sich selbst zuzuschreiben. Wir machen die Dinge nicht nur anders, sondern auch besser und wir wissen es auch besser. Erinnert einen an die "gute, alte Moderne" wo die "Fundamentalisten" den "Liberalen" sich gegenseitig ihre Überlegenheit an den Kopf geworfen haben. Schade, dass man da noch nicht weiter ist.

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