Das dritte Geschlecht?

Wenn ein Amt zum Mythos wird

Es ist unbekannt, woher dieses Foto kommt. Vermutlich aus Westafrika. Es bringt zum Schmunzeln und dann zum Nachdenken. Gibt es tatsächlich Christen erster Klasse?

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Das Bild bringt zum Schmunzeln – und zum Nachdenken.
Eigentlich tut es ja gut. Da hat man jemanden in der Kirche, der wird dafür bezahlt, dass er uns jeden Sonntag eine (möglichst gut verdauliche) Portion Glaubenswissen vermittelt. Ein religiöser Spezialist, der Zeit hat, zu beten – bei uns Vielbeschäftigten liegt das ja kaum drin. Der bei kniffligen Fragen mehr versteht und generell ein Stück näher beim Herrgott ist. Der Pastor.

Die Geistlichen

Wenn «Kirche» gegoogelt oder gesucht wird, kommt in der Regel zuerst ein Gebäude und dann der Name des Pastors. Der Pastor steht für die ganze Gemeinde. Er wird auch der «Geistliche» genannt – irgendwie hat er mehr mit dem Geist zu tun als wir Normalsterblichen. Er hat schliesslich studiert, oder? Früher trug er einen weissen Kragen, heute läuft er (zumindest in Freikirchen) in Jeans und T-Shirt auf der Bühne rum.

Sind das besondere Leute, die Pastoren?

Nicht unbedingt nötig

Ein Pastor ist nichts Schlechtes. Es gibt auf der Welt Millionen von treuen und hingegebenen Männern (und immer häufiger auch Frauen), die ihren Gemeinden dienen, rund um die Uhr für ihre Gläubigen da sind, die Bibel toll erklären und vielen Menschen zum Glauben helfen.

Interessant ist aber: Damit eine Kirche funktioniert, ist «der Pastor» in der Einzahl nicht unbedingt nötig. Jedenfalls kommt er so in der Bibel nicht vor; die Trennung von «Klerus» und «Laien» und die Funktion des Pastors ist im Christentum über Jahrhunderte entstanden. «Einer ist euer Meister – alle anderen sind Brüder und Schwestern», hat Jesus gesagt.

Pastor heisst ja «Hirte», und diese Bezeichnung taucht im Neuen Testament, auf die Kirche bezogen, nur in der Mehrzahl auf. Es sollen also mehrere Personen in der Kirche da sein, die sich um die Gläubigen kümmern. Dass man Theo- und andere -logien studiert, die Bibel erklären kann und Zeit hat, Menschen seelsorgerlich zu helfen, ist eine gute Sache. Aber dass da EINER ist, der die Deutungshoheit der Bibel besitzt, alle Fäden in der Hand hat und als geistliche «eierlegende Wollmilchsau» verstanden (und bezahlt) wird, kann ein grosses Problem der Kirche sein.  

Menschen wie wir

Dass Pastoren keineswegs Superchristen, sondern Männer und Frauen wie andere sind, kommt leider oft erst in einer Krise zutage. Auch Pastoren kriegen Depressionen. Manchmal nehmen sie sich das Leben. Sie kämpfen mit dem Sex wie andere Leute auch. Sie leben nicht immer die perfekte Ehe, haben Hobbies und geniessen eine gute Flasche Wein. Nein, sie sind nicht Christen erster Klasse, auch wenn oft alles mögliche in sie hineinprojiziert wird. Ein guter Pastor lässt auch Menschen an seinem Leben, an seinen Freuden, Kämpfen und Krisen teilnehmen. Und er teilt Verantwortung, wo er kann.

Hilfe zum Selberglauben

Pastoren nüchtern zu betrachten, kann vor zwei Extremen bewahren. Auf der einen Seite könnte man denken, dass man ohne ein fünfjähriges Studium gar nicht richtig Christ sein könnte. «Der Pastor, ja, der kann das und der weiss Bescheid, aber wir normalen Leute?», denkt sicher mancher.

Das andere Extrem zeigt sich, wenn ein Pastor einen Fehler macht, eine Schwäche zugibt oder in eine Krise gerät. «Wenn nicht mal ein Pastor die Sache mit dem Glauben auf die Reihe kriegt, was kann ich dann ausrichten?»

Stellen Sie Ihren Pastor nicht aufs Podest. Sondern nehmen Sie ihn als Hilfe zum Selberglauben. Jesus rief ganz normale Handwerker und Beamte, Männer und Frauen aus dem Volk, in seine Nachfolge. Fixieren Sie sich nicht auf Ihren Pastor, sondern ein bisschen höher: auf Jesus Christus. Lesen Sie die Bibel in Ihrer Sprache. Dieses Buch ist etwas Wunderbares. Man kann sie nicht nur fünf Jahre, sondern ein ganzes Leben lang studieren und hat ihre Tiefe auch dann immer noch nicht erforscht. Gleichzeitig ist das «Epizentrum» der Bibel, ihre Kernbotschaft, so einfach, dass sie jeder Mensch auf der Welt verstehen und ihre verändernde Kraft erleben kann: Gott hat seinen Sohn am Kreuz sterben lassen, damit jeder Mann, jede Frau und jedes Kind wieder mit ihm in Ordnung kommen und ein erfülltes Leben leben kann.  

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Datum: 07.02.2019
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch

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