Wegen «Indoktrinierung»

Norwegen: Wollen Behörden christliche Kinder zur Adoption freigeben?

Norwegische Behörden haben im November einer christlichen Familie ihre fünf Kinder wegen «Indoktrinierung» weggenommen. Jetzt sollen sie zur Adoption freigegeben werden. Der Vorwurf: «Radikale christliche Erziehung» und körperliche Züchtigung. Norwegische Medien sehen die Geschichte anders. 

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Wurden die Kinder der Familie Bodnariu zur Adoption freigegeben?
Die Zeitung «Christian Post» berichtete mehrmals darüber: Die norwegische Kinderschutzbehörde Barnevernet habe am 16. November die beiden ältesten Kinder von Marius und Ruth Bodnariu aus der Schule in Obhut genommen, ohne dass die Eltern davon wussten. Daraufhin seien Mitarbeiter der Behörde, begleitet von Polizeibeamten, im Haus der Familie in Naustdal erschienen und hätten zwei weitere Kinder mitgenommen. Die Eltern wurden ebenfalls abgeführt, später aber wieder freigelassen. Am nächsten Tag nahm Barnevernet auch das jüngste Kind, ein Baby, das die Mutter noch stillte, von der Familie weg.

Die Begründung

Der Direktor der Schule der beiden ältesten Mädchen hatte gehört, wie sie christliche Lieder sangen. Über ihren Glauben befragt, gaben die Kinder an, Dinge vor ihren Eltern zu verstecken, weil sie befürchteten, an den Ohren gezogen oder geschlagen zu werden. Auch würden sie daheim gelehrt, «dass Gott Sünden bestrafe». Auf die besorgte Meldung des Direktors hin schritt dann die Kinderschutzbehörde Barnevernet ein unter dem Verdacht, die Kinder würden körperlich misshandelt. Die Kinder wurden in Pflegefamilien untergebracht.

Der Bruder von Marius, Pfarrer Daniel Bodnariu, gab in einem Interview mit der «Christian Post» an, sein Bruder und dessen Frau hätten ihre Kinder niemals misshandelt, höchstens «leicht körperlich bestraft», wenn die Kinder sich schlecht benommen hätten. Die Behörde habe auch keinerlei Anzeichen für körperliche Gewalt and den Kindern gefunden und verlasse sich einzig auf die Angaben der Kinder selbst. «Sie sagten, es sei der Glaube der Eltern, der christliche Glaube, und sie sagten, dass das ein Handicap bei den Kindern bewirke, wenn man ihnen sagt, dass Gott Sünden bestrafe, und ihrer Meinung nach sei das falsch», erklärte Bodnariu. «In der formellen Anklage erwähnten sie diesen religiösen Aspekt aber nicht, sondern klagten die Eltern der Gewalt gegen Kinder an, obwohl es dafür überhaupt keinen Beweis gibt.» Die Kinder seien ihren Eltern weggenommen worden, bevor das Umfeld untersucht und etwa Befragungen von Nachbarn oder Freunden stattgefunden hätten.

Adoptionsprozess eingeleitet

Obwohl die Behörde der Familie mitgeteilt hatte, dass diese Untersuchungen erst im Februar stattfinden sollten, seien sie jetzt informiert worden, dass «Barneveret» bereits den Prozess eingeleitet habe, die Kinder zur Adoption freizugeben. Pastor Cristian Ionescu, Vizepräsident der Rumänischen Pfingstvereinigung in den USA und Kanada, stellte fest, dass es illegal sei, den Adoptionsprozess bereits einzuleiten, bevor der Fall von einem Richter abgeschlossen worden sei. Der gegenwärtige Fall sei eine gute Gelegenheit, international auf den Machtmissbrauch dieser Behörde aufmerksam zu machen.

Weltweite Proteste

Die Bodnarius haben eine grosse Familie in Rumänien und in den USA, und das Netzwerk der rumänischen Pfingstgemeinden in den USA und in Europa ist sehr eng. Angehörige und Freunde der Familie haben eine Facebook-Aktion und eine Petition gestartet, in der die norwegische Regierung aufgefordert wird, den Eheleuten ihre Kinder zurückzugeben. Sie hat bereits mehr als 46'000 Unterstützer. Diese wollen vor norwegischen Botschaften in aller Welt friedlich dafür demonstrieren, dass die Familie Bodnariu wieder zusammengeführt wird. Kundgebungen sind nach Angaben der Nachrichtenagentur «idea» unter anderem in Grossbritannien, Deutschland, Polen, Belgien, Spanien, Tschechien und den USA geplant. So soll am 8. Januar eine Protestversammlung vor der norwegischen Botschaft in Washington D.C. stattfinden. Die Familie selbst hat angekündigt, notfalls bis vor das höchste Gericht zu ziehen, um die Kinder zurückzubekommen.

Norwegische Medien: «Norwegen ist nicht die Sowjetunion»

Nachfrage von Livenet in Norwegen ergab, dass im Lande selbst der Fall wesentlich differenzierter beurteilt wird. So schrieb Vebjørn Selbekk, Chefredaktor der christlichen Tageszeitung «Dagen» einen erklärenden Artikel «Norwegen ist nicht die Sowjetunion». US-Medien, allen voran «Christian Post», stellten Norwegen international als ein Land dar «mit so extremer Verfolgung von Christen, dass Kinder mit Gewalt von ihren christlichen Eltern weggenommen werden». Diese Geschichte sei ohne Einschränkungen und ohne eine  Gegenmeinung einzuholen veröffentlicht worden. Im Gegensatz zu den US-Medien habe «Dagen» sich seit Wochen intensiv mit dem Fall beschäftigt, und sie stellen fest, dass wesentliche Informationen, warum die Kinderschutzbehörde so gehandelt habe, in den entsprechenden Artikeln ausgelassen worden seien. Die sozialen Medien, in denen die Geschichte hochgekocht werde, unterlägen auch nicht journalistischen Fairness-Kriterien, wie sie für Zeitungen gälten. So würden norwegische Zeitungen aus Rücksicht auf die Kinder in solchen Fällen nie den Namen der Betroffenen nennen. 

Tarjej Gilje, Redaktor bei der gleichen Zeitung, ergänzt in einem persönlichen E-Mail: «Es ist sehr gut möglich, dass Barneveret (die Kinderschutzbehörde) sich in diesem Fall geirrt hat. Wir können das im Moment nicht beurteilen. Die Eltern haben sich geweigert, interviewt zu werden, und wir hatten keine Einsicht in die Akten. Aber allgemein gesagt, ist das Bild, das grosse christliche Medien in den USA zeichnen, falsch. Unsere Zeitung Dagen schreibt viel über die Verfolgung von Christen in aller Welt. Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass Barnevernet eine solche Rolle spielt. Im Gegenteil: ich kann persönlich mehrere christliche Familien aufzählen, denen Kinder in Obhut gegeben wurden - Kinder, die ohne Barnevernet wahrscheinlich nicht christlich aufgezogen worden wären.
Noch einmal: wir können nicht ausschliessen, dass diese Familie ungerecht behandelt worden ist. Aber wir können sagen, dass die internationale Berichterstattung von Gruppen durchgeführt worden ist, die nur wenig Ahnung haben, wie die norwegische Kinderschutzbehörde normalerweise arbeitet» 

Zum Thema:

Der Bericht in «The Christian Post» (engl.)

Die Reaktion des Chefredaktors von «Dagen» (engl.) 

Christen in Europa: Wissenschaftler warnen vor Diskriminierung 
Menschenrechte: Britische Christen klagen in Strassburg wegen Diskriminierung
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Datum: 05.01.2016
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Post

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