Erzhausen

Freikirchen wollen Europa ein Herz und eine Seele geben

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) will ihre Position in Europa stärken. Darüber diskutierten die Vertreter aus zwölf Mitglieds- und Gastmitgliedskirchen auf der Herbsttagung des VEF-Präsidiums in Erzhausen bei Darmstadt.

Unter anderem soll sichergestellt werden, dass freikirchliche Anliegen in den Gremien der Europäischen Union gehört werden. Der freikirchliche Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, der Baptistenpastor Dietmar Lütz (Berlin), wies in einem Vortrag darauf hin, dass die VEF-Kirchen in Europa Minderheitenkirchen seien, die unter dem Schutz der Religionsfreiheit stehen. Die religiöse Toleranz sei in jenen Ländern am grössten, die die Trennung von Kirche und Staat strikt umsetzen. In Ländern mit “religiös geprägten Regierungen” herrsche hingegen ein Klima religiöser Intoleranz vor. Angesichts der zunehmenden Säkularisierung, verbunden mit der Abwesenheit gemeinsamer Werte, könne es eine Aufgabe der Minderheitenkirchen sein, “Europa ein Herz und eine Seele zu geben”.

Als besondere Aufgabe der Freikirchen bezeichnete es Lütz, die “postkonfessionellen Gemeinden” zu einem neuen Miteinander zu ermutigen. Allein in Deutschland seien in den letzten zehn Jahren rund tausend Gemeinden entstanden, die keinen Kontakt zu anderen Kirchen unterhielten. Eine besondere Herausforderung sieht er für die Freikirchen auch in der Ethik. Das in den Freikirchen vorherrschende biblisch-evangelikale Muster trage “starke Züge von bürgerlicher Biederkeit”und sei deshalb nicht durchsetzungsfähig.

Vereinheitlicht die EU die Rechte der Kirchen?

In der Aussprache sagte der VEF-Präsident, der baptistische Diakoniedirektor Wolfgang Lorenz (Berlin), Aufgabe müsse es sein, das christliche Menschenbild auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen zur Sprache zu bringen und daraus einen Handlungskatalog abzuleiten. Der stellvertretende VEF-Präsident, der evangelisch-methodistische Bischof Walter Klaiber (Frankfurt am Main), wandte sich gegen einen rein säkular geprägten Staat. Dadurch werde die Position der Kirchen geschwächt. Während Lütz überzeugt ist, dass die Rechte der nationalen Kirchen im zusammenwachsenden Europa nicht angetastet werden, meinte der Präses des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden (BfP), Pastor Ingolf Ellssel (Tostedt), das Kirchenrecht werde europaweit vereinheitlich. Der Präsident der Europäischen Kommission, Romani Prodi, habe sich bei einer Begegnung mit Kirchenvertretern im Frühjahr entsprechend geäussert. Ellssel hatte als Vorsitzender der 3,6 Millionen Mitglieder zählenden Pfingstkirchlichen Europäischen Gemeinschaft (PEF) an dem Treffen teilgenommen.

Ellssel bezeichnete es als wichtige Aufgabe der Freikirchen in Europa, christliche Werte zu demonstrieren. Man könne beispielsweise nicht einfach hinnehmen, dass immer mehr europäische Hauptstädte von bekennenden Homosexuellen regiert würden und auf Demonstrationen - etwa dem Christopher Street Day - Hunderttausende die Homosexualität als normalen Lebensstil darstellten.

Die Pfingstler in Europa hätten als Reaktion die Vision einer europäischen Hauptstadtevangelisation entwickelt. Eine erste Veranstaltung soll im Anschluss an den Ökumenischen Kirchentag im Mai in Berlin stattfinden.

Webseite: www.vef.info

Datum: 09.12.2002
Quelle: idea Deutschland

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