Was hat der 11. September tatsächlich verändert?

Der Anschlag islamischer Terroristen auf das Welthandelszentrum in New York und das US-Verteidigungsministerium in Washington am 11. September 2001 war ein Einschnitt in der Weltgeschichte. Er überstieg alles, was bis dahin an Terror denkbar war. Nicht nur viele Christen sagten damals voraus, dass sich die Welt völlig verändern werde. So wurde ein Ende der “Spassgesellschaft” und eines “Wohlfühl-Christentums” ebenso vorausgesagt wie eine Veränderung der Kirchen. Zum Jahrestag des Anschlages fragte wir den EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Manfred Kock, den Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses Peter Strauch: Hat sich tatsächlich seit dem 11. 9. etwas geändert in Kirchen, Gemeinden und Verkündigung?

Manfred Kock: Die Offenheit für das Evangelium blieb aus

Das Vertrauen der Menschen in technische Errungenschaften und Sicherheitssysteme wurde zwar nachhaltig erschüttert (die Fluggesellschaften leiden noch heute darunter), aber die erhoffte Offenheit für das Evangelium blieb aus.
Der 11. September führte auch in den christlichen Reihen zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Islam und zur Ernstnahme der Gefahren, die von Teilen der islamischen Welt ausgehen.
Es gibt ein verstärktes Bewusstsein für das Böse, das sich nicht in klaren Strukturen und eindeutigen Frontlinien zeigt und gerade darin eine Bedrohung ist.

Peter Strauch: Wir sind Weltmeister im Vergessen

Der Terrorakt von Manhatten und Washington ist schnell zu einem historischen Datum geschrumpft, so wie das Erdbeben von Lissabon oder der Untergang der Titanic. Jeder weiss davon und erinnert sich an schreckliche Bilder. Eine Veränderung jedoch hat es nicht gebracht, nur eine Bestätigung, eine doppelte sogar. Einmal, dass noch so grosse Katastrophen den Menschen wohl treffen, ihn aber selten verändern können. Nach der ersten Sintflut blieben keine rein gewaschenen sündlosen Menschen übrig, sondern selbstverliebte, grössenwahnsinnige Turmbauer. Auch Krieg, Terror oder Krankheitsfluten erzielten kaum menschenverändernde Wirkungen. Der alte Mensch bleibt der alte Weltmeister im Vergessen und Verdrängen. Zum anderen bestätigte der 11. September die Wahrheit der Endzeitrede Jesu (Markus 13). Krieg Erdbeben, Hungersnöte, eben auch Terroranschläge und Überschwemmungen, sind “erst der Anfang der Wehen”. Keine Angst, es kommt noch schlimmer. Wohl dem, der die Gewissheit Luthers hat: Bei einem Elbhochwasser wagte der Fährmann keine Überfahrt. Luther aber sprang ins Boot und rief: Dominus sumus – Wir sind des Herrn.

Datum: 11.09.2002
Quelle: idea Deutschland

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