Ein Hotelier aus Wengen

«Krisen sind eine Chance»

Zoom
Daniel Eisenegger und seine Frau Susanne (Bild: zVg)
Die Coronakrise hat die Hotelbranche hart getroffen. Daniel Eisenegger vom Hotel Edelweiss in Wengen ist selbst stark betroffen – und blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft. Denn er weiss: Gott hat immer einen Plan.

«Wir erschraken schon etwas, wie abrupt die Wintersaison abgebrochen wurde», blickt der Hotelier Daniel Eisenegger aufs letzte Frühjahr zurück. Natürlich waren die Nachrichten voll vom neuartigen Coronavirus, welches den Weg von China über Norditalien bis in die Schweiz gefunden hatte. Die Konsequenzen waren damals nicht absehbar. Was würde dies für das Hotel Edelweiss in Wengen konkret bedeuten?

Aus früheren Krisen gelernt

Wie für die meisten Unternehmer, war die aufkommende Pandemie für Daniel und seine Frau Susanne ziemlich bedrohend. Bald erkannten die beiden aber den Wert ihrer Erfahrung mit früheren Krisen. Als die Wirtschaftskrise 2008 hereinbrach, standen die beiden in leitender Funktion eines grossen Werks in England. «Das war eine schwierige Zeit», blickt Daniel zurück. «In der Folge begannen wir vertieft nach biblischen Prinzipien für ein Unternehmen zu forschen.» Eines nahmen sie sich vor: «Wir wollten uns persönlich nie in einem solchen Ausmass verschulden und uns damit von einer Bank abhängig machen.»

Wenn Gott ein Hotel anvertraut…

2009 waren Eiseneggers zum ersten Mal im Hotel Edelweiss. «Wir hätten die Hotelleitung gerne übernommen», erzählt Daniel. «Doch dann spürten wir, dass Gott uns noch in England haben wollte.» Dort blieben sie dann auch und brachten ihr Engagement zu Ende.

«Als wir 2012 in die Schweiz zurückkehrten, war das Hotel längst verkauft. Trotzdem spürten wir, dass wir da hingehören und riefen die neuen Eigentümer an.» Und sie waren überrascht von Gottes Plan. «Der Besitzer hatte das Hotel auf Gottes Weisung hin gekauft. Gott hatte ihm gesagt, die künftigen Mitarbeiter würden auf ihn zukommen.» Er sagte dann zu Daniel: «Ich habe euren Anruf erwartet.»

Wie Eiseneggers 2015 Besitzer des Hotels wurden, ist eine weitere Geschichte. Ohne beachtliches Vermögen kauften sie das Hotel ohne die Unterstützung einer Bank. Zahlreiche Darlehen wurden überraschend angeboten. «Wir erhielten Darlehen von Menschen, deren Namen wir nie zuvor gehört hatten.» Gott hatte es ihnen einfach aufs Herz gelegt.

Ein Hotel von und für Gott

Eigentlich war der verfrühte Abbruch der Wintersaison 2019/2020 keine grosse Tragödie. «Wir hatten bis dahin einen sehr guten Winter gehabt und bereits 90 Prozent des üblichen Umsatzes erwirtschaftet.» Trotzdem bestimmte der wirtschaftliche Überlebenskampf Eiseneggers Denken. Obwohl sie das Ganze 2009 bereits einmal durchgelebt und dabei viel gelernt hatten, fielen sie teilweise in alte Verhaltensmuster zurück. «Oft handelten wir nicht im Glauben, sondern liessen uns von den Finanzen leiten.» Es brauchte Zeit, bis sie ihren Fokus vermehrt auf Gott richten konnten.

Im Mai und Juni brach der Umsatz um 95 Prozent ein. «Um den Schaden in Grenzen zu halten, setzten wir unser Personal auf Kurzarbeit.» Susanne und Daniel arbeiteten oft alleine und sehr hart. «Durch die alltäglichen Sorgen und Nöte lastete der Fokus zu stark auf den Finanzen, anstelle von Beziehungen und Teamgeist.» In der Folge setzten sie die Prioritäten richtig und investierten wieder vertieft in ihr Team.

Finanzielle Herausforderung aber gute Kontakte

Dann wurde von einer zweiten Welle gesprochen. Würde die Wintersaison überhaupt durchgeführt werden können? «Immer wenn ein weiteres Land Quarantänebestimmungen gegenüber der Schweiz erliess, wurden Buchungen storniert.»

Von den positiven Berichten, Schweizer würden ihre Ferien in der Schweiz verbringen, spürte das autofreie Wengen weniger als andere Destinationen. Der Tagestourismus lief zwar sehr gut – dies hatte aber wenig Einfluss auf die Übernachtungen. Am meisten litten jedoch die Hotels in den Städten wir Zürich, Genf oder Basel.

«Finanziell gesehen läuft das Jahr nicht gut», berichtet Daniel, der fürs Jahr 2020 mit einer Umsatzeinbusse von 50 Prozent rechnet. «Und nächstes Jahr könnte es ähnlich aussehen.» Trotzdem freut er sich über Möglichkeiten, die Gott ihnen schenkt: «Wir haben viel mehr Zeit für den einzelnen Gast, wodurch sich viele gute Gespräche ergeben.» Viele Gäste sind an Eiseneggers Geschichte mit dem Hotel Edelweiss und ihrer Einstellung zu Finanzen interessiert. «Da erzählen wir natürlich gerne und sind dann auch schnell bei unserem Glauben angekommen.» Die Menschen sind offen und haben viele Fragen.

Gott schickt die richtigen Menschen vorbei

Das Hotel Edelweiss ist nicht so belebt wie üblich. «Es geht aber darum, den Menschen zu dienen, die Gott uns vorbeischickt.» Menschen fliehen aus dem Homeoffice in das schöne Bergdorf, andere brauchen einfach ein paar Tage Erholung und geniessen die familiäre Atmosphäre und die traumhafte Aussicht. Trotz schlechter wirtschaftlicher Prognose ist Daniel zuversichtlich: «Wir blicken vorwärts und wollen uns von Gottes Kreativität inspirieren lassen. Er hilft uns, das Hotel wieder neu aufzurichten. Wir beten, dass wir sämtliche Darlehen abbauen können – sogar trotz Corona.»

Aus Krisen lernen

«Krisen sind Chancen», hält Daniel fest. «Sie helfen uns, die Tiefe unseres Glaubens zu erkennen und bereiten uns auf zukünftige Krisen vor.» Corona ist nicht die letzte Krise, dessen ist Daniel überzeugt. «Die Bibel spricht von Wehen, von denen noch manche kommen werden.» Seine Herausforderung während Corona war, bei Gott zur Ruhe zu kommen und bei ihm Weisheit zu suchen. Je mehr dies gelingt, desto mehr erkennt er das Gute, das Gott gerade in dieser Zeit für sie bereit hält.

Zur Webseite:
Hotel Edelweiss
Verband Christlicher Hotels

Zum Thema:
Gottvertrauen als Hotelier: «Und wenn alle Stricke reissen sollten …»
Viel Spielraum für Ideen: Neue Geschäftsführerin für den Verband Christlicher Hotels
Philip Bühler: VCH-Präsident: «Die Lage ist prekär!»

Datum: 16.12.2020
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige