„Ethik ist heute nicht mehr ein Kostenfaktor“

Er sei überzeugt, dass sich ethisches Verhalten "mehr und mehr" auszahle, sagt Ethiker Hans Ruh. Die Kundschaft wolle immer stärker, dass Waren, die sie kaufe, in einem "ethisch korrekten Umfeld" entstünden, und Anleger legten Wert auf "ethische Geldanlagen". Der Marktwert der Moral steige: "Ethik ist nicht mehr ein Kostenfaktor, sondern ein Gewinnfaktor".

Es gebe heute vor dem Hintergrund zu hoher Managerlöhne oder dem Versagen von Firmen einen öffentlichen Druck, der ethisches Verhalten fordere, erklärte Hans Ruh weiter. Die Ausweitung des so genannt fairen Handels zeige, dass so etwas Zukunft habe: "Es gibt einen Moralisierungsdruck und ein gewisses Protestpotenzial innerhalb der Gesellschaft", erläuterte Ruh. - Hans Ruh war bis zu seiner Emeritierung vor fünf Jahren Professor für Systematische Theologe mit Schwerpunkt Sozialethik an der Universität Zürich und Leiter des dortigen Instituts für Sozialethik.

Aktionäre sollen aufwachen

Ruh forderte im Interview die Aktionäre auf, "ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen, anstatt sich an die Generalversammlungen nur die Lachsbrötchen reinzuschieben". Der Aktionär meine immer noch, als Geldgeber zur Klasse der Gewinner einer Firma zu gehören, während er doch in Wahrheit "längst zum ausgebeuteten Proletariat" gehöre und dagegen aufbegehren solle. Ruh: "Wer stiehlt den Unternehmen das Geld? Die Manager, nicht die Aktionäre. Die Investoren sollten stärker bei der Strategie mitdiskutieren bis hin zu den Löhnen der Topmanager, wie das in England der Fall ist."

Und mancher Chefetage und manchem Aufsichtsrat würde es tatsächlich gut tun, wenn Gott dort einen Sitz hätte.

Quellen: Kipa/Livenet

Datum: 14.11.2003

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