Die Faszination des Mammons

Was soll am \"lieben Geld\" denn so böse sein?

Den Traum haben alle: Im Lotto ein paar Millionen gewinnen! Und sich dann alle Wünsche erfüllen können. Einfach wunschlos glücklich sein. Doch oftmals zeigt das "liebe Geld" auch seine bösen Seiten.

Wenn die lateinischen Philosophen über Geld redeten, dann ging das meist nicht ohne Kritik ab: "Kein ärgerer Brauch erwuchs den Menschen als das Geld!" Denn das vor allem in Silber geprägte Zahlungsmittel galt vielen von ihnen als Verderben der Welt, als Zerstörer von Tugenden und Pest der menschlichen Gesellschaft. Scharf formulierte deshalb Ovid: "In mare maximum, summi materiam mali" - ins tiefste Meer, die Ursache allen Übels.

Mittel zum Zweck

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Heute verstehen wir Geld eher positiv. Es ist für uns etwas Nützliches: ein brauchbares Mittel, um erbrachte Arbeitsleistung zu entlöhnen und Tauschgeschäfte zu tätigen. Geld ermöglicht private und gesellschaftliche Investitionen, fördert das Wirtschaftswachstum und stützt als Versicherungskapital unser soziales Netz. Richtig verwendet, dient es dem Lebensunterhalt und macht uns in unserer Lebensgestaltung von anderen Menschen, Behörden und Institutionen unabhängig. Einkommenssicherung und eine stabile Geldwirtschaft sind deshalb wichtige Eckpfeiler jedes staatlichen Handelns.

Lebensqualität erhalten

Die Bibel wertet Geld nicht einfach negativ, sondern beschreibt Reichtum an vielen Stellen als Segen und soziale Wohltat Gottes. "Geld beschirmt", lesen wir zum Beispiel im Buch der Prediger. Und der Apostel Paulus schreibt: "Gott reicht alles dar zum Geniessen". Alle Aussagen finden dabei ihre tiefste Begründung in der Überzeugung, dass es Gott ist, dem alles gehört. Was er uns schenkt, ist dazu da, Leben zu ermöglichen und Lebensqualität zu erhalten. Volle Lohntüten müssen darum nicht versteckt, Vermögen nicht als peinlicher Makel "klein geredet" werden.

Geld und seine Schattenseiten

Doch Geld ist hilfreich und gefährlich zugleich. Geld fördert nicht nur das Wohlergehen, es hat auch eine dunkle Seite, die sich mit Habsucht, Macht, Korruption, Unterdrückung und Ausbeutung verbindet. Wo immer es zirkuliert, sind Gut und Böse, Nutzen und Schaden, Lebensförderndes und Lebenszerstörendes miteinander unterwegs. Deutlich wird das besonders an dem erschreckenden Ungleichgewicht zwischen denen, die reich und superreich sind, und denen, die in bedrückender Armut leben müssen.

Der richtige Umgang mit Überfluss

"Euer Überfluss diene ihrem Mangel": So lautet denn auch eine neutestamentliche Aufforderung an alle Menschen. Unser Besitz ist also nicht einfach nur Gabe, sondern vor allem Aufgabe! In entschiedener Unabhängigkeit vom Reichtum sollen wir Geld und Vermögenswerte dazu gebrauchen, das Verhältnis zu Gott zu vertiefen, Gutes zu tun und der Liebe zum Nächsten Ausdruck zu verleihen. Wer Gott nicht als Eigentümer aller Gaben achtet, wer sein Leben an den Reichtum bindet und mit seinem Besitz macht, was er will, dem zeigt die Bibel durchwegs die "rote Karte". Gerügt wird besonders das egoistische Horten von Geld und Besitz, die fortgesetzte persönliche Bereicherung ohne Rücksicht auf soziale und auch auf ökologische Folgen.

Sakraler Hintergrund

Das früheste Geld war Opfergeld. Es wurde aus den Äxten und Spiessen geschnitten, mit denen Opfertiere getötet wurden. Das deutsche Wort "Geld" kommt vom gotischen "gild" (gültig, gelten) und bedeutete früher eine kultische Abgabe an die Götter. In dem Verlangen, vor den Göttern etwas zu gelten, beginnt die Geschichte des Geldes. Später garantierte die auf einer Münze abgebildete Gottheit oder der Sakralherrscher auch Vertrauenswürdigkeit und Wertbeständigkeit des Geldes. Es erhielt damit zusätzlich die Bedeutung von Sicherheit und Macht: Wer finanziell "flüssig" und einflussreich war, der konnte seine Bedürfnisse und Begierden beinahe überall hinfliessen lassen. "Geld regiert die Welt" behauptete darum schon der griechische Philosoph Demokritos.

Gefährliche Macht

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Tatsächlich bedeutet Geld für viele Menschen die "Freiheit" zu tun und lassen, was immer sie möchten. Geld bietet Sicherheit gegenüber den Risiken des Lebens, hebt den sozialen Status und ist Schlüssel zur Macht. Im Vordergrund steht die Verfügungsgewalt des Vermögens, seine Leistungskraft bei der Um- und Durchsetzung persönlicher Ziele. Überall ist die normierende Macht des Geldes gegenwärtig. Millionen hoffen auf den "big-deal", vernachlässigen Beziehungen zugunsten von Einkommen und Karriere, setzen auf Börsenfonds oder Lottoscheine. Schier unvorstellbare 1,5 Billionen US-Dollar umfasst der Devisenstrom, der tagtäglich die Erde umkreist. Immer stärker werden Wirtschaft und Politik von den Bewegungen der internationalen Finanzmärkte dominiert, lassen globale Verflechtungen kaum einen Freiraum, in dem das Geld nicht eine allbeherrschende Rolle spielt.

Masslose Wünsche

Als Menschen stehen wir dauernd in Gefahr, uns von Geld und Besitz bestimmen zu lassen. Denn Geld fasziniert. Kaum etwas anderes setzt uns so konsequent in Bewegung, wie die Aussicht auf Einkommenssteigerung und auf Gewinn. Schnell kann Reichtum dabei zum leidenschaftlichen Trieb, zur Habsucht werden. Unerhört eindeutig definierte Jesus das Geld deshalb als einen immer wieder gegen Gott rivalisierenden Götzen. Er rief schon seine Jünger dazu auf: "Lasst los, gebt ab und gebt weg!". Denn: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Entweder geht es euch um die Sache Gottes, oder ums Geld!".

Falsche Sicherheit

Jesus macht Geld nicht madig. Aber er will, dass wir unser Leben nicht an Einkommen, Besitz und Vermögen orientieren, an dem, was wir haben oder uns leisten möchten. Was Jesus uns spirituell zu geben vermag, kann weitaus faszinierender sein! Nicht finanzielle Steuerungsmacht und Einfluss sollen über die Verwendung unseres Geldes entscheiden, sondern die Bereitschaft zur Nächstenliebe. Nicht unsere Sparkonten, Lebensversicherungen, Aktiendepots oder Rentenpolicen sollen uns beruhigt in die Zukunft schauen lassen, sondern das Vertrauen darauf, dass Gott unser Leben in den Händen hält. Denn was wir haben, haben wir von Gott.

Überarbeitet durch Jesus.ch, Antoinette Lüchinger

Datum: 02.12.2002
Autor: Günther Kress
Quelle: Chrischona Magazin

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