Unternehmer beklagt Missachtung der Zehn Gebote

Haiger. Einer der erfolgreichsten evangelischen Unternehmer in Deutschland, Friedhelm Loh, sieht einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Missachtung der Zehn Gebote und der um sich greifenden Korruption in Deutschland.

Die Gebote Gottes als “Regeln für ein werteorientiertes erfülltes Leben” seien den meisten Menschen nicht mehr bekannt und würden von den Kirchen immer weniger vermittelt. Es sei daher kein Wunder, dass die Ehrlichkeit abnehme. “Der zunehmende Egoismus, aber auch der hohe Wettbewerbsdruck verführen zu Korruption“.

Seine Firmengruppe beschäftigt fast 10.000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro. Der Unternehmer ist Mitglied einer Freien evangelischen Gemeinde und gehört zum Vorstand mehrerer evangelikaler Werke.

Bestechung verboten

Deutschland ist auf dem Korruptions-Index 2002 der Organisation “Transparenz International” auf den 18. Platz zurückgefallen und schneidet nicht viel besser ab als Botswana im südlichen Afrika. Deutlich weniger Bestechung herrschen etwa in Finnland (Platz 1), Dänemark (2), den Niederlanden (7), Grossbritannien (10) und der Schweiz (12). Wie Loh weiter sagte, sei Bestechung in seinen Firmen verboten: “Ich bemühe mich, die Unternehmen nach christlichen Werten zu führen, wissend, dass dies eine grosse Herausforderung ist.”

Nur Wohlergehen oder auch Verantwortung?

Nach Lohs Worten ist die Einhaltung der Zehn Gebote “kein Garantieschein für unternehmerischen Erfolg, Karriere oder ein irdisches Leben in Wohlstand und Gesundheit”. Christliche Unternehmer hätten es aber etwas leichter als andere, “da sie wissen, dass sie in Gottes Hand geborgen sind – egal, ob sie Erfolg haben oder nicht”. Andererseits hätten sie es auch schwerer, “weil sie wissen, dass Gott und Menschen an sie hohe Ansprüche stellen”. Nach Einschätzung des Unternehmers arbeiten nur “wenige gläubige Christen in wichtigen unternehmerischen Positionen”. Loh: “Aus meiner Sicht steht oft das persönliche Wohlergehen vor der Übernahme von Verantwortung für andere und die Bereitschaft zum Risiko. Zu wünschen sei eine neue Aufbruchstimmung. Es mache Mut, “dass es in der jungen Generation wieder eine Vielzahl interessierter und engagierter Leute gibt, die nach Gott fragen, ihr Leben in die Hand nehmen und aktiv gestalten”.

Mehr Leistung und Deregulierung

Loh nahm auch zur allgemeinen Wirtschaftskrise Stellung. Nach seiner Meinung führt “der Weg aus dem Tal der Tränen über mehr Leistung, das heisst attraktivere und wettbewerbsfähige Produkte und massive Deregulierungsmassnahmen durch Politik und die Tarifpartner”. Die Aussichten dafür stünden schlecht. Trotz allem bleibe er aber Optimist, so Loh. Um aus der Krise herauszukommen, seien mehr Engagement bei Mitarbeitern und Management sowie ein höheres unternehmerisches Risiko notwendig. Den Bürgern müsse angesichts des weltweiten Wettbewerbs klar sein, dass man den Wohlstand nicht halten könne “ohne eine positive Einstellung zur Arbeit, ohne die besseren Konzepte und Ideen und ohne eine wirtschaftsfreundlichere Politik im Sinne sicherer Arbeitsplätze”.

Fehlende Perspektiven

Kritik übte Loh an den Koalitionsvereinbarungen und der Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Deren Inhalte eröffneten “keinerlei Perspektiven für eine attraktive Zukunft”. Entsprechend gross sei die Enttäuschung der Bürger und entsprechend schlecht die Stimmung in der Wirtschaft. Die rot-grüne Politik orientiere sich überwiegend an der Struktur der Grossunternehmen und der Gesellschaftsform der Kapitalgesellschaften. Hinzu komme eine Überbürokratisierung, die den Mittelstand überfordere. Dieser schaffe aber die meisten Arbeits- und Ausbildungsplätze. Von einer Regierung aus Union und FDP hätte Loh mehr unternehmerische Freiheiten erwartet, etwa eine Deregulierung der Gesetze und Verordnungen sowie eine aktive Förderung des Mittelstands.

Datum: 23.11.2002
Quelle: idea Deutschland

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