Jesus hatte ein Herz für Unternehmer

Christlicher Glaube und Unternehmertum. Jesus Christus und Adam Smith. Das passt schlecht zusammen, denkt viele. Schliesslich kann ein Geschäftsführer kein barmherziger Samariter sein. Und jagte nicht Jesus selbst die Händler aus dem Tempel?

Ja, alles richtig. Aber andererseits lehren die Wirtschaftsgeschichte und die Religionssoziologie, dass das Christentum, vor allem der Protestantismus, eine entscheidende Voraussetzung für die Ausbildung des Wirtschaftssystems in Europa war. Unternehmerischer Erfolg galt als göttlicher Gnadenbeweis.

Erst im Zuge der allgemeinen Säkularisierung, der Entchristlichung der Gesellschaft, verloren auch in den Führungsetagen der deutschen Unternehmen christliche Grundsätze an Bedeutung.

Diesem Trend entgegen zu wirken hat sich Horst Lenord, 63, zum Ziel gesetzt. Der Oberhausener Senior-Unternehmer und Gründer der Automatisierungsfirma „Lenord + Bauer“ ist Vorsitzender des Regionalkreises Rhein-Ruhr-Sieg im “International Council of Christians in Commerce” (ICCC). Diese 1985 in Schweden gegründete internationale Vereinigung will der Verbreitung christlicher Werte im Geschäftsleben dienen. Das hat zunächst wenig mit theologischen Thesen zu tun, sondern heisst konkret vor allem: Geschäftlicher Erfolg darf nicht zu Lasten anderer gehen. Die Umsetzung des christlichen Gebots der Nächstenliebe in der geschäftlichen Praxis. „Die Achtung des Menschen, der uns als Mitarbeiter, Partner im Geschäftsleben oder der Öffentlichkeit begegnet, hat Priorität“, heisst es in den Grundsätzen von Lenord + Bauer.

In diesen christlich-moralischen Grundsätzen sieht Lenord keinen Nachteil für den Geschäftsmann: „Die Versuchung ist zwar manchmal gross, aber Korruption und Bestechung bringen nur kurzfristigen Erfolg. Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit bringen langfristigen Erfolg.“ Ein Beispiel: Lenord + Bauer werden seit acht Jahren vom Finanzamt nicht mehr geprüft, weil es nie etwas zu beanstanden hatte. „Das ist ein Geschenk und ein wirtschaftlicher Erfolg“, sagt Lenord, „denn die Prüfungen kosten ein Unternehmen viel Zeit.“

Es scheint sich allmählich in der Unternehmerschaft herumzusprechen, dass eine Firma ganz ohne moralische Grundsätze auf lange Sicht schlecht fährt. Ein Vorbild ist für Lenord der Präsident des Deutschen Industrie- und Handeltages, Ludwig Georg Braun, der seinen Mitarbeitern jeden Morgen Bibelworte per E-Mail schickt.

Bleibt der Zweifel, ob Jesus selbst nicht vielleicht doch ein Unternehmer-Feind war. Die Ur-Gemeinde (lateinisch Communis) wird von manchen sogar als Vorbild einer kommunistischen Gesellschaft betrachtet. Keineswegs, meint Lenord: „Jesus hat Geschäftsleute als erste berufen, Petrus, Johannes und Jakobus waren selbstständige Fischer, Paulus war ein Zeltmacher. Jesus hatte ein Herz für Unternehmer.“

Datum: 20.04.2002
Autor: Ferdinand Knauss

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