Wenn der Ehepartner stirbt

«... und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen»

Myriam Niederhauser musste von ihrem Ehemann nach dessen zehnmonatiger Krankheit Abschied nehmen. So schmerzhaft dies war, kann sie bezeugen: Gott war immer da!

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Myriam Niederhauser (Bild: zVg)
Es war eine schöne und erfüllte Ehe. Myriam (*1961) und Markus (*1957) heirateten im Mai 1983, hatten drei Söhne und führten zusammen einen Bauernbetrieb. Die täglichen gemeinsamen Andachten waren eine Selbstverständlichkeit. Die vielen Zeiten als Familie schufen eine starke Verbundenheit. Das und vieles mehr gehört zu den schönen Erinnerungen für Myriam. Aber eben: Es sind nur noch Erinnerungen.

Diagnose: Lymphom

Gegen Ende 2013 wurde bei Markus ein Lymphom festgestellt. Es sollten zehn herausfordernde, gleichzeitig aber auch schöne Monate folgen. «In allem wusste ich immer, dass Gott bei uns ist», hält Myriam fest. Es brauchte fünfmal eine Woche Chemotherapie mit jeweils zwei Wochen Pause und insgesamt 50 Bestrahlungen mit wiederholten Krankenhausaufenthalten.

Die Ärzte betonten immer wieder: «Es ist aussergewöhnlich, wie es ihm geht. Sie können sich gar nicht vorstellen, welch schwerwiegende Nebenwirkungen bei dieser Therapie auftreten können.» Auch sein Appetit und die Kraft, weiter auf dem Hof zu arbeiten, seien für Menschen in ähnlicher Situation untypisch. Myriam: «Als Markus nach einer Woche Chemotherapie jeweils noch das Brass Ensemble dirigierte, wussten wir: Das kann nur Gott machen.» Markus war immer zuversichtlich. Während seiner Krankheit klagte er nie und ermutigte sogar andere. «Er blieb stets ein Motivator und gab sich nie auf.»

«Was ist euer Geheimnis?»

Im Krankenhaus wurde Myriam von jemandem angesprochen: «Jetzt müsst ihr mir euer Geheimnis verraten. Die ganze Etage spricht schon von euch.» Markus würde als Aufsteller schlechthin bezeichnet, doch alle scheuten sich, ihn direkt nach dem Grund für seine Zufriedenheit zu fragen. So durften sie erzählen, woher sie ihre Kraft schöpfen.

«Tatsächlich gab es viel Schönes in jenen Wochen», erinnert sich Myriam. Und tatsächlich glaubte so gut wie jeder, dass Markus den Krebs besiegen würde. Auch sie selbst war fest davon überzeugt, dass Gott alles gut machen würde.

Vorahnung oder Vorbereitung?

Wiederholtes nächtliches Fieber liess aufhorchen. Das war kein gutes Zeichen. Da beschlich Myriam das sonderbare Gefühl, die Sache könnte sich nicht so entwickeln, wie sie hoffte. Am selben Abend meldete sich ein Feriengast zur Übernachtung auf dem Hof an. Als er erfuhr, dass ihr Mann krank sei und am Sonntagmorgen nochmals im Gottesdienst ihrer Freikirche glaubensfroh um Heilung gebetet würde, sagte er einfach: «Lesen Sie mal Offenbarung 21!» – ein Kapitel, welches die Schönheit von Gottes neuer Welt beschreibt. «Innerlich war ich hin- und hergerissen. Während ich weiter für die Heilung meines Mannes glauben wollte, beschlich mich das Gefühl, er würde diese Welt bald verlassen.»

Am selben Sonntag machte das Ehepaar, wie so oft, einen Spaziergang. «Es war wunderschön. Wir bestaunten die Natur, mein Mann äusserte mehrmals, wie schön es sei. Plötzlich musste ich weinen, Markus wischte mir meine Tränen ab. Es war eine himmlische Atmosphäre! Ganz tief in meinem Herzen wusste ich, dass dies unser letzter gemeinsamer Spaziergang sein würde.»

Komplikationen

Am nächsten Tag musste Markus mit Fieber ins Spital eingeliefert werden. Untersuchungen zeigten, dass das Lymphom plötzlich angewachsen war. Myriam besuchte ihren Mann täglich im Spital. Es schien aufwärtszugehen, doch sie traute den Aussagen der Ärzte nicht wirklich. Das Gefühl bestätigte sich: «Es gab Probleme», sagte man ihr am Telefon. «Ihr Mann ist auf der Intensivstation und die Ärzte kämpfen um sein Leben.» Mit ihren Söhnen eilte Myriam ins Krankenhaus, wo sie betend in den Fluren warteten. Endlich durften sie zu ihm gehen. «Hoffnung keimte auf, ein Wechselbad der Gefühle.» Als Markus am selben Tag die Augen öffnete und wieder ansprechbar war, sagte ein Arzt: «Es stand wirklich fünf nach zwölf. Keiner von uns glaubte, dass er überleben würde.»

Die geschenkte Zeit zum Abschied

Doch dann ging es wieder schlechter und die Ärzte kündigten an, dass Markus sterben würde. Diese Nachricht brachte einen grossen seelischen und körperlichen Schmerz hervor. «Dann beteten wir alle zusammen und dankten Gott für die schönen gemeinsamen Jahre. Es war ein heiliger Moment, als wir uns von meinem geliebten Ehemann verabschiedeten.»

Unbedingt wollte Myriam ihren Mann bis zum letzten Atemzug begleiten. So verstarb Markus im Kreise seiner Familie – mit Gott und Menschen versöhnt. «Während wir das Lied 'vers Jésus lève les yeux' (Heb deine Augen auf zu Jesus und betrachte sein wunderbares Angesicht) sangen, ging er von uns.» Markus Niederhauser war in die Herrlichkeit Gottes übergegangen, eine Herrlichkeit, die sich im Raum widerspiegelte.

«Gott war immer bei mir!»

Der Abschied war hart und die Trauer um ihren Ehemann traf Myriam mit aller Wucht. Gleichzeitig berichtet sie: «Inmitten von Trauer und Schmerz erlebte ich eine Freude, die menschlich gesehen nicht erklärbar ist.» Es muss die Atmosphäre des Himmels gewesen sein, die Myriam durch diese schwierige Zeit begleitete. «Nie hätte ich sagen können, dass Gott nicht bei mir wäre. Er war immer da!»

Gott trug Myriam durch diese Zeit. Sie las viel in Gottes Wort und erhielt dadurch Kraft und Trost. Gerade die Worte aus Offenbarung Kapitel 21, Verse 4 und 5a wurden für Myriam bedeutungsvoll. «Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron sass, sprach: Siehe, ich mache alles neu!»

Ihr über alles geliebter Ehemann war am Ziel angekommen. «Er hatte den Kampf um die Krankheit verloren, den Kampf seines Lebens aber gewonnen.» Markus war in Gottes Herrlichkeit übergegangen. Und Myriam durfte einen Hauch dieser Herrlichkeit bereits hier, in unserer irdischen Welt erfahren!

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Datum: 17.11.2020
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Jesus.ch

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