Resilienzkurs Casa Immanuel

Monika Graf: «Es geht darum, aus der Tiefe anders zu handeln!»

Gesundheitliche Probleme, ein scheinbar unüberwindbares Hindernis, eine überraschende Kündigung. Wir alle kennen solche Krisen und Rückschläge. Was es in solchen Stürmen des Lebens dringend braucht, ist Resilienz. Die Casa Immanuel bietet Kurse an, in denen die tiefen Prägungen und Motive beleuchtet werden mit dem Ziel, unserer ureigenen Identität näher zu kommen und verwurzelt in Christus mutig und widerstandsfähig zu sein.

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Monika Graf
Livenet: Monika Graf, wofür steht die Stiftung Casa Immanuel?
Monika Graf: Die Angebote der Casa Immanuel sind für Menschen gedacht, die sich mit ihrer Identität neu auseinandersetzen wollen. Das bedeutet, dass sie sich ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stellen. In persönlichen Gesprächen schafft die Casa Immanuel einen Schutzraum, in dem Themen offen aus- und angesprochen werden können. In der Auseinandersetzung mit sich selbst und der daraus resultierenden Erkenntnis unserer typischen Verhaltensmuster entstehen Ansätze zur Versöhnung mit der eigenen Biographie. Neu erlernte Verhaltensmuster werden im Alltag eingeübt.

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Resilienzkurs Gruppe
Die Casa Immanuel bietet auch einen sogenannten Resilienzkurs an. Was erleben Teilnehmer in diesem Kurs?
Sie lernen, sich selber wieder oder erstmals ehrlich wahrzunehmen, die eigene Einzigartigkeit zu entdecken und ein Ja zu sich selbst zu finden. Wenn ich mich selbst annehmen kann, fällt es mir auch leichter, eigene Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen, mit dem Druck der Gesellschaft umzugehen, gute Beziehungen zu leben und sich Konflikten zu stellen.

Resilienz wird ja als Widerstandsfähigkeit oder auch «die Kunst des Aufstehens» bezeichnet. Ist diese Kunst heute aufgrund der Komplexität des Lebens mehr gefragt als vor 20-30 Jahren?
Wir leben in einer schnelllebigen Zeit mit sehr viel unbeständigen und unvorhersehbaren Faktoren. Zudem wird eine schnellere Erreichbarkeit erwartet. Das erzeugt mehr Druck, mehr Stress. Ein Manager, den ich begleite, hat mir gesagt, er müsse rund 100 Mails pro Tag bearbeiten. Resilienz ist also ein unabdingbarer Lebensstil, um dies alles bewältigen zu können. Wir brauchen auch resiliente Christen, die verwurzelt sind in Jesus und keine Angst vor der Meinung anderer Menschen haben, weil sie wissen, dass sie eine kostbare, einzigartige und von Gott gewollte Persönlichkeit sind. Diese Christen wissen, dass sie geliebt sind und können so ein Abglanz von Jesu Herrlichkeit sein. Die Frage ist also letztlich, wie sehr lasse ich mich von dem bestimmen, was die Leute denken und wie sehr schaue ich auf das, was Gott denkt?

Ich bin überzeugt, dass solche resiliente Christen auch mehr Wirkung auf ihre Umgebung haben. Denn jeder Mensch hat einen Kern in sich, der sich nach Gott sehnt. Resiliente Christen können dies zum Anklingen bringen.

Was braucht es, um mit Widrigkeiten gut umgehen zu können?
Dazu braucht es ein klares Wissen, wer ich bin und wer ich bin in Gott. Ich darf nicht mehr nur auf Umstände schauen, sondern meinen Wert mehr und mehr aus meinem Sein in der Beziehung zu Gott ziehen und mein Handeln entsprechend darauf aufbauen. Zudem muss ich die Verantwortung für mein Denken, Fühlen und Handeln übernehmen. Dazu braucht es viel Mut. Mut zur Veränderung, Mut hinzuschauen, Mut, Konsequenzen zu ziehen, Mut, zu mir zu stehen, Mut, zu meinem Möglichkeiten und Grenzen zu stehen und im Vertrauen zu Jesus mutig meinen Weg gehen.

Welche Rolle spielt der Glaube in der Frage nach der Resilienz eines Menschen?

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Casa Immanuel
Eine sehr zentrale, denn wenn ich weiss, wer ich bin in Gott, dann habe ich eine grosse Widerstandskraft. Ich habe einen gesunden Selbstwert, in dem ich weiss: Ich bin ein Geschenk von Gott Vater, Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Ich bin einzigartig und wertvoll. Ich bin geliebt und bedingungslos angenommen. Aus dieser Haltung heraus weiss ich: Ich kann Beziehung leben. Ich darf authentisch leben und sein.

Auch für uns als Mitarbeiter im Casa Immanuel spielt es eine ganz zentrale Rolle. Wir haben immer wieder Leute, die ihren Glauben über Bord geworfen haben. Einige kommen auch zu uns, obwohl sie sagen, sie hätten nicht viel mit dem Glauben am Hut, seien aber offen für «unsere Methoden». Basis unserer Arbeit bildet stets die Liebesbeziehung zu Christus. Bei ihm können wir Menschen erfahren, was es heisst, bedingungslos angenommen zu sein. Und wenn ich weiss, bei welcher Quelle ich andocken kann, bin ich verwurzelt. Das ist dann eine verwurzelte Resilienz.

Ist Resilienz trainier- und entwickelbar?
Auf jeden Fall. Es gibt keinen hoffnungslosen Fall. In den 13 Jahren, in denen wir mit Menschen unterwegs sind, haben wir viel erlebt. Menschen in tiefen Lebenskrisen konnten wieder ein Ja zu sich und zum Leben finden. Natürlich gibt es auch Menschen, die nur die Bestätigung haben wollen, ein Opfer der Umstände zu sein. Das unterstützen wir nicht. Wenn ein Mensch aber wirklich die Verantwortung übernehmen will, sich mit sich und seiner Geschichte zu versöhnen und sein Leben aktiv zu gestalten, geschieht Veränderung.

Was waren die Erfahrungen und Feedbacks im letztjährigen Kurs?
In den Resilienzkursen kommt sehr viel an die Oberfläche. Folgende Statements von Teilnehmerinnen und Teilnehmern beschreiben dies:

  • «Ich beginne, meine Beziehung zu mir zu pflegen.»
  • «Ich habe meinen eigenen Wert erkannt, ein Ja zu mir selber gefunden.»
  • «Ich kann jetzt besser mit Konflikten umgehen.»
  • «Ich bin begeistert, dass ich mich wirklich mit Ereignissen meiner Vergangenheit aussöhnen kann und diese spürbar keine Macht mehr in meinem Leben haben.»
  • «Ich habe gelernt, Entscheidungen bewusster zu treffen.»
  • «Ich kann Grenzen setzen und habe ein neues Bild von Beziehung.»

Der Resilienzkurs in der Casa Immanuel soll nicht ein weiterer Kurs sein, der nur auf der Verhaltensebene eine Änderung erreichen will. Wir glauben, dass es nicht darum geht, das Verhalten zu ändern, es geht darum, aus der Tiefe anders zu handeln!

Zur Person:
Monika Graf ist in der Stiftung Casa Immanuel Geschäftsführerin und Lebensberaterin. Sie ist 53 Jahre alt und verheiratet. Seit 13 Jahren lebt die gebürtige Zürcherin in der Surselva GR. Ihr ursprünglicher Beruf ist Krankenschwester. Sie hat sich zur Erwachsenenbildnerin, Coach und Supervisorin BSO und Resilienztrainerin weitergebildet.

Monika Graf arbeitet in der Casa Immanuel, um zu leben, wovon sie immer geträumt hat: mit Menschen unterwegs sein und mit ihnen zusammen den Wert für Beziehung und Gemeinschaft zu entdecken. Sie möchte Menschen für ein Leben begeistern, das andere ansteckt. Sie übt Lebensberatung aus, die frei setzt und sich nicht um sich selbst dreht.

Zum Thema:
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Datum: 09.05.2016
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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