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Die Freizeit nehme ich mir!

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Runter vom Tempo: So gewinnt Ihr Alltag mehr Lebensqualität

„Mein Leben ist phantastisch!“ Richard Branson, der schräge englische Multi-Unternehmer und Gründer des Plattenlabels „Virgin“, scheint eine einfache Formel für sein glückliches Leben gefunden zu haben: Grosse Ziele setzen, niemals aufgeben und das Leben geniessen. – Geniessen? Wer monatelang auf einer Südseeinsel lebt, wie der Virgin-Chef sie sein eigen nennt, kann das sicher sofort unterschreiben. Wer dagegen Tag für Tag in Büro oder Betrieb sitzt, strotzt nicht unbedingt vor solchem Enthusiasmus.

Gerade wenn uns der Alltag fest im Griff hat oder wir uns mit Problemen herumschlagen, kommt die grosse Sehnsucht nach der Insel. Doch meistens lassen es Alltag, Arbeitsleben oder die Haushaltskasse nicht einfach so zu, eine aufwändige Reise zu planen. Ganz davon abgesehen: Geniessen fängt nicht erst im Urlaub an. Wer lernt, in bestimmten Bereichen des Alltags umzudenken, kann bereits mit ein wenig Übung in Sachen Entspannung einiges erreichen.

Nicht jeder, der rennt, hat ein Ziel

Das Tempo unseres Alltags macht uns kaputt. Bei allem Erfolgs- und Perfektionsdruck, dem wir uns permanent aussetzen, werden wir mental und körperlich immer schlapper. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die ständige Überreizung unserer Sinne rufen in uns das Gefühl der Erschöpfung hervor und machen uns fertig. „Esse und renne“ wirbt eine grosse Fastfood-Kette und spiegelt damit unseren Zeitgeist. Wir leben heute schnell, erlebnishungrig und wollen möglichst alles gleichzeitig erledigen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Wir möchten mithalten und darum arbeiten wir auf Hochtouren, denn wir haben Angst vor Versagen, Misserfolg und sozialer Inkompetenz. Dazu verlangen wir ständig nach neuen Reizen, sind permanent auf der Suche nach dem ultimativen „Kick“, nur weil wir nicht alt und müde wirken wollen und, und, und.

Dem entgegen steht die Tatsache: Wer sein Tempo um einige Drehzahlen herunterschraubt, lebt deutlich angenehmer und gesünder. Die Südeuropäer machen es uns vor: Bei ihnen ist „dolce vita“ („süsses Leben“) kein Modewort, sondern echte Lebenskunst, die wir Nordeuropäer – allen voran die Deutschen – meistens erst kultivieren müssen. Doch kein echter Lebenskünstler hat sein positives Lebenskonzept an einem Tag erreicht. Es braucht Mut, Ideen, Beharrlichkeit und die Fähigkeit, Zielvorgaben den tatsächlichen Gegebenheiten nach und nach anzupassen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Freizeitforscher sehen einen neuen Trend: Die Erlebniskultur der letzten Jahrzehnte wandelt sich in eine Verwöhnkultur. Kein Wunder, haben wir doch bei der Menge unserer Frustrationen permanent das Gefühl, uns etwas Gutes tun zu müssen. Aus diesem Grund sind wir dauernd auf der Suche nach Motivations- und Entspannungsquellen jeglicher Art. Wir belohnen uns für unseren Stress mit schönen Erlebnissen – fühlen uns aber danach nicht immer unbedingt besser und schon gar nicht entspannter. Darum hilft manchmal hilft eben nur ein radikaler „Boxenstopp“. Nicht Aktion und Ablenkung, sondern Ruhe heisst das Motto der Stunde. Ein solcher Boxenstopp kann zum Beispiel Folgendes beinhalten: Nicht immer schneller und weiter, sondern langsamer zu leben und zu entschleunigen. Vivaldi zu hören, eine Meditation einzuüben, einen Tag alleine oder zu zweit im Grünen oder in der Sauna zu verbringen. Ruhe heilt den Körper und die Seele und hat viel mit Stillewerden zu tun. Jesus ging 40 Tage in die Wüste – in die Stille vor Gott. Alleinsein mit mir und mit meinem Vater im Himmel – das hilft oft mehr als jeder Vitamincocktail.

Wenn nicht jetzt – wann dann?

Auch auf andere Lebensbereiche wirkt sich ein solches Innehalten positiv aus: Mutieren die Mitglieder Ihrer Familie und Ihres Freundeskreises so langsam zu fremden Wesen? Können Sie sich noch erinnern, wann Sie so richtig Zeit für Ihren Ehepartner, Kinder und Freunde hatten? Und mit „Zeit haben“ sind hier nicht die 30 Minuten gemeint, die man für eine Runde „Mensch-ärger-dich-nicht“ braucht. Zeit zu haben ist heute einer der grössten Schätze, wenn es um unser Miteinander geht. Wer Zeit für andere hat, so wie Gott für uns Zeit hat, der schaut den anderen an, nimmt ihn als Person wahr und auch seine kleinen Wünschen ernst.

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„Wir wollen mithalten, denn wir haben Angst vor Versagen, Misserfolg und sozialer Inkompetenz.“

Tanken Sie Vitalität!

Wenn Sie erfolgreiche Menschen fragen, was ihren Erfolg ausmacht, hören Sie nicht selten Wörter wie „Lebensaufgabe“, „Leidenschaft“ oder „Vitalität“. Leistungs- und Lebenskraft aber entstehen im Kopf und nur wenn Sie dort stark sind, werden Sie erfolgreich und vital sein. Doch wie wird man mental stark? Ganz sicher hat es viel mit dem Vertrauen und Fähigkeiten zu tun; aber auch mit etwas, was Ottmar Hitzfeld als „den Druck rausnehmen“ bezeichnet. Der Trainer des FC Bayern München antwortete einmal auf die Frage, was er tun würde, wenn ein Torjäger wochenlang keine Tore mehr schiesse: „Dann nehme ich den Druck raus. Ich werde dem Spieler erklären, dass es vorrangig wichtig ist, dass unser Team das Spiel gewinnt – und nicht, wer das Tor macht.“

Wer die ganze Last der Verantwortung auf sich bezieht und nicht abgibt, wer nicht den Druck aus Körper und Geist verjagt, der verliert Lebenskraft. Werfen Sie also Ballast ab! Zum Beispiel, indem Sie oberflächliche und sinnlose Kontakte und Bekanntschaften oder Tätigkeiten vermeiden. Auch das bedeutet Erholung, weil freie Kapazitäten gewonnen werden. Oder aber das Entsorgen von Gedankenmüll. Gott lädt jeden ein: „Werft eure Sorgen auf mich, ich kümmere mich darum“ (siehe 1. Petrus 5,7).

Jeder Mensch sollte sein Lebenskonzept ab und zu optimieren und anpassen an das, was Körper, Seele und Geist brauchen. Am wichtigsten allerdings ist, dass es nicht bei neuen Erkenntnissen und guten Vorsätzen bleibt, sondern dass Sie es auch praktisch angehen. Ex-Fussballtrainer Detmar Cramer (80) antwortete auf die Frage „Woher nehmen Sie Ihre Vitalität?“ mit folgenden Worten: „Alles fängt im Kopf an: Krankheit und Siechtum, aber auch Gesundheit und Leistung. Das Tun ist eine grosse Energiequelle. Die Menschen reden und reden. Sie reden über Frieden oder über Reformen oder über Gesundheit – aber warum tun Sie nichts?“ Die Bibel würde sagen: Lebt bewusst aus dem Frieden Gottes. Seid nicht nur Hörer des Wortes, sondern auch Täter! (vgl. Jakobus 1,22).

Autorin: Juliane Dreisbach, verheiratet, zwei Kinder, ist gelernte Marketingkauffrau und Gesundheitstrainerin. Sie hält Seminare und gestaltet Frauentage oder –frühstückstreffen. (www.vitess-agentur.de)

10 Erholungstipps für den Alltag

1. Bewegen Sie sich
Sie werden recht schnell merken, wie Ihre Energie und Ihre Leistungsfähigkeit wachsen, wenn Sie sich einige körperliche Übungen zur Gewohnheit machen und regelmässig einer Ausdauersportart nachgehen. Starten Sie noch heute ein Bewegungsprogramm, das Ihnen Freude macht. Optimal: Jeden Tag 10 Minuten Springen auf dem Zimmertrampolin. Das soll sogar den gleichen Effekt wie längeres Joggen haben! Hier werden Ausdauer und Gelenkigkeit trainiert, die Muskulatur aufgebaut und dazu findet eine Lymphdrainage statt. Bringen Sie sich also in Bewegung – Sie profitieren körperlich und geistig davon!

2. Schaffen Sie Ruhezonen
Sorgen Sie dafür, Freiräume zu finden, in denen Sie aufatmen können. Zum Beispiel das Gebet an einem stillen Lieblingsplatz, eine wohltuende Rückenmassage, Meditation, eine Lesestunde oder einfach nur ganz viel Schlaf.

3. Geniessen Sie Musik
Musik dringt in die Tiefe unserer Seele vor und hat ungeahnte Heil- und Ruhepotenziale. Ein bisschen Bach oder Vivaldi – und unsere Seele feiert Urlaub.

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„Wer nicht den Druck aus Körper und Geist verjagt, der verliert Lebenskraft.“
4. Schlafen Sie gut
Schlafen Sie viel und regelmässig. Wenn Sie es sich leisten können, halten Sie ruhig „Siesta“. Es sei denn, Sie leiden abends unter Einschlafproblemen. Bei Schlafstörungen helfen entscheidend regelmässige Bewegungs-, Ausdauer- und Entspannungsübungen. Auch Meditation und Gebet ist eine wunderbare Einschlafhilfe.

5. Werfen Sie Ballast ab
Sie wissen am besten, wo Sie aufräumen müssen: Ihre Beziehungen, auf der Arbeit oder Ihr Haus und den Schreibtisch? Entrümpeln Sie – damit Sie freier leben! Werfen Sie auch Ihren Gedankenmüll weg – Gott wartet auf alles, was wir an ihn abgeben sollten. Verinnerlichen Sie sein Wort und vertrauen Sie auf seine Verheissungen.

6. Trainieren Sie sich mental
Zum Beispiel mit einer biblischen Meditation: Fangen Sie am nächsten verlängerten Wochenende oder während eines Kurzurlaubs damit an, jeden Tag 10 Minuten über einem Bibelwort, christlichen Text oder Bild zur Ruhe zu kommen. Wiederholen Sie das Wort/Bild wortlos in sich hinein. Sie werden nach einer kleinen Weile eine positive Veränderung an sich und insbesondere in Ihrer Gedankenwelt bemerken. Sie kommen zur Ruhe und üben sich in Gelassenheit ein. Übrigens: Auch im Sport wird mentales Training zur Leistungssteigerung eingesetzt.

7. Erlernen Sie eine Entspannungstechnik
Zum Beispiel „Progressive Muskelentspannung“ (nach Jacobsen). Anleitungen hierfür gibt es auf CD in jedem guten (christlichen) Buchladen. Entspannungsübungen helfen nachweislich bei Schmerz- und Stressbewältigung.

8. Üben Sie Zufriedenheit
Lernen Sie, sich und Ihre Situation anzunehmen, wenn es nicht in Ihrer Macht steht, die momentane Lage zu verändern. Geben Sie Ihre Situation an Gott ab und kommen Sie zur Ruhe. Gottes Angebot lautet immer wieder: „Werft eure Sorgen auf mich!“

9. Ernähren Sie sich gut
Korrigieren Sie auch falsche Ernährungsgewohnheiten. Informationen über richtige Ernährung finden Sie z. B. bei der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“. Allgemein gilt nach wie vor: Viel einfaches Wasser trinken (2–3 Liter/Tag), möglichst viel frisches Gemüse, Obst (auch Trockenfrüchte), Molke, Haferflocken und Vollkornbrot, alles andere in Massen.

10. Gewinnen Sie mehr Lebenskraft
Denken und handeln Sie präventiv – entwickeln Sie Ihre eigenen Vitalitäts-Rituale (siehe oben). Dafür sind freie Tage ein guter Startzeitpunkt. Sie werden schon bald in Ihrem Alltag merken, wenn Sie ein langes Wochenende oder einen Kurzurlaub dafür genutzt haben.

Datum: 11.08.2005
Quelle: Neues Leben

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