Positiv denken

Reicht das?

Frau N. schreibt: „Ich habe das Problem, dass andere Menschen mich einfach nicht ernst nehmen. Wenn ich in einer Gruppe meine Meinung zum Thema sage, gehen die anderen fast nie darauf ein. Auch im Lehrerzimmer gehen meine Kollegen über meine Kommentare sang- und klanglos hinweg. Dann ziehe ich mich zurück. Als ich kürzlich mit meiner Freundin sprach, meinte sie, ich solle nicht immer so negativ denken. Dann würde immer kommen, was ich erwarte. Sie sagt, ich muss positiv denken lernen. Was meinen Sie dazu?”


Positiv denken – genügt das?

Es wäre schön, wenn man immer positiv denken könnte. Aber dies fällt schwer, wenn man immer wieder den Eindruck gewinnt, dass andere einen nicht ernst nehmen. Was wir denken, bleibt nicht ohne Folgen.

1. Gedanken lösen Gefühle aus

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Laden an einer Kasse und merken, dass Sie Ihren Geldbeutel vergessen haben. Wenn Sie denken: „Ist das peinlich! Alle halten mich für dumm!”, werden Ihre Gefühle eher negativ sein. Denken Sie hingegen: „Ach, so etwas kann passieren. Da finden wir eine Lösung”, werden Sie eher gelassen bleiben.

2. Gedanken wirken wie ein Filter

Beim Gedanken „Oh, wie peinlich”, werden Ihnen schnell die beiden Leute ins Auge springen, die jetzt gerade missbilligend den Kopf schütteln. Gefühlsmässig werden Sie dann darin bestärkt, dass es furchtbar ist, was Sie gerade erleben. Dass die anderen zehn Leute, die Ihre Situation ebenfalls bemerken, neutral sind oder Ihnen sogar ermutigend zunicken, nehmen Sie nicht mehr wahr.

Diese Zusammenhänge von Denken, Fühlen und Handeln gehören zur Ordnung, wie Gott uns Menschen geschaffen hat. Deshalb ruft uns auch die Bibel auf, mit unseren Gedanken umgehen zu lernen: Wir sollen unseren Sinn, unsere Gedanken erneuern (Römer, Kapitel 12, Vers 2) oder das Gute in unse­ren Gedanken bewegen (Philipper, Kapitel 4, Vers 8). Folgende Schritte können Sie tun:

3. Die Gedanken überprüfen

Bleiben Sie bei der Wirklichkeit! Sie sagen: „Keinen interessiert es, nie reagiert jemand.” Stimmt das wirklich? Prüfen Sie die Realität und erlauben Sie sich keine Verallgemeinerungen!

- Öffnen Sie sich für andere Interpretationsmöglichkeiten! Vielleicht denken Sie: „Niemand reagiert auf mich, also werde ich nicht ernst genommen, beziehungsweise bin ich nicht interessant.” Dabei hängt die Reaktion des Gesprächspartners vielleicht an ganz anderen Dingen. Möglicherweise haben Sie zu leise gespro­chen oder Ihr Gegenüber ist im Moment nicht aufnahmefähig oder der Zeitpunkt ist ungünstig… Dass jemand auf Ihre Worte nicht eingeht, weil er Sie nicht ernst nimmt, ist eine willkürlich Annahme, durch die Sie sich sel­ber stark blockieren. Haben Sie Mut, diese Annahme zu korrigieren!


Ihre Gedanken lösen die entsprechenden Gefühle aus.


- Üben Sie einen neuen Gedanken ein! Die gewohnten Gedanken kommen automatisch. Formulieren Sie deshalb einen neuen. Den können Sie dem alten lähmenden Gedanken entgegenhalten, zum Beispiel: „Es ist zwar lästig, dass ich gerade überhört werde, aber meine Gedanken sind deshalb nicht grund­sätzlich uninteressant.” So gewinnen Sie einen inneren Freiraum und müs­sen sich nicht sofort zurückziehen.
- Geben Sie sich selber Anweisung zu einem neuen Handeln! „Ich bleibe dran und bringe mein Anliegen wieder ein!” So können Sie erleben, dass Ihre Äusserungen zwar manchmal überhört, aber oft auch ernst genommen werden.
- Jesus Christus trägt Sie! Bei aller Be­mühung um eine realistische Einstellung werden Sie dennoch Menschen antreffen, von denen Sie nicht ernst genommen werden. Dann dürfen Sie wissen, dass Sie von Jesus Christus geliebt werden, wie Sie sind.

Denkmuster durchbrechen


Die Rational-Emotive Therapie (RET) beschäftigt sich mit den Kognitionen des Menschen. Der Begründer dieses therapeuti­schen Ansatzes, A. Ellis, hat beobachtet, wie wir Menschen unser Handeln und das, was uns begegnet, in Gedanken fortwährend kommentieren und bewerten. Er bezeichnet diese inneren Selbstkommentare als Auto­suggestionen. Manche Menschen haben sehr negative Selbstkommentare und blockieren sich damit selber oder werden davon krank. Die RET hilft, einseitige und ungesunde Gedankenmuster zu erkennen und zu korri­gieren.

Dieser Ansatz ist vom so genannten „positi­ven Denken” zu unterscheiden (vgl. Murphy, Carnegie, u. a.). Diese Autoren ver­sprechen ihren Anhängern Heil und Lebenserfolg. Wer positiv denke, könne seine Zu­kunft und seinen Reichtum selbst bestim­men. Doch dies ist unrealistisch. So wird kaum mehr zur Kenntnis genommen, dass es z. B. körperbedingte psychische Störungen oder reaktive Trauerprozesse gibt, die sich dem sich überschätzenden positiven Denken entziehen. Trauer ist ein Kennzeichen dieser Welt, dem alle Menschen unterliegen. Wer diese Zusammenhänge negiert, gaukelt unzulässig Sorglosigkeit und dauerhaftes Lebensglück vor.


Autor: Wilfried Veeser
Quelle: Neues Leben

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige

ERLEBT

Amy Kavelaris: Kleine und grosse Staffeln im Atelier
Nach einem Schulwechsel in ihren Teenagerjahren fühlte sich Amy Kavelaris einsam. Die heutige...