Prosit mit Alkohol

Und uns wird richtig wohl!

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Alkoholkonsum gehört zur Normalität. Alkoholische Getränke sind, so scheint es, im Gegensatz zu andern Suchtmitteln aus unserem gesellschaftlichen und privaten Leben nicht wegzudenken. Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch verursachen aber auch enorme Folgekosten.

20 Millionen für Alkohol

In der Schweiz werden laut Statistischem Jahrbuch täglich über 20 Millionen Franken für alkoholische Getränke ausgegeben. Das ist mehr, als für die Armee oder die Schulbildung aufgewendet wird. Der durchschnittliche Jahreskonsum liegt bei 9,2 Litern reinem Alkohol. 215'000 Menschen trinken gewohnheitsmässig und periodisch zu viel. Rund 11 Prozent der 11- bis 15-Jährigen trinken regelmässig Alkoholisches – Tendenz steigend. Die Folgen:

  • rund 300'000 Alkoholgefährdete und Alkoholkranke
  • rund 6'000 alkoholbedingte Verkehrsunfälle Tendenz steigend
  • rund 10 Prozent der häufigsten Krankheiten bei Männern zwischen 30 und 44 Jahren haben Alkohol als Ursache
  • rund 33'000 Personen werden jährlich wegen Alkohol in Fachkliniken behandelt
  • rund 23'000 Lebensjahre gehen jedes Jahr infolge übermässigem Alkoholkonsum verloren

Die Droge Nr. 1

In der Bevölkerung denkt man beim Wort Drogen an Heroin, Kokain usw., und diese Probleme werden immer noch als gravierender wahrgenommen, obwohl Alkohol die Droge Nr. 1 bleibt. Diese Sichtweise hängt einerseits mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung des Alkohols und andererseits mit seiner spezifischen Wirkung und dem heimtückischen Verlauf der Alkoholkrankheit zusammen.

Die Abhängigkeit

Nicht jeder, der Alkohol konsumiert, wird krank. Der überwiegende Teil der Alkoholkonsumenten kann mit diesem Genussmittel durchaus gut umgehen. Für den menschlichen Körper ist Alkohol und dessen Abbau jedoch eine schwere Belastung. Der Abbau geht nur sehr langsam in der Grössenordnung von 0,1 Promille in der Stunde vor sich. Bei regelmässigem Alkoholkonsum stellt sich der Körper allmählich auf diese Belastung ein und versucht, ein Gleichgewicht herzustellen.

Eine körperliche Abhängigkeit ist die Folge. Sie äussert sich in Form von Entzugssymptomen, wenn nicht regelmässig «Nachschub» erfolgt. Das andere Risiko ist die seelische oder psychische Abhängigkeit. Wer Alkohol zu oft als Seelentröster oder Problemlöser, als Schlafmittel oder Zungenlöser einsetzt, hat irgendwann das Gefühl, ohne ihn nicht mehr auszukommen.

Viele Folgeschäden

Die beiden Abhängigkeitsformen, in den 60-er Jahren von Dr. Jellinek beschrieben, sind in der Fachwelt als unterschiedliche Trinkmuster unter dem Begriff des «Problemtrinkens» und «Gesellschaftstrinkens» bekannt. Die Folgen lang
andauernden Alkoholmissbrauchs äussern sich einerseits in körperlichen Schädigungen an Leber, Herz, Magen und Nerven. Am empfindlichsten reagiert jedoch das Hirn mit Beeinträchtigungen des Gedächtnisses in Form von «Filmrissen», Beeinträchtigung der Orientierungsfähigkeit, der Auffassung und leichter Ermüdbarkeit.

Verlust der Willensstärke

Die Symptome im psychischen Bereich können vom gelegentlichen Erleichterungstrinken über Gedächtnislücken, Schuldgefühlen, verstärkten Erklärungsversuchen, Aggressivität, heimlichem Trinken, über ethischen Abbau bis zum völligen Verlust der Willensstärke reichen. Besonders dramatisch wirken sich die Folgeschäden im sozialen Umfeld aus.

Ein Teufelskreis

Das private und berufliche Umfeld steht der Entwicklung einer alkoholkranken Person meistens mehr oder weniger hilflos gegenüber. Sehr häufig wird die Entwicklung gerade weil es sich um einen langsamen und schleichenden Prozess handelt lange ignoriert, in der Hoffnung, die Situation wende sich von alleine zum Guten. Alkoholkranke werden oft lange gedeckt.

Daheim fallen Vorwürfe und Beschuldigungen, die den Kranken zur Raison bringen sollen. Darauf reagiert dieser mit Versprechungen und Verheimlichung des Alkoholkonsums, worauf die Angehörigen wiederum mit erhöhter Überwachung reagieren. Ein unheilvoller Teufelskreis ist im Gang, aus dem weder Betroffene noch Angehörige aus eigener Kraft herausfinden. Nicht zuletzt darum, weil beide Seiten nicht recht verstehen, wie ihnen geschieht.

Hilfe suchen

Der Gang zur Fachstelle kann da hilfreich sein. Dies ist darum besonders wichtig, weil Angehörige und Menschen im direkten Umfeld mit ihrem Verhalten das Trinken des Betroffenen paradoxerweise und indirekt noch unterstützen. Dieses Verhalten, als Co-Abhängigkeit bezeichnet, bedarf einer eigenen Behandlung. Das bedeutet, dass Betroffene und Mitbetroffene Hilfe brauchen. Gespräche auf den Beratungsstellen sind vertraulich, kostenlos und verpflichten zu nichts. Es ist besser, sich frühzeitig beraten zu lassen, statt zu lange zu warten. Denn: Alkoholprobleme lösen sich in den seltensten Fällen von selber auf!

Krankheit, nicht Laster

Alkoholabhängigkeit wird allgemein als Krankheit anerkannt und nicht, wie einstmals, als Laster. Diese Sichtweise eröffnet allen Beteiligten konstruktivere Lösungsmöglichkeiten. Bei fortgeschrittenem Alkoholismus, insbesondere beim so genannten «Kontrollverlust», ist die Krankheit allerdings nicht mehr heilbar in dem Sinn, dass die betroffene Person wieder «normal» trinken könnte. Die Erfahrung vieler Ehemaligen zeigt, dass nur ein vollständiger Verzicht auf Alkohol eine dauerhafte Heilung bringt.


Autor: Walter Liechti
Quelle: Chrischona Magazin

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