Pfarrer Daniel von Orelli

«Glaube ist Vertrauen»

Glaube ist wie ein feiner Faden ins Unsichtbare. Trauen wir seiner Tragkraft, dann wird er immer stärker, sagt Pfarrer Daniel von Orelli.

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Daniel von Orelli
Jesus.ch: Daniel von Orelli, weshalb sind so viele Menschen auf der Suche nach einem höheren Wesen?
Pfr. Daniel von Orelli:
Schau dir die Menschen in der Stadt an. Jeder ist anders und hat seine eigene Geschichte. Aber sie alle sehnen sich nach Liebe. Einer erinnert sich an die Geburt seines Kindes: «Das ist mehr als man sieht, dieser Moment, das ist … mehr.» Eine Frau hat im Krieg Schweres erlebt und fragt: «Gott, wo bist du…?» Da fand sie inmitten der Kriegswirren Kinder in einem Versteck, die sorgten füreinander wie eine Familie. Bist du da, Gott? Wo Liebe ist, ist mehr als Natur, mehr als was wir sehen.

Was bedeutet Glaube?
Glaube ist Vertrauen. Wenn du in dir spürst: «Es gibt mehr als was ich sehe», dann ist das wie ein feiner Faden. Packe ihn und zieh daran. Der Faden führt dich zur Frage: «Du, im Unsichtbaren, ich kenne dich nicht, aber da ist dieser Faden, diese Verbindung. Ich erzähle dir von mir, hänge meine Geschichte an diesen Faden. Trägt er?» Und du hältst den Faden, ziehst daran und merkst: Er wird stärker, du kannst mehr daran hängen. – Er hält. Und Schwieriges, das du daran befestigst, wird etwas leichter, oder es ordnet sich. Erstaunlich viel trägt dieser Faden! Wie ein Spinnenfaden so fein war er – und trägt so viel – trägt dich. Und ihm im Unsichtbaren, der den Faden hält, – Gott – kannst du trauen.

Was macht die Beziehung zu Gott aus, was macht sie wertvoll?
Dass er da ist, dass er mir vertraut und ich ihm. Das ist eine ungeheure Kraft. Bei der Arbeit, im Tram, am Tisch mit den Kindern halte ich diesen Faden, und ich höre ganz leise: «Ich vertraue dir!» – Mir vertrauen? … der die Nerven verliert, der Menschen enttäuscht, der…? – Ja! Gottes «Und ich vertrau’ dir doch!» das ist, was meine Beziehung mit ihm so wertvoll macht. Meine Liebe wird durch sein Vertrauen stärker.

Was tun, wenn Zweifel aufkommen?
Bei mir tritt dies ein, wenn ich ihm nicht mehr vertraue, dass er mir vertraut. Dann wird alles grau, hoffnungslos, und ich glaube selber nicht mehr an mich. Dann verliere ich den Faden. Ich denke da an Jesus, als er am Kreuz fragen musste: «Mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Da unten ist er, wo der Faden nicht mehr ist, abgerissen vielleicht, weil ich versagt habe oder weil allzu schweres Leid geschehen ist. Aber Jesus macht nicht Druck: «Du musst jetzt den Faden finden!» Er ist einfach da. Und es hilft, wenn ein Mensch da ist, dem meine Zweifel keine Angst machen, weil er weiss, dass Gott die Hoffnung für mich nicht aufgibt. Er wird mich den Faden wieder finden lassen.

Daniel von Orelli ist Pfarrer im Ruhestand und wohnt mit seiner Frau in Grüt (Gossau ZH).

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Artikel im Jesus.ch Print

Datum: 30.05.2013
Autor: Manuela Herzog
Quelle: Jesus.ch

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