Beziehung pflegen

«Guter Sex braucht alte Werte»

Paare müssen alte Werte in das moderne Leben integrieren, um mit der heutigen Freiheit zurechtzukommen. «Die Menschen sehnen sich nach lebendiger Lust, statt nur Bedürfnisse zu befriedigen», erklärt Sexualtherapeutin Gerti Senger in ihrem neuen Buch.

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Gerti Senger: «Viele Beziehungen bleiben unverbindlich und auf Selbstverwirklichung ausgerichtet.»
Diese «lebendige Lust» falle einem nur am Anfang einer Beziehung von selber zu. Um auch später ein Klima der Erotik und des Begehrens zu erreichen, müsse man die Lust kultivieren, statt nur Bedürfnisse zu befriedigen, sagt die Sexualtherapeutin Gerti Senger. Zusammen mit Walter Hoffmann hat sie zu diesem Thema ein Buch mit dem Titel «Schräglage» herausgebracht.

Das Buch zeigt auf, wie trotz einer Schräglage wieder Halt und zu einem erfüllten Liebes- und Arbeitsleben gefunden werden kann. Man lebt in einer Welt der Widersprüche: Grenzenloser Gier steht unermessliche Armut, der Sehnsucht nach Familie stehen hohe Scheidungs- und sinkende Geburtenzahlen gegenüber. Das Liebesleben und die Sexualität des Einzelnen werden durch nichts mehr eingeschränkt und dennoch leiden unzählige.

Überforderung durch Freiheit

«Als die 1960er- und 1970er-Jahre das frühere Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern weitgehend aufhoben, keimten grosse Hoffnungen auf: Auf Glück ohne Verlogenheit, auf wahres Fühlen und Erleben. Die Ansprüche wurden jedoch enttäuscht. Viele Beziehungen bleiben farblose Respektgemeinschaften ohne Glut oder emotionale Nähe, die nur noch unverbindlich und auf Selbstverwirklichung ausgerichtet sind», analysiert Senger die Entwicklung.

Viele Beziehungen wackeln aufgrund von «Schräglagen» oft, da Partner voneinander zu viel Freiheit oder auch unrealistisch viel Nähe einfordern.

Warnsignale

Einige Warnsignale zeigen für die Expertin, dass eine Beziehung aus der Balance geraten ist. «Ein glückliches Paar fragt sich nicht dauernd, ob es denn wirklich glücklich ist. Weitere Indizien sind, wenn ein bestimmtes Streitthema immer wieder aufgekocht wird oder wenn jemand völlig von der Bestätigung des anderen abhängt und bei einem ‚Nein‘ beim Sex gleich alles in Frage stellt.»

Schräglagen gibt es in «unendlich vielen» Formen, die in hohem Mass durch Konflikte in der frühen Kindheit geprägt werden. «Viele haben als Kind zu wenig Nähe, Anerkennung und Entfaltung erfahren, was die spätere Entwicklung der Persönlichkeit bestimmt.»

Jeder sei damit Kind seiner Zeit – Zeiten, die lange von Konsum und Wünschen geprägt waren. Für die Generationen der Zukunft ist Senger jedoch optimistisch. «Immer mehr sind unzufrieden mit der Schräglage in Politik und Arbeit. Immer mehr Menschen merken, dass es Wichtigeres gibt als den neuesten Flachbild-Fernseher und widmen den Beziehungen wieder mehr Zeit.»

Werte pflegen

Die nötige Balance kann gelingen, wenn Nähe und Distanz, Bindung und Autonomie sowie Lust und Verzicht im Lot sind. «Wird jedes Bedürfnis immer sofort befriedigt, verlernt man das Warten bald. Beziehungen brauchen Zeit. Diese erreicht man vor allem durch fixe Abmachungen – etwa, dass der Sonntag ‚nur uns‘ gehört», empfiehlt Senger.

Förderlich seien jedoch vor allem die alten Tugenden. «Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt, Mitleid und Gerechtigkeit bilden einen Katalog von Werten, die wieder modern sind. Wer sie pflegt, entwickelt Persönlichkeit und arbeitet an der Beziehung.»

Mehr Spass am Sex

Pfarrer Fredy Staub hat sich auch mit diesem Thema befasst und geht noch ein Schritt weiter. Er versichert: «Wer mehr Spass am Sex hat, lebt glücklicher. Und wer eine Beziehung zu Jesus pflegt, der hat auch in sexueller Hinsicht mehr Erfüllung.

Sex hat mehr mit Gott zu tun, als wir denken. Deshalb, ist es dringend nötig, dem bedeutungsvollen Zusammenhang von Spiritualität und Sexualität auf den Grund zu gehen», so Staub. Dazu hat er ein CD mit dem Titel: «Mehr Spass am Sex» herausgebracht.

Bücher zum Thema:
Gerti Senger/Walter Hoffmann: Schräglage. Die Sehnsucht nach Zufriedenheit
Rob Bell: Sex.Gott. (in einer übersexualisierten Gesellschaft eine «geheiligte Sexualität» zurückgewinnen)
Pfr. Fredy Staub: Mehr Spass am Sex
Kevin Leman: Licht an, Socken aus! Ein erfülltes Sexleben als Basis einer gute Ehe
David Hollenstein: Das Kilimanjaro-Prinzip der Ehe. 4 Grundpfeiler einer glücklichen Ehe
Domenika und David Hollenstein: Wie war’s bei Euch? 10 Ehepaare erzählen aus ihrem Liebesleben

Datum: 11.10.2011
Quelle: livenet / pte

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