Das ganze Bild: Jesus das Glück in Person

Von Pfarrer Fredy Staub

Viele sehen in Jesus vor allem den leidenden Mann am Kreuz. Natürlich ist der Kreuzestod das zentralste Ereignis in der Biographie von Jesus. Aber wer realisiert schon, dass auch dies geschehen ist, damit wir glücklich werden können?

In meinem Büro hängt das Bild "Der lachende Jesus". Es erinnert mich daran, dass mit Jesus die größte Freude in die Welt gekommen ist. Die Botschaft der Engel war deutlich genug: "Fürchtet euch nicht. Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr" (Lukas 2,10-11). Die Jesus-Freude ist groß, weil sie ihre Begründung nicht in einem vorübergehenden kurzen Vergnügen hat, sondern in der größten Rettungstat aller Zeiten.

Bei Jesus geht es nicht um ein müdes oder künstliches Lächeln. Die Freude, die Jesus uns schenkt, ist eine Grundkonstante, die uns sogar in schwierigen Zeiten nicht einfach weggenommen werden kann. Wer von Jesus erlöst wurde, der ist zum Glücklichsein erlöst. Weil wir uns selbst nicht aus dem Sumpf ziehen können und müssen, hat die Erlösungstat von Jesus eine äußerst beglückende Wirkung.

Wie war das mit Jesus? War er tatsächlich so überaus glücklich?

Natürlich lesen wir von einzelnen Begebenheiten, bei denen er traurig war und weinte. Diese düsteren Momente aber auf sein ganzes Leben zu beziehen, wäre eine Fehlinterpretation. Wohl findet selbst der aufmerksamste Leser in den Evangelien keinen Ausdruck wie "da lachte er" oder "nun war er rundum glücklich".

Doch die Freude gehört zu Jesus wie das Essen und Trinken. Es steht auch nirgends: "Da zog sich Jesus zurück aufs stille Örtchen und ging einem sehr menschlichen Bedürfnis nach", obwohl dies bestimmt so gewesen sein muss, denn er war ein Mensch wie wir.

Ich persönlich halte Jesus für den glücklichsten aller Menschen. Wie oft sprengt er doch die Grenzen der deprimierenden Biederkeit und befreit die Menschen aus ihrer Freudlosigkeit. Jesus "steckt" seine Umgebung mit Glück an. Er nimmt den Satz "Ich bin das Leben" auch im Sterben nicht zurück. Von ihm können wir am besten lernen: Je glücklicher jemand ist, desto leichter kann er loslassen. Seine Hände umklammern das begrenzte Stück Leben nicht, das ihm gerade im Augenblick zufällt. Weil Jesus das unendliche Glück im Auge hat, ist er nicht erpicht darauf, den Moment festzuhalten. Seine Hände sind offen, um immer wieder neu Glück zu empfangen - und weiterzugeben.

Es lohnt sich, die Evangelien aus einem unüblichen Blickwinkel zu lesen. Insbesondere ist es hilfreich, sich bei den einzelnen Passagen zu fragen:

1. Wie glücklich erscheint Jesus hier? Warum?
2. Was sagt dieser Text darüber aus, wie Jesus andere Menschen glücklich macht?
3. Inwiefern lässt sich daraus ableiten, wie Jesus auch uns heute glücklich machen könnte?

Eindrücklich

Besonders empfehlenswert sind folgende Passagen:

Feste
Im Johannes-Evangelium (2,1-12) wird die Hochzeit zu Kana beschrieben. (Notabene: Damalige Hochzeitsfeiern waren fröhliche Feste mit ausgelassener Stimmung. Sie dauerten sieben Tage lang!) Jesus war dabei. Als sich die Weinbehälter leerten, verwandelte er Wasser in hochwertigen Wein. Dass er dabei nicht überaus glücklich war und der Hochzeitsgesellschaft nicht zu einem großen Glücksgefühl verhalf, das können wirklich nur äußerst freudlose Ausleger so interpretieren. Da Jesus von sich sagt, er sei auch heute noch derselbe, vermag er folglich bestimmt auch unsere düsteren Herzen im dritten Jahrtausend nach Christus mit hochwertigem Glück zu erfüllen.

Eingriffe
Immer wieder greift Jesus in die Biographie von Menschen ein. Er macht Lahme gehend, Blinde sehend, Taube hörend, Kranke gesund, Gebundene frei. Stellen Sie sich doch einmal mit allen Farben vor, wie überaus glücklich er und die betroffenen Menschen waren, als dies eintraf. (Siehe zum Beispiel im Matthäus-Evangelium 8,14-16.)

Wunder
Jesus hat viele Wunder vollbracht. Nehmen wir als Beispiel die Vermehrung von fünf Broten und zwei Fischen. Wie glücklich muss sich Jesus gefühlt haben, als sich weit über fünftausend hungrige Menschen daran satt essen konnten. (Siehe Matthäus-Evangelium 14,14-21.)

Gleichnisse
In vielen gleichnishaften Bildern drückt Jesus aus, wie glücklich er ist, und vor allem: wie glücklich diejenigen Menschen werden, die sich an ihn wenden. Typisch ist hier das Gleichnis von den zwei Söhnen. Als der eine Sohn nach Hause zurückgekehrt war (ein Bild für die innere Umkehr zu Jesus), "fingen sie an, fröhlich zu sein". (Siehe Lukas-Evangelium 15,24.)

Das Glück in Person

Jesus hat seine Nachfolger nicht in dem Sinne glücklich gemacht, dass er ihnen das Blaue vom Himmel herunter versprochen hätte. Vielmehr sprach er auch von Schwierigkeiten, die auf diejenigen zukommen werden, die ihn und sein Glück annehmen. Glückliche Menschen sind nicht über alles erhaben. Aber sie haben - sogar in aller Not - das Glück in Person bei sich: Jesus Christus. Dies führt dazu, dass selbst jene Menschen sich glücklich nennen, die um ihres Glaubens willen benachteiligt, bedroht und sogar gefoltert werden. Ihr Glück ist größer als alles, was der Mensch in dieser Welt sonst jemals erleben und verstehen kann.

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Quelle: Auszüge aus dem Buch: Glücksfall Jesus
Wie mehr Glück und stärkere Zufriedenheit in Ihr Leben kommen
Pfarrer Fredy Staub, Brunnen Verlag · Basel und Gießen,
ISBN 3-7655-3774-8, besellbar unter
www.fstaub.ch

Datum: 21.03.2004
Autor: Fredy Staub

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