Ein Toter - auferstanden?

Zoom
Ein Student an der Universität von Uruguay fragte mich einmal: "Professor McDowell, warum können Sie das Christentum nicht als Legende abtun?" Ich gab ihm zur Antwort: "Aus einem ganz einfachen Grund. Ich kann nicht über ein geschichtliches Ereignis hinwegsehen - die Auferstehung Jesu Christi."

Nachdem ich mich lange mit diesem Thema beschäftigt und seine Hintergründe erforscht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Auferstehung Jesu Christi entweder die übelste, gemeinste, herzloseste Erfindung ist, mit der man die Menschheit genarrt hat, - oder das bedeutendste Ereignis der Geschichte.

Die Auferstehungsfrage nimmt das Problem: "Hat das Christentum Gültigkeit?" aus dem philosophischen Bereich heraus und stellt es in den Bereich der Geschichte. Hat das Christentum eine historisch vertretbare Basis? Sind genügend Beweise vorhanden, um den Glauben an die Auferstehung zu rechtfertigen?

Für die Auferstehung relevant sind folgende Tatsachen: Jesus von Nazareth erhob als jüdischer Prophet den Anspruch, der in den jüdischen Schriften prophezeite Christus zu sein; er wurde gefangen genommen, in einem politischen Verfahren abgeurteilt und gekreuzigt. Drei Tage nach seinem Tod und seinem Begräbnis gingen einige Frauen zu seiner Gruft und fanden nur noch ein leeres Grab. Seine Jünger behaupteten, Gott habe ihn von den Toten auferweckt und er sei ihnen vor seiner Himmelfahrt mehrere Male erschienen.

Auf dieser Grundlage verbreitete sich das Christentum und übte durch die Jahrhunderte entscheidenden Einfluss aus. Fand die Auferstehung wirklich statt?

Jesu Begräbnis

Der Leib Jesu wurde nach jüdischem Brauch in ein Leinentuch gewickelt. Dazu wurden ca. 75 Pfund aromatischen Balsams aus starken Duftstoffen so miteinander vermischt, dass eine klebrige Masse entstand, die auf das um den Körper gewickelte Tuch aufgetragen wurde (Joh 19,39-40).

Nachdem man den Leib in eine solide Felsengruft gelegt hatte (Mt 27,60), wurde ein gewaltiger (ca. zwei Tonnen schwerer) Stein mit Hebelkraft vor den Eingang gewälzt (Mk 16,4).

Eine römische Wache aus äusserst zuverlässigen Männern wurde zum Schutz des Grabes beordert. Furcht vor Bestrafung führte zu peinlicher Pflichterfüllung, besonders während der Nachtwachen. Jene Wachmannschaft befestigte an der Gruft ein römisches Siegel, sozusagen einen Stempel römischer Macht und Autorität. Es sollte jeglicher Verwüstung vorbeugen. Jeder, der versucht hätte, den Stein vom Eingang des Grabes wegzubewegen, hätte die Versiegelung aufbrechen müssen und sich den Zorn des römischen Gesetzes zugezogen. Aber das Grab war leer.

Das leere Grab

Die Anhänger Jesu behaupteten, er sei von den Toten auferstanden. Sie berichteten, er sei ihnen während eines Zeitraumes von vierzig Tagen erschienen und habe sich durch viele "überzeugende Beweise" gezeigt (einige Versionen sprechen von "sicheren Beweisen"; Apg 1,3). Paulus sagt, Jesus sei mehr als 500 seiner Gläubigen gleichzeitig erschienen. Die Mehrzahl dieser Zeugen war zur Zeit dieser Behauptung noch am Leben und konnte sie bestätigen (1. Kor 15,3-8).

A. M. Ramsey schreibt: "Ich glaube vor allem deswegen an die Auferstehung, weil eine Reihe von Tatsachen ohne sie nicht zu erklären wären. Das leere Grab ist zu auffällig, um abgeleugnet zu werden." Paul Althaus behauptet, die Auferstehung "hätte in Jerusalem nicht einen einzigen Tag, eine einzige Stunde behauptet werden können, wenn das leere Grab nicht von allen Beteiligten als Tatsache betrachtet worden wäre". 1

Paul L. Maier meinte in einem Interview: "Wenn man alle Beweise sorgfältig und ehrlich gegeneinander abwägt, dann ist es in der Tat gerechtfertigt, aufgrund der Massstäbe geschichtlicher Forschung zu schliessen, dass das Grab Jesu am Morgen des ersten Ostertages tatsächlich leer war. Und bis heute wurde in den Quellen, in der Geschichtsschreibung der Archäologie kein einziger Hinweis zur Widerlegung dieser Behauptung gefunden."

Wie können wir das leere Grab erklären? Könnte es nicht auch auf eine natürliche Ursache zurückzuführen sein?

Aufgrund von überwältigenden historischen Beweisen glauben die Christen, dass Jesus in Raum und Zeit durch Gottes übernatürliche Kraft leiblich auferweckt wurde. Diesen Tatsachen Glauben zu schenken, mag schwer fallen; aber ihnen nicht zu glauben, wirft nur noch mehr Schwierigkeiten auf.

Bedeutsam ist die Situation am Grab nach der Auferstehung. Das römische Siegel war zerbrochen - darauf stand die Strafe der umgekehrten Kreuzigung. Der grosse Stein war nicht nur vom Eingang, sondern von der massiven Grabstätte wegbewegt worden. Man könnte meinen, jemand habe ihn mit Leichtigkeit genommen und fortgetragen. Die Wachen waren geflohen. Es gab achtzehn Vergehen, für die eine Wache mit dem Tode bestraft werden konnte. Darunter fielen Einschlafen oder seinen Wachtposten unbewacht zu lassen.

Die Frauen kamen und fanden die Gruft leer - voller Panik eilten sie zurück und berichteten den Männern davon. Petrus und Johannes eilten ebenfalls zur Gruft. Johannes erreichte sie zuerst, ging aber nicht hinein. Ein kurzer Blick liess ihn Leichentücher erkennen, die zusammengeknüllt und leer am Boden lagen. Der Leib Christi war durch sie hindurch zu einer neuen Existenz hinübergegangen.

Die anschliessend entwickelten Theorien zur Erklärung der Auferstehung aus natürlicher Ursache sind recht schwach; sie tragen eigentlich eher dazu bei, das Vertrauen in die Wahrheit der Auferstehung zu festigen:

Das falsche Grab

Eine von Kirsopp Lake entwickelte Theorie geht davon aus, die Frauen seien aus Versehen zum falschen Grab gegangen. Dann müssten aber die Jünger ebenfalls zum falschen Grab gegangen sein. Die jüdischen Behörden, die um die Aufstellung einer römischen Wachmannschaft gebeten hatten, um den Diebstahl des Leichnams zu verhindern, hatten sich jedoch ganz sicher nicht im Begräbnisplatz geirrt. Das gilt auch für die römischen Wachen, die dann dort stationiert wurden.

Bei einer Verwechslung der Gruft hätten die jüdischen Behörden sicher keine Zeit verloren, den Leib aus dem richtigen Grab zu beschaffen, um damit Auferstehungsgerüchten ein für allemal entgegenzutreten.

Ein anderer Erklärungsversuch behauptet, die Erscheinungen Jesu nach der Auferstehung seien Illusionen oder Halluzinationen gewesen. Die Halluzinationsthese wird jedoch von der Psychologie als zu unwahrscheinlich abgelehnt. Die historische Situation und die geistige Verfassung der Apostel liessen Halluzinationen in solchem Umfang und mit solch weitreichenden Auswirkungen nicht zu.

Wo war also der richtige Leib, und warum konnte er nicht herbeigeschafft werden?

Die Ohnmachtstheorie

Vor einigen Jahrzehnten verbreitete Venturini die auch heute noch populäre Ansicht, Jesus sei nicht wirklich gestorben, sondern lediglich vor Erschöpfung und wegen des hohen Blutverlustes ohnmächtig geworden. Obschon ihn alle für tot hielten, wurde er später wiederbelebt, und die Jünger hielten es für eine Auferstehung.

Der Skeptiker David Friedrich Strauss - er glaubte selbst nicht an die Auferstehung - erteilte dieser These eine vernichtende Absage: "Es ist unmöglich, dass einer, der gerade halbtot aus dem Grab hervorgegangen ist, der schwach und krank herumkriecht und ärztliche Behandlung, Stärkung und zärtliche Fürsorge braucht, bei den Jüngern je den Eindruck hätte erwecken können, dass er Sieger über den Tod und das Grab - und sogar der Fürst des Lebens ist. Dieser Glaube lag ihrem späteren Dienst zugrunde. Eine solche ›Wiederbelebung‹ hätte nur den Eindruck schwächen können, den er in seinem Leben und Sterben auf sie gemacht hatte. Sie hätte aber unmöglich ihr Leid in Begeisterung oder ihre Ehrfurcht in Anbetung verwandeln können." 2

Wurde der Leichnam gestohlen?

Eine weitere Theorie behauptet, der Leib sei von den Jüngern gestohlen worden, während die Wachen schliefen (Mt 28,1-15). Die Niedergeschlagenheit und Feigheit der Jünger lassen es bezweifeln, dass sie wirklich so viel Mut aufgebracht hätten, sich den Wachen zu stellen und den Leib zu stehlen. Ihnen war nicht nach Kampf zumute. J. N. Anderson kommentiert die Vermutung, die Jünger hätten den Leib Christi gestohlen, wie folgt: "Das würde all dem widersprechen, was wir über sie wissen: ihrer ethischen Lehre und ihrer späteren Standfestigkeit in Leiden und Verfolgung. Auch hilft es nicht, ihre dramatische Wandlung zu erklären - von niedergeschlagenen, demoralisierten Flüchtlingen zu Zeugen, die kein Widerstand zum Schweigen bringen konnte." 3

Der Gedanke, dass die jüdischen oder römischen Behörden den Leib Christi weggeschafft haben könnten, ist genau sowenig logisch wie ein den Jüngern zugeschriebener Diebstahl. Wenn die Behörden also den Leib in Besitz hatten oder zumindest wussten, wo er sich befand, warum schritten sie dann nicht ein, als die Jünger in Jerusalem die Auferstehung verkündigten? Warum entlarvten sie sie nicht als Betrüger durch eine entsprechende öffentliche Erklärung?

Wenn sie den Leib wirklich in ihrer Obhut hatten, warum machten sie dann keine Aussagen darüber, wo er sich befand? Warum wurde er nicht wieder herbeigebracht, auf einen Wagen verladen und durch die Strassen Jerusalems gefahren? Eine solche Aktion hätte das Christentum vernichtend geschlagen und ihm den Garaus gemacht.

Dr. John Warwick Montgomery meint dazu: "Es überschreitet die Grenzen der Glaubwürdigkeit, dass die ersten Christen solch ein Märchen erfunden haben könnten und es dann jenen verkündet hätten, die dies schnell durch die Beschaffung des Körpers Jesu hätten widerlegen können." 4

Was spricht für die Auferstehung?

Ein bekannter Geschichtsprofessor in Oxford meinte nach seiner Emeritierung:
"Ich durfte viele Jahre die Geschichte ferner Zeiten studieren, die Zuverlässigkeit der Zeugen prüfen und abwägen. Mir ist jedoch keine Tatsache in der Geschichte der Menschheit bekannt, die durch bessere und umfassendere Beweise jeder Art gestützt wäre, als jenes grosse Zeichen, das Gott uns schenkte, indem Christus starb und von den Toten auferstand."

Der englische Theologe Brooke Foss Westcott bemerkte: "In der Tat, wenn man alle Beweise zusammenfasst, kann man sagen, dass kein historisches Ereignis besser oder verschiedenartiger bewiesen ist als die Auferstehung Christi. Nur wenn man von vornherein annimmt, sie sei auf jeden Fall falsch, kann man ihr mangelhafte Beweise unterstellen." 5

Simon Greenleaf, einer der berühmten amerikanischen Rechtsexperten und Juraprofessor in Harvard, schrieb ein Buch über den juristischen Wert der apostolischen Zeugenaussagen zur Auferstehung Jesu. Er hält es für unmöglich, dass die Apostel "an ihren Aussagen hätten festhalten können, wenn Jesus nicht wirklich von den Toten auferstanden wäre und sie dies nicht als objektive Tatsache wie jede andere ihnen bekannte Tatsache betrachtet hätten". Greenleaf kommt zu dem Schluss, dass nach den Prinzipien juristischer Beweisführung, wie sie vor Gericht Anwendung finden, die Auferstehung Christi zu den am besten bezeugten Ereignissen der Geschichte gehört.

Ein anderer Jurist bemühte sich um eine Widerlegung der Auferstehung. Seiner Ansicht nach gehörte das Leben Jesu zwar zu den herausragendsten der Menschheit, aber bezüglich der Auferstehung glaubte er, es hätte jemand einen Mythos eingefügt. Er wollte daher selbst einen Bericht über die letzten Tage im Leben Jesu schreiben - ohne die Auferstehung natürlich. Dabei ging er davon aus, dass eine rationale, intellektuelle Annäherung an Jesus seine Auferstehung fast automatisch widerlegen würde. Als er die Tatsachen jedoch mit juristischen Mitteln und Methoden unter die Lupe nahm, musste er seine Meinung ändern. Sein Buch "Who Moved the Stone?" 6 wurde ein Bestseller. Das erste Kapitel trägt den Titel "Das Buch, das nicht geschrieben werden wollte" - die weiteren Kapitel befassen sich mit überzeugenden Beweisen für Christi Auferstehung.

George Eldon Ladd kommt zu dem Ergebnis: "Die einzige rationale Erklärung für diese historischen Tatsachen lautet, dass Gott Jesus leibhaftig auferweckt hat." 7 Wer heute an Jesus Christus glaubt, kann daher - wie die ersten Christen - voll darauf vertrauen, dass sich sein Glaube nicht auf einen Mythos oder eine Legende gründet, sondern auf die solide historische Tatsache der Auferstehung Christi.

Das wichtigste ist jedoch, dass der einzelne Gläubige auch heute noch die Kraft des auferstandenen Jesus in seinem Leben erfahren kann. Das beinhaltet als Erstes die Gewissheit, dass seine Sünden vergeben sind (1. Kor 15,3). Zweitens hat er die Zusicherung ewigen Lebens und einer persönlichen Auferstehung aus dem Grab (1. Kor 15,19-26). Drittens ist er von einem bedeutungslosen, inhaltsleeren Leben befreit und in ein neues Geschöpf in Jesus Christus verwandelt (Joh 10,10; 2. Kor 5,17).

Treffen Sie Ihre eigene Entscheidung! Wie erklären Sie sich das leere Grab? Nach einer juristischen Überprüfung kam Lord Darling, der ehemalige oberste Richter von England, zu dem Ergebnis: "In ihrer Eigenschaft als lebendige Wahrheit ist sie (die Auferstehung) solch ein überwältigender Beweis, positiv und negativ, durch Tatsachen und Indizien, dass es jeder intelligenten Jury der Welt gelänge, das Urteil zu fällen: Die Auferstehungsgeschichte ist wahr." 8

Fortsetzung: Gibt es nicht doch einen anderen Weg?

1 Arthur Michael Ramsey, God, Christ and the World, London 1969, S. 78-80
2 David Fr. Strauss, zit. bei Paul Little, Ich weiss, warum ich glaube, Neuhausen 19852, S. 50
3 J. N. D. Anderson, Christianity: The Witness of history, Downess Grove 1970, S. 92
4 J. W. Montgomery, History and Christianity, Downess Grove 1972, S. 78
5 B. F. Westscott, zit. bei Paul Little, Ich weiss, woran ich glaube, Neuhausen 1977, S. 58
6 Frank Morrison, Who moved the Stone? London 1930
7 George Eldon Ladd, Die Auferstehung Jesu Christi, Neuhausen 1979

8 Michael Green, Dann lebt er also doch, Neuhausen 1957, S.79


Autor: Josh McDowell
Quelle: Wer ist dieser Mensch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige