Gibt es nicht doch einen anderen Weg?

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Kürzlich sprach mich an der Universität von Texas ein Student mit der folgenden Frage an: "Warum ist Jesus der einzige Weg, um mit Gott in Verbindung zu treten?" Ich hatte zuvor aufgezeigt, dass Jesus den Anspruch er-hebt, der einzige Weg zu Gott zu sein; dass das Zeugnis der Schrift wie auch das der Apostel verlässlich sei und dass es genug Beweise gäbe, den Glauben an Jesus Christus als Erlöser und Herrn zu rechtfertigen und zu begründen. Doch er wandte ein: "Warum gerade Jesus? Gibt es nicht noch andere Wege zu Gott? Was ist mit Buddha? Mit Mohammed? Kann man nicht einfach ein gutes Leben führen? Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, warum akzeptiert er dann nicht alle Menschen so wie sie sind?"

Diese Fragen stehen beispielhaft für die Fragen vieler, die nicht verstehen können, warum sie Jesus Christus als Erlöser und Herrn annehmen sollten, um eine lebendige Verbindung mit Gott herzustellen und Vergebung ihrer Schuld zu finden. Dem Studenten erwiderte ich, dass viele Menschen das Wesen Gottes nicht begreifen. Auch auf die Frage, wie ein Gott der Liebe es zulassen kann, dass ein einziger Sünder in die Hölle kommt, frage ich zurück: "Wie kann ein heiliger und gerechter Gott es zulassen, dass ein Sünder in seine Gegenwart kommt?" Ein falsches Verständnis des eigentlichen Wesens und Charakters Gottes liegt vielen ethischen und theologischen Problemen zugrunde. Für die meisten Menschen bedeutet Gott Liebe und nichts anderes. Doch ist er nicht nur ein Gott der Liebe, sondern darüber hinaus auch ein gerechter und heiliger Gott.

Grundsätzlich kennen wir Gott durch seine Eigenschaften. Doch eine Eigenschaft ist nie "Teil" Gottes. Früher meinte ich, wenn man alle Eigenschaften Gottes zusammenzählt - Heiligkeit, Liebe, Gerechtigkeit - komme als Ergebnis der Gleichung Gott heraus. Dem ist aber nicht so. Eine Eigenschaft ist nicht "Teil" Gottes, sondern lediglich eine Aussage über Gott. Wenn wir sagen, Gott sei Liebe, meinen wir damit nicht, ein Teil Gottes bestehe aus Liebe, sondern wir denken, die Liebe gehöre zu Gottes Handeln und Sein.

Der Sündenfall verursachte ein Problem in der ursprünglich heilen Beziehung zwischen Gott und Mensch. Wir können davon ausgehen, dass Gott vor Anfang der Zeiten beschloss, Menschen zu schaffen. Er wollte mit ihnen seine Hilfe und Herrlichkeit teilen. Doch als Adam und Eva sich gegen ihn erhoben und ihre eigenen Wege gingen, kam die Sünde in die Welt. Sünde ist nichts anderes als Trennung von Gott. Gott befand sich also in der widersprüchlichen Lage, dass er zwar Männer und Frauen geschaffen hatte, um mit ihnen seine Herrlichkeit zu teilen, dass sie jedoch seinen Rat und Befehl ausser Acht liessen und die Sünde wählten. Dennoch kam er ihnen in seiner Liebe entgegen, um sie zu retten. Weil er jedoch nicht nur ein Gott der Liebe, sondern auch ein heiliger und gerechter Gott ist, würde allein sein Wesen jeden mit Sünde behafteten Menschen zerstören. Die Bibel sagt: "Denn der Sünde Lohn ist der Tod."

Innerhalb der Dreieinigkeit aus Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem Heiligen Geist wurde eine Entscheidung getroffen. Jesus, der Sohn Gottes selbst, sollte in menschlicher Gestalt auf die Erde kommen. Er wurde Gott und Mensch in einer Person. Das ist in Johannes 1 gemeint, wo es heisst, dass das Wort Fleisch wurde und unter uns wohnte. Auch in Philipper 2 heisst es, dass Jesus Christus sich selbst zu nichts machte und Menschengestalt annahm.

Jesus war Gott und Mensch zugleich. Er war wahrer Mensch in einer Weise, als wäre er niemals Gott gewesen und ebenso wahrer Gott, als wäre er nie Mensch geworden. Aufgrund eigener Wahl lebte er ein sündloses Leben und war dem Vater völlig gehorsam. Die biblische Erklärung, dass "der Tod der Sünde Lohn ist", traf auf ihn nicht zu. Denn er war nicht nur ein der Endlichkeit unterworfener Mensch, sondern gleichzeitig der unendliche Gott. Es stand daher in seiner Macht, die Sünde der Welt, als etwas ihm Fremdes, auf sich zu nehmen. Als er sich vor knapp 2000 Jahren ans Kreuz schlagen liess, traf ihn folgerichtig der Zorn eines heiligen und gerechten Gottes. Als Jesus sagte: "Es ist vollbracht", war damit der göttlichen Gerechtigkeit Genüge getan. Man könnte auch sagen, dass Gott damit "frei" wurde, den Menschen wieder mit Liebe zu begegnen, ohne den sündigen Menschen zerstören zu müssen, wie es seine Gerechtigkeit erforderte.

Oft stelle ich Menschen die Frage: "Für wen starb Jesus eigentlich?", worauf ich gewöhnlich die Antwort erhalte: "Für mich" oder: "Für die Welt". Wenn ich dann weiterfrage: "Ja, richtig, aber für wen ist Jesus noch gestorben?" bleibt meist die Antwort aus. Christus starb nicht nur für uns, sondern auch für Gott, den Vater. Das meint Paulus in Römer 3, wenn er von Sühne spricht. Mit Sühne ist nichts anderes als die Tilgung einer Forderung gemeint. Als Jesus am Kreuz starb, starb er nicht nur für uns, sondern auch um den Forderungen des eigentlichen Wesens Gottes nachzukommen.

Vor einigen Jahren trug sich in Kalifornien folgende Begebenheit zu. Sie veranschaulicht treffend, was Jesus am Kreuz getan hat, um das Problem, das Gott durch die Sünde der Menschen erwachsen war, zu lösen. Ei-ne junge Frau wurde wegen eines Verkehrsdelikts vor Gericht geladen. Der Richter verlas die Anklageschrift und fragte: "Erklären Sie sich für schuldig oder nicht schuldig?" Die Frau bekannte sich schuldig. Der Richter fällte das Urteil. Es lautete auf hundert Dollar, er-satzweise zehn Tage Haft. Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. Der Richter erhob sich, legte seinen Talar ab, verliess den Richtertisch, zog seine Brieftasche und zahlte die Strafe. Wie lässt sich das erklären? Ganz einfach: Der Richter war der Vater der Verurteilten. Er liebte seine Tochter, war aber ein gerechter Richter. Seine Tochter hatte das Gesetz übertreten, und er konnte nicht einfach zu ihr sagen: "Weil ich dich liebe, vergebe ich dir. Du kannst gehen." Dann wäre er kein gerechter Richter mehr gewesen. Er hätte selbst das Gesetz gebrochen. Doch da er seine Tochter liebte, war er bereit, danach seine Richterrobe abzulegen, zu ihr zu gehen und die Strafe zu bezahlen.

Dieses Beispiel deutet im zwischenmenschlichen Bereich an, was Gott durch Jesus Christus für uns getan hat. Wir haben gesündigt, und die Bibel stellt fest: "Der Lohn der Sünde ist der Tod."
Ganz gleich wie gross und tief Gottes Liebe zu uns ist, er musste zunächst das Todesurteil verkünden, denn er ist ein gerechter Gott. Und doch: Als Gott der Liebe liebte er uns so sehr, dass er bereit war, seinen Sohn den Thron verlassen zu las-sen, damit dieser in Gestalt des Menschen Jesus Christus einen ungeheuren Preis für uns bezahlte - den Tod Christi am Kreuz.

An dieser Stelle fragen viele: "Warum musste das sein? Warum konnte Gott nicht einfach vergeben?" Der Geschäftsführer einer grossen Firma meinte: "Meine Angestellten machen oft etwas kaputt, und ich vergebe ihnen einfach. Wollen Sie damit sagen, dass ich etwas tun kann, was Gott nicht kann?" Man vergisst leicht, dass Vergebung immer bezahlt werden muss. Nehmen wir an, meine Tochter zerbricht in unserem Haus eine Lampe. Als liebender, vergebender Vater setze ich sie auf meinen Schoss, nehme sie in den Arm und sage: "Weine nicht, mein Schatz, Vati hat dich lieb und vergibt dir." Gewöhnlich haken hier meine Gesprächspartner ein und sagen: "Genau das sollte Gott auch tun." Doch dann frage ich: "Und wer bezahlt für die Lampe?" Wer anders als ich, der Vater. Vergebung muss immer bezahlt werden. Wenn Sie von jemandem vor anderen beleidigt werden und später grosszügig sagen: "Ich vergebe dir", dann bezahlen Sie selbst den Preis für die Beleidigung. Nichts anderes hat Gott getan. Er sagt: "Ich vergebe dir", aber er war bereit, am Kreuz selbst dafür zu bezahlen.

Fortsetzung: Er hat mein Leben verändert


Autor: Josh McDowell
Quelle: Wer ist dieser Mensch

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