Eifer ohne Gewalt

Jesus und der Kämpfer

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Er hat das Zeug zum Rebellen, denn die Zustände sind kaum zu ertragen. Wird sich Simon radikalisieren? Die Begegnung mit Jesus führt ihn auf einen anderen Weg.

Als gläubiger Patriot ist Simon überzeugt: Dem Gott seines Volks gehört allein die Ehre. Im Leben kommt es darauf an, alles für Gott zu tun. Die Römer, die seit drei Generationen im Land herrschen, verachten Gott. Sie fordern Opfer für ihre Götter und verlangen den Kniefall vor dem Kaiser.

Chancenloser Widerstand

Immer wieder haben sich Israeliten gegen die Besatzungsmacht erhoben. Alle Regungen des Unmuts wurden unterdrückt und Rebellionen mit aller Härte niedergeschlagen. Was wird Simon tun? Der Eifer für Gott treibt ihn an. Ist er militant? Wenn man ihn als Eiferer (1) bezeichnet, nimmt er das jedenfalls als Kompliment. Er gehört zu einer nicht zu übersehenden Strömung im Volk.

Ein Militanter im engsten Kreis

Vor einigen Monaten hat Simon den Wanderprediger Jesus kennengelernt. Doch überrascht es ihn, dass Jesus ihn in den engsten Zwölfer-Kreis der Anhänger beruft (Die Bibel, Lukasevangelium, Kapitel 6, Vers 15). Was soll er, der Eiferer, bei Jesus? Der Mann aus Nazareth, dem die Leute in Scharen nachlaufen, preist die Sanftmütigen und Gewaltlosen selig (Matthäus 5, Vers 5). Was hat Jesus mit ihm vor?

Heldentaten für Gott

Mit der Tradition des bewaffneten Aufstands muss auch er sich auseinandersetzen. Das Volk behält die Grosstaten berühmter Eiferer früherer Zeiten als Heldentaten im Gedächtnis: Elia wehrte sich wie ein Löwe gegen den Götzendienst, der dem Land von der eingeheirateten fremden Königin Isebel aufgezwungen wurde (1. Könige 18). Mattathias gab seinen Söhnen ein Beispiel und sie verjagten die fremden Heere (1. Makkabäerl 2). Im Machtvakuum nach dem Tod von König Herodes überfielen Militante die römische Festung Sepphoris in Galiläa, um sich zu bewaffnen. Zehn Jahre später kämpfte eine Gruppe unter einem gewissen Judas gegen die Steuern, die die Römer neu in Judäa erheben wollten (Apostelgeschichte 5, Vers 37).

Ein anderer Eifer

Obwohl sich die Zustände seither nicht gebessert haben, sagt Jesus geht einen anderen, den gewaltlosen Weg. In der Steuerfrage herausgefordert, lässt er sich eine Münze zeigen. Sie trägt das Bild des römischen Kaisers. Jesus antwortet doppelt: «Gebt dem Kaiser, was ihm zukommt, und Gott, was Gott zukommt!» (Markusevangelium 12, Vers 17).

Gott lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft: das soll im Leben im Mittelpunkt stehen. Und die Mitmenschen lieben. Jesus betont das immer wieder (Markusevangelium 12, Vers 29-31). Zudem trainiert er seine Anhänger in Gewaltlosigkeit: Wenn sie mit ihrer Predigt nur Spott und Hohn ernten, sollen sie an einen anderen Ort gehen. Jesus räumt ein, dass er sie «wie Schafe unter Wölfe»“ sendet (Matthäus 10, Vers 16).        

Kompromisslos im Tempel

Allerdings fährt er im Tempel in Jerusalem auch drein wie ein Eiferer. Er vertreibt die Händler aus der Halle, die dem Gebet vorbehalten sein sollte (Johannesevangelium 2, Vers 14-17). Sein Konflikt mit den Herren des Tempels bringt ihn schliesslich in Lebensgefahr. Sollen Simon und die andern, die ständig bei ihm sind, ihn mit Waffen verteidigen? Nein, sagt Jesus in dem Moment, da er verhaftet wird: «Alle die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen» (Matthäus 26. Vers 52).

Simon der Eiferer geht mit den anderen Anhängern durch die dunkle Nacht der Verzweiflung – Jesus wird hingerichtet und begraben – und erlebt dann, dass er, der Auferstandene, mitten unter sie tritt (Johannesevangelium 20, Vers 19-20). Er hat gewaltlos über die Gewalt triumphiert! Als Sieger über den Tod hilft er, die Angst vor dem Tod zu überwinden.

Der Weg von Jesus wird bestimmend für die ersten christlichen Gemeinden. Er hat in unserer Zeit Kämpfer wie Martin Luther King und Nelson Mandela inspiriert und weist den Weg zum Einsatz für das Gute – ohne Gewalt.


Buch zum Thema:
Bekehrung zum Leben


(1) Eiferer, hebräisch Qanna’im. In den Evangelien der Bibel geben Matthäus (10,4) und Markus (3,18) das Wort wieder – ‚Kananäus‘ in deutschen Bibeln hat nichts mit Kanaan zu tun! Lukas wählt die griechische Entsprechung Zelotes (6,15). Jene Israeliten, die in ihrer Militanz gegen die Römer Gewalt anwenden, werden als lestai (Räuber) bezeichnet, so auch die beiden mit Jesus Gekreuzigten (Markus 15,27) und der am Karfreitag freigelassene, offenbar populäre Barabbas (Johannes 18,40).



Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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