Worte des Lebens

Jesus und der Aufstieg

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Wer Karriere machen will, der muss selbstbewusst auftreten. Aber wo kippt ein Selbstbewusstsein in eitle Selbstüberschätzung? Jesus gibt einen markanten Tipp für Statusbewusste.

Das Diplom an der Wand, die Limousine in der Garage, Designerklamotten, Ferien auf der Trauminsel, eine Zweitwohnung: In allen Lebensbereichen gibt es Statussymbole, die von Erfolg und Glück künden. Das Streben nach Ansehen kittet die Leistungsgesellschaft. Wer möchte nicht gern etwas höher fliegen?

An einem Bankett fühlt sich der hinterste Tisch nicht so edel an, auch wenn dort vielleicht Köstliches serviert wird. Nah beim Gastgeber sitzen tut statusbewussten Menschen tief in der Seele wohl. Gesehen werden ist – fast – alles. Ohne die grellen Farbtupfer der Eitelkeit würde manche illustre Gesellschaft einfach nur langweilig daherkommen …

Run auf den Ehrenplatz

Diese Verhaltensweisen sind anscheinend nicht neu. Aus dem Leben von Jesus wird ganz Ähnliches berichtet. Er ist eingeladen, von einem angesehenen frommen Mann, und er beobachtet, wie andere Gäste die besten Plätze ansteuern; zumindest so gute, wie sie ihrem Selbstbewusstsein entsprechen. Keiner soll sie ungehörig tief einstufen. Das provoziert Jesus zu einer Gleichnisgeschichte – und das nicht gerade in dem Ton, der sich für einen auf Höflichkeit bedachten Gast ziemen würde.

„Wenn du von jemandem zu einem Hochzeitsmahl eingeladen wirst“, beginnt Jesus und kommt gleich zur Sache, „dann setz dich nicht auf den Ehrenplatz. Es könnte nämlich einer eingeladen sein, der angesehener ist als du, und der, der dich und ihn eingeladen hat, könnte kommen und zu dir sagen: Mach diesem Platz! Dann müsstest du voller Scham den untersten Platz einnehmen“ (Die Bibel, Lukas 14,8-9).

Wenn die Eitelkeit sich aufs Glatteis wagt, scheut sie doch die Beschämung. Jesus spricht aus gesundem Menschenverstand. Das Gleichnis muss man schlucken. Doch der Wanderprediger aus Nazareth setzt noch einen drauf:

„Nein, wenn du eingeladen wirst, dann geh und lass dich auf dem untersten Platz nieder, damit dein Gastgeber, wenn er kommt, zu dir sagen wird: Freund, rücke weiter nach oben! Dann wird dir Ehre zuteil werden in den Augen aller, die mit dir zu Tisch sitzen.“ Wirklich – ganz unten Platz nehmen? Und wenn der Gastgeber kein Auge für die Situation hat, dich vergisst …?

Der Diener erhöht

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Jesus meint es so, wie er sagt, und liefert den Grundsatz nach: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (14,11). Das ist mehr als ein Schuss vor den Bug der Eitelkeit. Sich selbst erniedrigen – beleidigt das nicht auch ein gesundes Selbstbewusstsein?

In 2000 Jahren hat unsere Kultur, von diesen Worten von Jesus mitgeprägt, wohl alle Spielarten von Eitelkeit und Selbstverleugnung erlebt, einschliesslich der frommen. Sich selbst erniedrigen gerät zum Krampf, zur Heuchelei, wenn nicht Jesus selbst als Vorbild dient. Er hatte sich als ein Diener der Menschen verstanden. Darum stellte er deren Wohlergehen über sein Wohlbefinden, ihre Ehre über sein Ansehen, die Wahrheit gegen den hohlen Schein.

Er ist von Gott erhöht und inthronisiert worden, nachdem er sich als Diener aller hingegeben hat. Dieser Weg von Jesus hat etwas Inspirierendes. Er kann einem helfen zu einem ruhigen Selbstbewusstsein und zu innerer Freiheit. Mit der darf man sich in einer Gesellschaft, die nach Ansehen heischt, gern auch auf den hinteren Plätzen niederlassen. Wenn danach ein Aufstieg kommt, dann immerhin ohne Eitelkeit.
 


Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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