Gebet um Heilung

Wie Gott heilt

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Über «Heilung» wird oft in Schwarz-weiss-Manier geredet, obwohl das Bild der Heilung im Neuen Testament recht vielschichtig ist. Siegfried Grossmann geht davon aus, dass es nicht nur eine, sondern mindestens sieben Arten gibt, wie Gott auf unser Gebet um Heilung antworten kann.

Wie reagiert Gott auf unsere Bitte um Heilung?

1. Er heilt und gibt damit eine Antwort auf das Gebet von Menschen, die um Heilung gebetet haben, des Kranken etwa, oder demjenigen, der dem Kranken die Hände auflegte, oder von Ältesten, die kamen, als sie der Kranke gerufen hatte, oder als Antwort auf eine anhaltende Fürbitte, oder auf das Fasten und Beten eines Kreises hin. Die Hoffnung von Menschen auf Heilung – oft von Menschen, die für einen anderen hoffen – ist ein Gefäss, das Gott oft mit Heilung füllt.

2. Er heilt durch das Handeln eines Arztes. Dies ist keine weniger bedeutende Art des göttlichen Heilens, sondern geschieht nur auf einer anderen Ebene. Jede Gesundung ist ein Wunder, gleichgültig, ob sie in einem Augenblick oder durch einen längeren Prozess geschieht, ob sie durch ein Gebet oder durch Medizin in Gang gesetzt wird. Der Arzt ist also nicht dann an der Reihe, wenn das Gebet «nichts genützt» hat, ebenso wenig ist Gott dann an der Reihe, wenn die Medizin «nichts genützt» hat. Es ist oft eine Frage der inneren Führung, wo der Ansatzpunkt liegt – man kann sich viele Kombinationen von «Gebet und Medizin» vorstellen. So steht in Jesus Sirach 38: «Schätze den Arzt, weil man ihn braucht, denn auch ihn hat Gott erschaffen. Durch Mittel beruhigt der Arzt den Schmerz, damit Gottes Werke nicht aufhören. Zu gegebener Zeit liegt in seiner Hand der Erfolg; denn auch er betet zu Gott.»

3. Gott will heilen, aber er findet niemanden, der Hoffnung auf Heilung hat, der um sie betet oder im Gebet die Arbeit des Arztes unterstützt – oder er findet niemanden, der Lebensumstände schafft, welche die Heilung fördern. Manchmal kann Gott auch nicht heilen, weil wir uns auf eine bestimmte Art des göttlichen Eingreifens versteift haben, die Gott nicht gutheissen kann. Es ist tragisch, wenn Gott heilen will, aber keine menschlichen Partner findet.

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4. Gott heilt, indem er den Kranken ein für allemal von allen Krankheiten und von allen Sünden befreit und ihn durch das Tor der Ewigkeit führt. Jeder von uns wird einmal den Tod erleben, der für einen Christen die umfassende und endgültige Art der Heilung ist.

5. Gott lässt die Krankheit zu, weil er uns durch sie helfen will, indem er einen anderen Bereich unserer Person heilt. Manchmal können wir dann auch die ursprüngliche Krankheit überwinden, manchmal verliert sie ihre Wichtigkeit angesichts einer viel tiefgreifenderen Veränderung, manchmal wird sie in diesen tieferen Prozess integriert. Das «Nicht-Heilen» ist dann in Wirklichkeit ein Schritt der Heilung, nur auf für uns unerwartete und «unerbetene» Weise.

6. Gott lässt die Krankheit zu, weil er uns durch das Leiden teilhaben lässt an seinem Leiden an der Welt. Paulus gibt diesem Leiden einen doppelten Sinn: «Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden. Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil» (2 Kor 1,4-5). Die Teilhabe am Leiden Christi bringt uns in eine besondere Beziehung zu Gott, der im Zusammenhang dieses Textes als «Vater des Erbarmens» bezeichnet wird. Dadurch wird uns die Gabe zuteil, andere zu trösten. Wer sein Leiden annehmen kann als Anteil am Leiden Christi, trägt insgesamt zur Heilung bei, indem er trösten kann.

7. Gott lässt Dinge geschehen, die wir beim besten Willen nicht verstehen können. Wir erleben, dass wir selbst oder andere Menschen unter ihrer Krankheit, ihrer Schwachheit oder ihrer Sünde zerbrechen. Auch wer Augen für das sehr individuelle Handeln des liebenden Gottes hat, wird immer wieder vor Rätseln stehen. Das Heil in Christus bringt Heilung. Wir dürfen sie erwarten und im Glauben dafür beten. Aber unsere Definition von Wohlbefinden ist für Gott nicht verbindlich. Und seine Wege sind für uns nicht immer erklärbar. Gott liebt uns, aber er ist in seiner Liebe souverän2.

Diesen Artikel hat uns das Magazin INSIST zur Verfügung gestellt. Der vollständige Artikel ist erstmals in der VBG-Zeitschrift «Bausteine» 4/01 erschienen. Der Autor Siegfried Grossmann ist bekannt als Autor und führender Vertreter der charismatischen Erneuerung in Deutschland.

Zum Thema:
Die Wunder der Bibel – heute noch zumutbar?

 


Autor: Siegfried Grossmann
Quelle: Magazin INSIST

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